Zurück zur Hauptseite

Virtuelles Studieren

Von Katja Eggers (EggersKat@aol.com)

Inhalt
 

1. Einleitung *

2. Virtuelles Studium als Weiterentwicklung des Fernstudiums *

3. Internetpräsenz deutscher Hochschulen *

4. Multimediale Lern- und Lehrangebote *

5. Voll-Virtualisierung ("It‘s all and only virtual") *

5.1. Fernuniversität Hagen *

6. Semi-Virtualisierung (Add-on- oder More Quality-Modell) *

6.1. Teleteaching-Projekte *

7. Uni der Zukunft – Zukunft der Uni? *

7.1. Vorteile *

7.2. Nachteile *

7.3. Perspektiven *

8. Zusammenfassung *

9. Link-Liste *

10. Literaturverzeichnis *
 
 

  1. Einleitung

  2. Die Einsatzmöglichkeiten des Mediums Internet scheinen keine Grenzen zu kennen. Neben der Wirtschaft und der Unterhaltung erobert auch die Bildung das Netz. Mit dem Einsatz der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien sind neue Möglichkeiten zur Wissensvermittlung sowie Änderungen und Hoffnungen auf Neu-Orientierung im gesamten Bildungswesen verbunden.

    Computertechnik und Informationsmedien durchdringend den studentischen Alltag und machen multimediales, virtuelles Lernen möglich. Schlagwörter wie "Hyperlearning", "Teleteaching", "Distance learning" und "Virtueller Campus" machen die Runde. Die Idee des Fernlehrens boomt, und die Folge sind eine unglaubliche Vielzahl von Online-Lehr- und Lernangeboten, bei der es schwer fällt, den Überblick zu bewahren. Die Zahl der akademischen Angebote im Internet wächst stetig. Immer mehr Universitäten bieten Seminare, Vorlesungen oder ganze Studiengänge über das Internet an.

    Die vorliegende Hausarbeit soll versuchen, ein wenig Licht in den "virtuellen Dschungel" zu bringen.

    Nach einer kurzen Einführung in die Geschichte des Fernlehrens, werde ich mich der aktuellen deutschen Universitätslandschaft widmen und zunächst auf die Internetpräsenz deutscher Hochschulen vergleichend eingehen.

    Im Anschluß daran soll eine Übersicht gegeben werden über verschiedene universitäre Multimedia-Lehr- und Lernangebote. Anhand ausgewählter Beispiele werden dann die zwei Grundmodelle virtuellen Lernens vorgestellt, wobei die Fernuniversität Hagen im Mittelpunkt steht.

    Mittels einer Gegenüberstellung von Vor- und Nachteilen des virtuellen Studierend soll im folgenden Kapitel herausgearbeitet werden, welche Chancen, Risiken und Perspektiven die "Uni der Zukunft" haben könnte bzw. hat und welche Rolle sie in der zukünftigen "Informationsgesellschaft" einnimmt.

    Die Arbeit wird durch eine Link-Liste abgerundet, die u.a. ausgewählte virtuelle Uni-Projekte, Internetartikel zum Thema und nützliche Links rund ums Studium beinhaltet.

    Es sei noch angemerkt, daß für die Gültigkeit der angeführten Links aufgrund der Dynamik des Mediums Internet keine Garantie gegeben werden kann.
     
     
     
     

  3. Virtuelles Studium als Weiterentwicklung des Fernstudiums

  4. Universitäten und Forschungseinrichtungen gelten als das "Urgestein des Internet"(1), denn sie waren die ersten, die von der Möglichkeit, Informationen im Internet frei zugänglich abzulegen, Gebrauch machten. Vor der eigentlichen "Entdeckung" und Kommerzialisierung des Internet bildeten Forscher mit ihrer Email-Kommunikation die größte Nutzergruppe der Datenwege. Zum Zwecke des Daten- und Informationsaustausches zwischen Wissenschaftlern und Studenten wurden diese Technologien ursprünglich entwickelt und bilden auch heute noch die Eckpfeiler der Verbreitung kostenlos abrufbarer Informationen.

    Die Gründe sind einfach: Wissenschaftler und Forscher haben selbst ein großes Interesse daran, ihre Arbeit möglichst schnell und möglichst weitreichend bekanntzumachen und zu publizieren (-Reputation). Durch Veröffentlichung im Internet können sie oft langwierige Herstellungsprozesse gedruckter Publikationen abkürzen und schon vorab mit Ergebnissen an die Öffentlichkeit treten

    Viele Forschungsergebnisse sind ohnehin durch Steuergelder finanziert; die Ergebnisse sollen daher auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.

    Zudem liegt ein Großteil wissenschaftlicher Daten sowieso schon in computerlesbarer Form vor und kann deshalb leicht im Internet veröffentlicht werden – und ist so auch noch dem interessierten Laien zugänglich.

    Universitäten und Forschungseinrichtungen sind es auch, die die größte Erfahrung im Aufbau und in der Pflege von Internetdiensten haben.

    Die "Virtuellen Universitäten" (VUs) sind eine Weiterentwicklung des Fernstudiums, dessen Idee ja nicht neu ist. Ziel der Fernuni war es, eine Alternative zur Präsenzhochschule darzustellen, um diese zu entlasten und das Bildungsangebot in Deutschland zu erweitern. Im Laufe der Zeit sollte die Fernuni für die Präsenzuni in bestimmten Fächern Grundstudien und Brückenkurse anbieten und Kurse übernehmen, die nicht laborgebunden sind. Eine Kooperation zwischen Fernunis und anderen Hochschulen sowie eine Gleichwertigkeit von Direkt- und Fernstudium (gleichwertige Abschlüsse etc.) wurde angestrebt. Man sah das Fernstudium als "kostensparende Antwort auf die Kapazitätsprobleme und den Numerus clausus der Hochschulen" (2). Fernstudium stellte reinen Ersatz für Unterricht aufgrund von eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten von Lehrenden und Lernenden dar. Die Ziele, neue Möglichkeiten der Zeiteinteilung und der Leistungskurve des Einzelnen sowie Studienmöglichkeiten für Berufstätige, Hausfrauen, Behinderte, in NC-Fächern abgewiesene Studienbewerber, Deutsche im Ausland, Soldaten im Grundwehrdienst, Zivildienstleistende und Strafgefangene zu schaffen, sah man schon in den 80igern. Wie auch bei der VU galten und gelten als Zugangsvoraussetzungen Hoch- bzw. Fachhochschulreife, aber keine sonstigen Zulassungsbeschränkungen. Johannes Rauh definierte die Arbeitsweise der Fernuni folgendermaßen:

    Das Fernstudium basiert im Gegensatz zum Präsenz- oder Direktstudium auf dem Selbststudium, das aus der Ferne gesteuert wird. Es ist individualisiertes Studium mit freier Zeiteinteilung und kann an einem beliebigen Ort durchgeführt werden. Die Steuerung erfolgt durch Vorgaben für den Studieninhalt und planmäßige Führung und Korrektur aus der Ferne. Das auch im konventionellen Studiensystem übliche Selbststudium unterscheidet sich davon im wesentlichen dadurch, daß es ohne Anleitung und didaktische Hilfen erfolgt und daß eine Erfolgskontrolle nicht stattfindet."(3)

    Für die Defizite des Verzichts auf "studentisches Flair" (Feten, Kneipen, Gemeinschaften etc.) plante man derzeit sogenannte "Studienzentren"(4) als Stätten der Begegnung, des Kontaktes und des wissenschaftlichen Austausches. Diese Studienzentren dienten und dienen auch gegenwärtig zur Benutzung von Studienmaterialien, technischen Einrichtungen, Kommunikation untereinander, Beratung durch Verwaltung (Einschreibung, Gebührenabrechnung etc.), Betreuung durch Lehrpersonal und Absolvierung von Prüfungen. Man ging hier noch davon aus, daß nicht alle herkömmlichen Präsenzveranstaltungen im Fernunterricht durchgeführt werden können, insbesondere laborgebundene sowie klinsche Medizin. Das Fernstudium mußte durch Präsenzveranstaltungen ergänzt werden (Gruppenarbeit, Seminare, Praktika, persönliche Gespräche mit Dozenten etc.).
     
     

  5. Internetpräsenz deutscher Hochschulen

  6. Inzwischen sind die meisten Universitäten mit einer Selbstdarstellung via Homepage im Internet vom heimischen Computer abrufbar. Wenig Service, kaum Interaktion und mangelnde Internationalität der deutschen Internet-Seiten – zu diesem Ergebnis kam das Projektteam der Firma "ProfNet", das für die Zeitschrift ONLINE TODAY die Internetseiten von 259 deutschen Hochschulen verglich und bewertete.(5)

    Mitte August 1998 untersuchte "ProfNet" die Webauftritte nach 83 Kriterien, bei denen Inhalt, Interaktivität, Layout und Handling bewertet wurden. Bemängelte wurde vor allem, daß nicht einmal zwei Drittel der untersuchten Einrichtungen ihr Vorlesungsverzeichnis online präsentierten und nur die Hälfte der Hochschulen eine Suchmaschine zur Verfügung stelle. Über Auslandsstudien, BaföG-Zuwendungen oder Stipendien erfahre man zu wenig und Campus- oder Gebäudepläne sowie einfache Telefonverzeichnisse seien viel zu dünn gesät.

    Im Vergleich mit anderen Branchen schneiden die Hochschulen jedoch noch relativ gut ab, wobei die Gesamthochschulen von allen Hochschultypen die Nase vorn haben.

    Auf Platz 1 der "Rangliste" findet sich die Fernuniversität Gesamthochschule Hagen. Sie wurde als besonders "kundenorientiert", übersichtlich, optisch einheitlich klar und inhaltlich sehr gut bewertet und als "absolute Top-Site im Universum der Lernwilligen" betitelt.

    Die Universität Hannover belegte in diesem Test übrigens Platz 57. Positiv befand die Jury hier die Informationen für die Presse, die Suchmaschine, die Links zu Partnerhochschulen und den aktuellen Terminkalender, bemängelte aber den spartanischen Einsatz von Gestaltungselementen, der zwar die Ladezeiten verkürzt aber auch für Langeweile sorgt.

    Insgesamt ließe die Qualität des Internet-Studiums laut Expertenmeinung aber noch sehr zu wünschen übrig:

    Qualität des Internet-Studiums bedeutet eben nicht nur, Seminare ins Internet zu übertragen, Konferenzen und Chats mit wissenschaftlichen Themen zu veranstalten. Das ist erst der zweite Schritt. Qualität heißt zunächst, potentiellen Studierenden Orientierung zu geben, sie mit der neuen Lernumgebung vertraut zu machen und Barrieren abzubauen. "Support" lautet hier das entscheidende Stichwort. Was soviel heißt wie: Studierende in die spezielle Lernform einzuführen, jederzeit während des Kurses für technische Hilfe zu sorgen und immer wieder Tips zu geben. Das Online-Studium lebt von der Kommunikation! Wenn da nichts läuft, läßt das Interesse schneller nach, als man "Klick" machen kann (6).

     

  7. Multimediale Lern- und Lehrangebote

  8. Eine konventionelle Lehrveranstaltung ist geprägt durch festgelegte Termine und Räumlichkeiten. Der Lehrstoff wird meist durch Tafelanschrieb oder Overhead-Folien vermittelt. Praktische Beispiele und Vorführungen sind eher die Ausnahme. Durch die ständig zunehmende Menge an Wissen und Informationen wird es aber auch im Studium immer schwieriger, dieses Wissen zu vermitteln. Hier kann der Einsatz von vernetzten Rechnern eine sinnvolle Ergänzung sein. Auch weitgehend konventionelle Vorlesungen können durch die Einspielung von Videoaufzeichnugen oder die Projektion von Computer-Animationen bereichert werden.

    Durch das Ablegen von Skripten , Übungsblättern und vorlesungsbegleitenden Kursen auf einem Server erhalten die Studierenden darüber hinaus die Möglichkeit, an ihren PCs den Stoff der Vorlesung nachzubereiten und zu vertiefen. Übungsblätter können nicht nur übers Netz geholt, sondern auch online beantwortet und ggf. an den Betreuer zur Korrektur zurückgeschickt werden. Offene Fragen zum Vorlesungsstoff können in vorlesungsspezifischen Newsgroups zur Diskussion gestellt oder per Email an den Professor gesandt werden. Durch einen Online-Zugang zur Universitätsbibliothek sind jederzeit Abfragen zu Büchern möglich. Weiterführende Recherchen zu Vorlesungsthemen sind im Internet mit Hilfe von Suchmaschinen möglich. Es bieten sich also die unterschiedlichsten Möglichkeiten, um die neuen Technologien für Seminare oder Vorlesungen einzubinden.

    Die möglichen virtuellen Lehrangebote lassen sich unterscheiden nach asynchronen und synchronen Unterrichtsformen (7).

    Die asynchronen Unterrichtsformen haben den Vorteil des hohen Maßes an Selbstbestimmung und Freiheit bezüglich Ort, Zeit und Lerntempo. Die synchronen Unterrichtsformen setzen voraus, daß sich die Beteiligten zu einer bestimmten Zeit in einem virtuellen Raum treffen müssen (Real-Time-Kommunikation).

    Asynchron wären z.B. Tutorials (aufeinander aufbauende Lernmodule für das WWW oder CD-ROMs), Emails, Newsgroups und Mailinglisten, Virtuelles Teamwork über neue Softwarelösungen (Shared-Editing-Systeme), multimedia-unterstützte Vorlesungen (z.B. durch Folien-Inhalte, die auf einem Rechner abgelegt werden oder eingebaute Videosequenzen und Animationen), Online-Skripte und –Übungsblätter (Vorteile bezüglich Interaktivität und Wiederverwendbarkeit), z.B. experimentelle Aufgaben, Ankreuz-Aufgaben mit automatischer Auswertung.

    Online-Konferenzen über IRC-Server (Internet Relay Chat), Videokonferenzen und audiovisuelle Sprechstunden zählen hingegen zu den synchronen Lehrangeboten.

    Natürlich darf bei all der Begeisterung für den Einsatz von Multimedialem der Erstellungsaufwand für Lehrveranstaltungen im Internet nicht vergessen werden. Es erfordert sicherlich erheblich mehr Zeit, eine Lehrveranstaltung auszuarbeiten, die nicht nur aus einem "digitalisierten Skript" besteht, sondern tatsächlich auch die Möglichkeiten des Internets oder eines "virtuellen Hörsaals" nutzt. Die Motivation, derartiges Lehrmaterial häufig zu aktualisieren, dürfte gering sein. Auch die mit dem Internet verbundenen urheberrechtlichen Probleme sind noch weitgehend ungelöst.

    In der Fülle der Online-Lernangebote können grob zwei Grundmodelle(8) unterschieden werden, auf die nachfolgend näher eingegangen werden soll.
     
     

  9. Voll-Virtualisierung ("It‘s all and only virtual")

  10. Bei diesem Modell wird in unterschiedlicher Ausprägung und Stärke auf die Fortsetzung des klassischen Fernlehre-Ansatzes gesetzt, wie es z.B. die Fernuni Hagen praktiziert. Diese Projekte wollen mit Hilfe der neuen Technologien den Fernlehreansatz erweitern und verbessern und bewegen sich so in Richtung totale Virtualität bzw. "Voll-Virtualisierung".

    Insgesamt sind diese rein virtuellen Angebote (noch) sehr selten. In Deutschland ist die Fernuni Hagen die einzige voll-virtuelle Hochschule. In den USA wäre als Bsp. die University of Phoenix Online (http://www.uophx.edu/online/) zu nennen.

    Schon viel häufiger verbreitet sind verschieden angelegte Unterstufen in diesem Modell, bei dem an einer "realen" Universität oder Hochschule zusätzlich zu den Präsenzangeboten virtuelle Studiengänge oder einzelne virtuelle Kurse hinzukommen.

    Voll-virtuelle Kurse oder Studiengäne erfordern keinen Besuch vor Ort. Für die Abnahme von Prüfungen finden an den meisten Hochschulen jedoch als Präsenzveranstaltung statt.

    In Deutschland wird an vielen Universitäten mit dem Einrichten von virtuellen (Aufbau-) Studiengängen experimentiert, wie z. B. das Projekt "Lehre 2000" – Virtueller Studiengang Wirtschaftsinformatik http://lehre2000.iwi.uni-sb.de/docs_dt/html/index.html oder das Virtus-Projekt Köln http://www.virtus.uni-koeln.de/. Es kommt dabei aber auch durchaus vor, daß Projekte nach der Erprobungsphase nicht weiter fortgesetzt werden, wie z.B. das Aufbaustudium Informations- und Kommunikationssysteme der TU Chemnitz http://www.tu-chemnitz.de/home/iuk/iuk.html, welches insbesondere mit organisatorischen und rechtlichen Problemen zu kämpfen hatte.

    Der Telekurs "Typographie für Informationsfachleute" http://telekurs.fh-hannover.de/ , den die Fachhochschule Hannover im Fachbereich Informations- und Kommunikationswesen/Technische Redaktion anbietet, ist ein Beispiel für den erfolgreichen Einsatz internetgestützter Formen des Fernstudiums. Die Präsentation des Lernstoffes und die Kommunikation der Kursbeteiligten findet überwiegend über das Internet statt. Persönlich trifft man sich in der FHH lediglich zu einem eintägigen Startreffen und einem Abschlußkolloqium. Beim Starttreffen werden die Beteiligten in die Telekurstechnik und –methodik eingeführt; beim Abschlußtreffen präsentieren die Kursteilnehmer als Prüfung eine Hausarbeit. Dazwischen liegen acht bis zehn Wochen, in denen der Lernstoff der 6-12 wöchentlichen Web-Lektionen durchgegangen, die Begleitliteratur gelesen, die Hausaufgaben bearbeitet und an einem Diskussionsforum teilgenommen wird.

    Es besteht die Möglichkeit, eine Probelektion zum Thema "Mikrotypographie" aus dem Telekurs "Typographie für Informationsfachleute" http://telekurs.fh-hannover.de/probelektion.htm durchzuführen.

    Um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen, soll ausführlich lediglich noch die Fernuniversität Hagen betrachtet werden.

    1. Fernuniversität Hagen

    Projektbeschreibung

    Die Fernuni Hagen http://www.vus-fernuni-hagen.de/ hat derzeit im Bereich Fernstudium das umfangreichste Angebot an Studiengängen anzubieten und ist die führende deutsche Medienuniversität.

    Seit dem Wintersemester 1996/97 werden mit dem Projekt "Virtuelle Universität – Fernuniversität Online" neue Wege beschritten. Erstmals wurden alle Funktionen einer Universität integriert umgesetzt und ließen so ein vollständiges und homogenes System entstehen. Die konsequente Nutzung neuer Medien (Multimedia- und Kommunikationstechnologie) macht räumlich als auch zeitlich flexibles und bedarfsorientiertes Lernen möglich. Es wird nicht nur interaktives Lehrmaterial über die Datenautobahn verschickt, was ja viele Universitäten inzwischen als Ergänzung zu Präsenzveranstaltungen tun, sondern auch Kommunikation zwischen den Studierenden untereinander und gemeinsames Lernen (peer learning) über das Netz möglich gemacht. Über übliche PCs wird "multimediamäßig" aufbereitetes Lehrmaterial (Kurse, interaktive Videos, Computer Based Trainig, Lernspiele, Aufgabentrainer, Simulationspakete, Experimentiersoftware, Animationen als auch Printmedienausdruck) bezogen, in Bibliotheken recherchiert, Auskunft eingeholt, experimentiert und kommuniziert. Die Lehrmaterialien lassen sich entweder online einsehen oder auf den eigenen Rechner herunterunterladen, um Telefonkosten zu sparen. Insbesondere Internet und ISDN als auch netzbasiertes Videoconferencing werden genutzt: Wie an Präsenzuniversitäten halten Studierende Referate, der Vortrag und die anschließende Diskussion erfolgen dann aber per Videoübertragung. Am 16.8.97 fand auf diese Art und Weise die größte interaktive Multi-Point-Videokonferenz . http://artus.fernuni-hagen.de/zeitungsberichte/uni1.htm im Hochschulbereich statt.

    Um die für die Studierenden anfallenden Kosten macht man sich generell keine Sorgen, da der "typische" Fernstudent berufstätig ist und ein festes Einkommen hat und davon ausgegangen wird, daß der Informatik- oder Elektrotechnikstudent ohnehin technisch gut ausgestattet ist.

    Wer weniger gut ausgestattet ist, kann sich zu Semesterbeginn in einem Studienzentrum informieren und trainieren lassen. Hier helfen Ansprechpartner auch bei akuten Fragen.

    Grundsätzlich kann die Software für den Zugang zur VU als Free- oder Shareware vom Hagener Rechner heruntergeladen werden. Während Freeware dauerhaft kostenlos benutzt werden darf, wird bei Shareware von der Herstellerfirma nach dem Test des Programms eine Nutzungsgebühr erwartet. Das Studium selbst ist kostenlos, es werden aber für jeden Kurs Versandkosten für die Studienmaterialien erhoben. Hinzu kommen , sofern nicht vorhanden, die Anschaffung eines Computers (mit CD-ROM-Laufwerk, Soundkarte, Mikrofon und Modem) und die Telefon- und Providergebühren, die den Internetzugang ermöglichen. Videokameras und Mikrofone verleiht die Fernuni bei Bedarf.

    Um das Angebot der VU nutzen zu können, benötigt man einen registrierten Zugang, d.h. man muß an der Fernuni eingeschrieben sein. Zum Betrachten der Virtuellen Universität (VU) wird ein Browser, der Frames darstellen kann; benötigt; Java und Java Script müssen aktiviert sein, z.B. Netscape 3.0 oder Microsoft Internet Explorer. Der Zugriff erfolgt dann – wie heutzutage schon üblich – über die Homepage http://vus-fernuni-hagen.de.

    Benutzeroberfläche

    Das Web-Angebot der VU unterscheidet nach nicht registrierten Besuchern (öffentlicher Bereich) und registrierten Fernstudenten (passwortgeschützter Bereich). Auf der Startseite werden eine Reihe von Elementen angeboten, die in die einzelnen Bereiche der VU führen und die man über Symbole anklicken kann.

    Das Büro bietet Zugang zu den administrativen Funktionen: Organisatorisches, wie die Belegung von Kursen, Rückmeldung, Änderung persönlicher Daten, Anmeldung zu Klausuren als auch die Anmeldung zu einem registrierten Zugang zur VU finden über Email statt.

    Im Bereich Forschung werden aktuelle wissenschaftliche Fragen diskutiert, Forschungsschwerpunkte präsentiert und Forschungsergebnisse veröffentlicht, was nicht nur für die Forschenden der Universität, sondern auch für Diplomanden, Doktoranden und Projektgruppen wichtig ist. Von hier aus gelangt man zu den jeweiligen Fachbereichen. Zur Zeit angeboten werden: Informatik, Elektrotechnik, Wirtschaftswissenschaften, Rechtswisenschaften, Mathematik und ESGW (Erziehungs-, Sozial- und Geisteswissenschaften.

    Im Shop können alle käuflichen Materialien der Fernuni durchgesehen und mittels Bestellformularen bestellt werden (z.B. Software, Videos, Brückenkurse, Online-Demos, CD-ROMs, Booklets, Disks...).

    Über den Bereich Lehre haben Studierende Zugang zu Lehrveranstaltungen, Vorlesungen, Seminaren, Praktika, Prüfungen und Übungsgruppen der einzelnen Fachbereiche und Weiterbildungsveranstaltungen. Außerdem erhält der nicht registrierte Besucher hier die Möglichkeit, einen kleinen, aber repräsentativen Ausschnitt aus dem Lehrangebot der VU einzusehen und Demo- Lehrmaterialien und –Veranstaltungen auszuprobieren.

    Der Klick auf das Element Information führt zu einem Informationssystem und verweist auf die entsprechenden Informationsseiten. Bei Bedarf wird zu menschlichen Beratern durchgestellt. Über "guided tours" werden am Fernstudium interessierte Besucher über den virtuellen Universitätscampus geführt.

    Im Bereich News kann man aktuelle Informationen abrufen: Ein "Schwarzes Brett" liefert das Neueste aus der Fernuni, "Net News" sind Diskussions- und Informationsforen, die vom Lehrgebiet Psychologie zusammengestellt wurden, und Hilfe bei der Suche nach Newsgruppen bietet ein Klick auf "Deja News" (Suchmaschine). Studierende werden hier unterstützt bei der Auswahl relevanter Informationen.

    Der Bereich Bibliothek führt zu einer Auflistung von WWW-Online-Bibliothekskatalogen (Deutschland, Österreich, Schweiz); Gutenberg Projekt, Elektronischen Buchhandlungen und dem Karlsruher Virtuellen Katalog. Über diesen Zugang gelangen die Studierenden bequem zu traditionellen und digitalen Bibliotheken, um zu recherchieren, Bücher vorzumerken oder zu bestellen etc. Es können über die Bibliothek auch Bücher oder Artikel eingesehen und auf das lokale System übertragen werden, die in digitaler Form vorliegen.

    Besonders interessant, da ungewöhnlich, ist die virtuelle Cafeteria: Dieses Forum dient als Treffpunkt der Studierenden und ermöglicht Smalltalk über interne Newsgroups und die Diskussion von Fragen jeglicher Art. In Pinboards können Studierende Nachrichten posten und Tips beziehen. Web Chat, Café News, Asta News, Studienberatung News und elektronisches Café sind im Kommunikationsangebot enthalten. Außerdem gibt es einen "Kleinanzeigenmarkt", "Mitfahrangebote" und sogar die Rubriken "Spiele" und "Witze". Lernkontakte und Gruppendynamik gelangen so an die heimischen Computer und sollen die klassischen Nachteile des Fernstudiums, wie Einzelkämpfertum und Isolation, beseitigen.

    Da das Projekt "VU" alle wichtigen Funktionen einer Universität mit Hilfe von Netzen umsetzt, sieht man "eine völlig neue Perspektive hinsichtlich der Qualität, der Individualisierung, der Bedarfsorientierung und der sozialen Vernetzung (...) und eine konsequente Antwort auf die Anforderungen der heutigen Arbeitswelt an die Bildungssysteme" (9).

    Noch müssen die meisten Studenten persönlich zur Prüfung erscheinen in einem der Studienzentren. Geplant ist aber, daß dies zukünftig auch mit Hilfe von Mikrofonen und Kamera von zu Hause aus möglich sein soll, um Online-Studenten lange und teure Anfahrten zu ersparen. Die Durchführung virtueller Praktika ist das nächste Ziel der Fernuni.

    Auch heimische Unternehmen und Firmen versprechen sich vom Konzept der VU großen Nutzen.(10). Medien und Studierende bewerteten die VU der Fernuni Hagen ebenfalls positiv (s. dazu auch den dortigen Pressespiegel und die Studierendenreaktionen).

    Zwischenergebnisse der Studienbefragung zur VU

    Seit Beginn des Wintersemesters 1996/97 wurde fortlaufend eine Befragung der Studierenden durchgeführt, um anhand der Ergebnisse das Angbebot der VU besser an die Bedürfnisse der Studierenden anzupassen. Um zu zeigen, welche Akzeptanz die VU bei Fernstudenten findet und wie diese das neue Projekt bewerten, sollen die vorliegenden Zwischenergebnisse der Umfrage kurz zusammenfassend dargestellt werden.

    Die Hälfte der befragten Studierenden der VU ist 31-40 Jahre alt (51%) und überwiegend männlich (83%). Die meisten sind entweder Vollzeit- oder Teilzeitstudenten; Studiengangszweithörer, Kurszweithörer und Gasthörer sind eher die Ausnahme. Als Studienziel wurde von 75% der Befragten ein Diplomabschluß angegeben; 25% nutzen die VU zur Weiterbildung. Die meist besuchten Fachbereiche sind Wirtschaftswissenschaften (über 45%) und Informatik (ca. 35%); ESGW und Elektrotechnik werden noch selten besucht.

    Die Umfrage erfragte außerdem die technische Ausstattung der Fernstudierenden. Demnach besitzen 83% einen Computer, 17% nicht. Die am häufigsten genannten Betriebssysteme waren Win95, Windows3.x und WinNT. 55% der Befragten haben einen Rechner, der mit CDROM ausgestattet ist, 55% besitzen einen Farbmonitor, 70% eine Soundkarte, nur 3% eine ISDN-Karte. Immerhin 55% gaben an, keine Lautsprecherboxen zur Verfügung zu haben.

    Anhand einer Notenskala von 1-6 (1="Bin Experte", 6="Kenne ich nicht") sollten die Studierenden ihre Kenntnisse bezüglich der angegebenen Internetdienste einschätzen. Mit Email hatten die meisten Befragten Erfahrung. InternetRelayChat, Audio- und Videokonferenzen wurden noch selten genutzt. Als die häufigsten Kommunikationsarten wurden News (ca. 43%), Videokonferenzen (ca.24%) und Email (ca. 21%) genannt, wenn diese zur Verfügung stünden.

    Mit einer Skala von 1-10 (1="trifft genau für mich zu", 10="trifft für mich nicht zu") wurden die Studierenden aufgefordert, die Problematik verschiedener Bereiche des Fernstudiums zu bewerten. Nur 1% sah die Aktualität der gedruckten Lehrmaterialien voll gewährleistet, die meisten der Befragten waren einigermaßen zufrieden damit. Für das Statement "Die Gebühren der Fernuniversität sind angemessen" wurden alle Noten mehr oder weniger gleich vergeben. Auch über die Präsenzphasen gab es unterschiedliche Angaben. Die meisten Befragten stimmt zu, daß die Fernuni für sie teilweise recht anonym sei. Die Mehrheit würde ein gemeinsames Arbeiten und Lernen in Arbeitsgruppen mit anderen Studierenden begrüßen. Die Gelegenheit zur Schließung und Aufrechterhaltung sozialer Kontakte zwischen den Studierenden wurde als eher rar bewertet.

    Die Ergebnisse zu den Fragen zur Erwartung an eine VU (Forderungen, Wünsche etc.) liegen leider noch nicht online vor.

    Insgesamt betrachtet, fällt auf, daß die größte Problematik der VU Anonymität und mangelnde soziale Kontaktmöglichkeiten sind. Im Kapitel 7 wird auf diese Thematik im Zusammenhang einer Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile von Online-Unis noch detaillierter eingegangen.
     
     

  11. Semi-Virtualisierung (Add-on- oder More Quality-Modell)

  12. Hierbei handelt es sich um Projekte, in denen die klassische Lern- und Lehrform nur durch den Einsatz neuer Technologien ergänzt werden solle mit dem Ziel, das bereits bestehende und ganz normale Studienangebot qualitativ zu verbessern.

    Reale sowie virtuelle Lehr- und Lernorte und –methoden werden verknüpft: Es besteht z. B. die Möglichkeit, Experten die über Videokonferenzen in ein Seminar zugeschaltet sind, in Diskussionen miteinzubeziehen, Diskussionen in Newsgroups hinein zu verlängern,

    die Themen des Seminars durch weiterführende Informationshinweise im WWW abzurunden. Auf diese Weise können die neuen Interaktionsmöglichkeiten in den Lehrplan integriert werden, ohne daß jedoch auf das persönliche Gespräch zwischen Studenten untereinander und zwischen Studenten und Dozenten verzichtet werden muß.

    Während visuelle Veranschaulichungen von Zusammenhängen und Prozessen sowie schnelles Bereitstellen und Aktualisieren von Informationen schon vergleichsweise oft von medienunterstützten Projekten erfüllt ist, bleiben Interaktivität, Zeit- und Ortsunabhängigkeit der Anwendungen, Übertragungen in andere Veranstaltungen bzw. Hochschulen oder das gleichzeitige Ansprechen vieler Studierenden noch relativ unerschlossen.

    Die Add-on-Modelle haben sich vor allem europäische Projekte zu eigen gemacht. Die Symbiose zwischen virtueller und traditioneller, auf Präsenz beruhender Lehre wird u. a. von sogenannten "Teleteaching-Projekten" praktiziert.
     
     

    1. Teleteaching-Projekte

    Teleteaching oder auch Teletraining definiert sich als Aus- und Weiterbildung unter Einsatz von Rechnern, Multimediatechniken und Computernetzen. Mittels Teleteaching, das bereits sowohl in der Hochschullehre als auch in der industriellen Fortbildung angewendet wird, können Einschränkungen, die durch zeitliche oder räumliche Entfernung bedingt sind, abgebaut werden. Gerade in der Hochschulausbildung ist es wichtig, Wissen exemplarisch zu vertiefen und für die Forschung zu präsentieren. Durch Teleteaching können spezielle Angebote einzelner Hochschulen für weite Bereiche verfügbar gemacht werden, womit den Studierenden ein breiteres Ausbildungsangebot zur Verfügung steht.

    Die derzeit laufenden Teleteaching-Projekte haben zum Ziel, Vorlesungen live zwischen zwei oder mehr kooperierenden Universitäten zu übertragen, Lehrveranstaltungen aufzuzeichnen und auf einem Server abzulegen und Videokonferenzen zwischen verteilten Arbeitsgruppen zu ermöglichen. Es ist auch möglich, Lehrveranstaltungen nicht komplett zu übertragen, sondern vorrangig Video-Sequenzen in Vorlesungen einzubauen, um Lehrstoff interdisziplinär auszutauschen oder praktische Beispiele einzuspielen.

    Kooperationsbemühungen gibt es zwischen Universitäten verschiedener Bundesländer oder aber als "Public-private-Partnership" von Universitäten und Wirtschaftsunternehmen.

    Teleteaching stellt hohe Anforderungen an die Übertragungskapazität der Netze und an die Rechner-Hardware. Die technische Infrastruktur in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist ungenügend, Telekommunikation ist teuer, die private PC-Ausstattung vieler Studierender nicht auf dem neuesten Stand, so daß komplexe Internetseiten kaum in erträglicher Zeit zu laden sind. Und die frei zugänglichen Hochschul-PCs für Studierende sind leider knapp. Deutschland holt im Vergleich zu andern Ländern zwar stark auf, steht aber erst noch an der Schwelle zur technologischen Reform der Universitäten.

    Im folgenden sollen einige ausgewählte "Virtuelle Projekte" exemplarisch vorgestellt werden.

    Links zu weiteren Projekten finden sich im Anhang dieser Arbeit.

    Das Teleteaching-Projekt Dresden-Freiberg http://www.telematik.tu-freiberg/de/teleteaching/index_telet.html ist eine Kooperation zwischen den Fakultäten Informatik, Wirtschaftsinformatik und Psychologie der TU Dresden sowie der Fakultät Informatik der TU Bergakademie Freiberg. Im Rahmen dieses Forschungsprojektes wurden u.a. Videokonferenz und WWW eingesetzt, um einzelne Vorlesungen und Übungen parallel an mehreren Orten über das Internet anzubieten. Lehrveranstaltungen sollten so multimedial unterstützt und die Online-Interaktion mit den Studierenden gefördert werden. U. a. wurde eine spezielle Präsentationsform zur Großbildprojektion in Hörsälen zur Unterstützung von Vorlesungen eingesetzt.

    Das Internet machte die Zusammenarbeit der beiden Hochschulen, die ca. 40 km auseinander liegen, möglich und diente als Zugangsmedium für die Studierenden. Jederzeit abrufbare Informationen wurden auf Webservern zur Verfügung gestellt, synchrone Interaktion erfolgte mit Hilfe von MBone-Tools (Videokonferenzwerkzeuge). Lehrveranstaltungen konnten durch Teile anderer Veranstaltungen angereichert werden, und durch die Einbeziehung unterschiedlicher Fachrichtungen ergab sich ein interdisziplinärer Austausch. Lehrblöcke, ganze Veranstaltungen als auch Vorlesungsteile sowie Übungen und Unterlagen wurden zwischen den Fakultäten ausgetauscht, so daß die Studierenden auch Einblick in relevante Bereiche anderer Disziplinen erhielten. Der direkte Kontakt zum Dozenten oder Tutor erfolgte per Email. Außerdem bestanden interaktive Möglichkeit zum Selbsttest der Lernenden. Digitale Videosequenzen aus Vorlesungen konnten abgerufen und Übungen bei vorhandener Technik zu Hause erledigt werden. Virtuellen Lerngruppen bildeten sich und lösten gemeinschaftlich komplexe Aufgaben. Die Studierenden konnte durch die enge Kooperation ihrer Hochschulen erhebliche Reisekosten und Zeit sparen.

    Die Webseiten und Folien zu den Vorlesungen wurden übrigens von studentischen Hilfskräften mittels Web-Editoren erstellt.

    Insgesamt betrachtet konnte das angestrebte Ziel, traditionelle Lernformen zu unterstützen und zu erweitern, um so eine neue Qualität der universitären Lehre zu erreichen, durchaus verwirklicht werden, wobei sich auch zeigte, daß der Bedarf an deutschen Hochschulen besteht, die vorhandene Infrastruktur für eine moderne Form der Lehrgestaltung zu nutzen.

    Ähnliche Ziele verfolgte auch das Teleteaching-Projekt der Universitäten Heidelberg und Mannheim http://www.informatik.uni-mannheim.de/informatik/pi4/projects/teleTeaching/ziele.html :

    Bereicherung des Lehrangebots, Verbesserung der Lehre, Entwicklung eines Teleteaching/Telelearning- Gesamtkonzepts sowie Intensivierung der Zusammenarbeit mit anderen Unis.

    Es besteht dort die Möglichkeit, über Internet zu hören, was Professor E. über diese Ziele des Projektes sagt. Betont wird auf jeden Fall, daß beim Teleteaching die vorhandenen Lehr- und Lernmethoden und –angebote nicht ersetzt sondern ergänzt werden sollen.

    Positiv bei diesem Projekt ist die gegenseitige Anerkennung von Prüfungsleistungen.

    Die Ergebnisse einer Umfrage zeigten aber auch, daß der Einsatz der neuen Medien einige Probleme mit sich brachte, an denen zukünftig noch gearbeitet werden muß. So kam es z.B. zu Defiziten bei der Moderation von Interaktionen während einer Vorlesung. Die unzureichende technische Ausstattung machte es schwierig, Wortbeiträge zu verstehen und führte zu Konzentrationsschwierigkeiten aufgrund der Ton- und Bildprobleme. Bei ihren virtuellen Referaten waren die Studenten überfordert mit der Koordination von Computerbedienung, lebendiger Vortragsgestaltung und Interaktionsmanagement. Die Referenten hatten zudem nicht die Möglichkeit, die Reaktionen des Publikums in befriedigender Weise wahrzunehmen oder in die Gestaltung des eigenen Vortrags einzubeziehen.
     
     

  13. Uni der Zukunft – Zukunft der Uni?
  14. Nachdem nun einige ausgewählte Beispiele für virtuelle Unterrichtsformen vorgestellt worden sind und die derzeitige Online-Universitätslandschaft beleuchtet wurde, bietet es sich an, die Vor- und Nachteile noch einmal aufzuzeigen und im Anschluß daran auf die Perspektiven der "Cyber-Hochschulen" einzugehen.
     
     

    1. Vorteile

    2. Für die Studierenden liegen die Vorteile von virtuellen Lehrveranstaltungen vor allem in der Orts- und Zeitunabhängigkeit. Besonders Studenten mit langen Anfahrtszeiten und Studierende mit Nebenjob oder dualen Studiengängen können von der freien Zeiteinteilung profitieren. Studieren, das nicht mehr an Institutionen gebunden ist, bietet auch neue Chancen für die Weiterbildung chronisch Kranker, Behinderter oder Menschen im Strafvollzug. Defizite wie Raummangel in überfüllten Hörsälen werden durch die Verfügbarkeit einer leistungsfähigen Datenkommunikation entscheidend gemindert.

      Das Lern- und Arbeitstempo ist individuell bestimmbar ebenso wie Weg und Ziel.

      Durch virtuelle Arbeitsgruppen und Diskussionsforen läßt sich kooperative Arbeit verstärken. Der Umgang mit gigantischen Datenmengen wird geübt, und Kernqualifikationen des Arbeitsmarktes wie Selbständigkeit und Eigeninitiative werden gefördert. Der Umgang mit einer immer bedeutender werdenden Arbeitsform, dem Telearbeit, ist außerdem eine wertvolle Zusatzerfahrung.

      Ein weiterer Pluspunkt: Multimedial aufbereitete Inhalte sind häufig verständlicher:

      Wissenschaftliche. Untersuchungen haben gezeigt, daß Schüler und Studenten 20 Prozent von dem, was sie behalten, was sie sehen, 40 Prozent dessen, was sie sehen und hören, und 70 Prozent von dem, was sie sehen, hören und tun. Interaktive Lernprogramme bieten ein multisensorisches Lernerlebnis, das die Art und Weise optimiert, wie Menschen Informationen aufnehmen. (11).

      Die Anbieter von Software für Online-Learning geben sich euphorisch: Mit Werbeslogans (12) wie "Die Welt des "distance learning" kennt praktisch keine Grenzen", oder "So wird Lernen zum Vergnügen!" preisen sie die "attraktive Auflockerung des Lehrangebots durch multimediale Aufbereitung".

      Verbesserte Lernleistung und größere Motivation (womöglich durch Neuigkeitseffekt und Aktualität) erhoffen sich auch die Universitäten selbst, die das Dienstleistungsangebot gegenüber Studierenden vergrößern wollen. Gerade in der Hochschulausbildung ist eine exemplarische Vertiefung des Wissens und damit das Vordringen an die jeweilige Forschungsfront besonders wichtig. Durch Teleteaching-Projekte können Universitäten ihre speziellen Online-Angbote in weiten Bereichen verfügbar und für jedermann (mit Internetanschluß) zugänglich machen.

      Sandbothe erhofft sich von den interaktiven Datennetzen, daß Bewegung kommt in die traditionellen Fächergrenzen und warnt diesbezüglich vor "geschlossenen Bildungsnetzen" (13).

      Auch könnte durch vermehrte Online-Lehrveranstaltungen Arbeit optimiert und rationalisiert werden, indem z.B. bestimmte Teile des Studiums von Professoren auf Tutoren verlagert würden und so Kosten gespart werden könnten. Lehrkräfte müßten nicht täglich in der Universität erscheinen, sondern hätten die Möglichkeit, ihre Vorlesungen von Zuhause aus zu halten. Wissenschaftler und Dozenten sparen zeitaufwendige Reisen zu Tagungen und Symposien, und Pendler (Dozenten als auch Studierende) Zeit und Anreisegeld.

      Kooperationen zwischen Universitäten, Online-Patenschaften und Projekte, die Forschung und Wirtschaft miteinander verknüpfen bringen volkswirtschaftliche Kosteneinsparung mit sich (14).

      Gut aufbereitete Skripte zum Download statt "Tafelgekritzel", ins Netz gestellte Übungen zur Vertiefung des Stoffes oder nachträglich aufgetretene Fragen, die sich per Email an den Dozenten klären ließen, würden sicherlich zur Attraktivität von Vorlesungen und Seminaren beitragen.
       
       

    3. Nachteile

    4. Trotz all der Vorteile, die man sich von den virtuellen Lehrmethoden verspricht, darf man natürlich die Nachteile nicht ignorieren.

      Grundsätzlich kann man sagen, daß das Internet trotz seiner wunderbaren Möglichkeiten nicht perfekt ist. Es kann nicht über alles Auskunft geben. Online-Infos können falsch und unzuverlässig sein. Alle verfügbaren Quellen können sich aufgrund der Dynamik des Mediums täglich ändern, und jeder, der schon einmal im Internet gesurft ist, wird die Erfahrung gemacht haben, sich in der Fülle der Informationen verloren zu haben oder an Unwichtigem kleben geblieben zu sein. Sandbothe spricht von "zeitraubenden Klickorgien" und einer Orientierungslosigkeit im "Dschungel der Publikationen durch eine informatorische Überflutung mit Unmengen von unsystematischen miteinander korrelierten Daten" (15). Er befürchtet sogar die Auflösung des konzentrierten Arbeitens sowie die Aufspaltung und Zerstreuung des systematischen Lernvorgangs durch einen ungeübten Umgang mit dem Web und fordert neben der technischen Ausbildung eine fachspezifische Didaktik. Weiter plädiert er für die "Einübung von differenzierter Medienkompetenz, die auf kritischer Urteilskraft beruht" und die "Entwicklung und Vermittlung einer medienphilosophischen fundierten, pragmatischen Netznutzungsethik"(16).

      Einschläfernder Seitenaufbau macht wissenschaftliches Arbeiten zur Qual, und "tote Links" lassen die Frage aufkommen, wie man aus dem Internet zitieren (17) soll und ob man überhaupt auf WWW-Dokumente verweisen kann, wenn deren zukünftige Existenz nicht gesichert ist.

      Mangelnde technische Ausstattung erlaubt nicht allen Studierenden, Online-Lehrangebote zufriedenstellend zu nutzen. Lange Übertragungszeiten bei umfangreichen Graphiken sind an der Tagesordnung, und auch die visuelle Begegnung über PC ist gewöhnungsbedürftig: Die Gestik muß anders sein, da das Videobild klein ist und die Übertragung bei schneller Bewegung ruckartig oder verzögert läuft. Dies sind Probleme, die mit der Zeit sicher verringert werden können; auch Medienkompetenz läßt sich erlernen, wie aber steht es mit der zwischenmenschlichen Kommunikation? Mangelnde soziale Kontakte (18) und Anonymisierung von Bildungseinrichtungen sind häufig genannte Argumente, die Kritiker ins Feld führen. Diese Einwände lassen sich aber entkräften durch die Tatsache, daß Isolierung kein spezifisches Problem der Fernuni war und VU ist und die Klage über das Alleinsein gerade aus den überfüllten Hochschulen kommt: "Bloß präsentes Nebeneinander hebt Alleinsein nicht auf." (19)

      Email- und Chat- oder Newsgruppen-Kommunikation stellen zwar Alternativen dar, können aber letztendlich direkte Face-to-face-Kontakte nicht ersetzen. Soziale Austauschmöglichkeiten über Datennetze erreichen nicht die Qualität der Diskussion in Seminaren. Fachdiskussionen verlaufen von Angesicht zu Angesicht einfach engagierter und spannender, darüber läßt sich meiner Meinung nach nicht streiten.

      Das selbstbestimmte Lernen und Arbeiten ohne festen Seminar- und Stundenplan, das einerseits als Vorteil genannt worden ist, kann sich auch nachteilig auswirken. Es erfordert Selbstdisziplin, Energie und Eigenengagement und kann zur Nachlässigkeit verleiten. Allerdings müssen Fernstudenten die Tugenden des selbständigen und selbstmotivierten Arbeitens sowieso als Voraussetzungen mitbringen, egal ob sie über Internet studieren oder nicht. Paechter schlägt diesbezüglich vor, "Lernpfade" (20) für multimediale Lernsysteme vorzugeben, um die Lernenden mit ihren Freiheiten nicht zu überfordern.

      Ein weiterer Nachteil sind die fehlenden oder mangelhaften Kriterien für die Beurteilung virtuell erbrachter Leistungen. Es herrscht noch keine Einigkeit über die Anerkennung von virtuellen Abschlüssen.

      In weiten Bevölkerungskreisen trifft man zudem noch immer auf mangelnde soziale und emotionale Akzeptanz von Computermedien bzw. auf eine traditionell kulturpessimistische Haltung gegenüber dem Einsatz "neuer" Medien an Hochschulen. Insbesondere die Geisteswissenschaftler scheinen noch etwas technikfeindlich zu sein und haben Berührungsängste bezüglich der neuen Medien. Auch an der Universität Hannover ist deutlich festzustellen, daß gerade die geisteswisenschaftlichen Fachbereiche eher selten mit einer eigenen Homepage aufwarten und nur wenige Dozenten z. B. eine eigene Email-Adresse angeben.
       
       

    5. Perspektiven

    Werden VUs bald Präsenzunis verdrängen? Wird der PC irgendwann den Campus ersetzen, oder wird der Multimediaeinsatz an Hochschulen überschätzt? Werden sich Dozenten Sorgen machen müssen um ihren Arbeitsplatz? Wohin wird die sogenannte "Informatisierung der Gesellschaft" (21) führen?

    Diese Fragen beschäftigen viele Autoren. In diesem Kapitel sollen einige Zukunftsvisionen und Perspektiven aufgegriffen und diskutiert werden (22).

    Da die Fernuniversität Hagen als vollwertige VU noch keine adäquate Konkurrenz bekommen hat, ist davon auszugehen, daß die Hauptanwendungsgebiete für Online-Lehrangbebote zukünftig die Bereiche Weiterbildung, außerschulische Bildung und Fortbildung sein werden.

    Der Bildungsmarkt ist jedoch in Bewegung geraten, und virtuelle Uni-Veranstaltungen sind lange nicht mehr so "Mangelware", wie es Bickmann/Brauner noch 1996 bedauerten, als sie die noch seltenen Online-Angebote vereinzelter Hochschulen als "einige zarte Pflänzchen multimedialer Freilandversuche" (23) betitelten. Viele traditionelle Hochschuleinrichtungen sehen in den neuen Computertechnologien große Herausforderungen und Chancen. Die Konkurrenz wächst und das Geschäft mit der (Handelsware) Bildung boomt. "Der "Kunde" Student kann aus einer großen Palette unterschiedlichster "Bildungswaren" auswählen und sich ein individuell maßgeschneidertes Ausbildungsprogramm zusammenstellen." (24)

    Universitäten sowie alle Bildungs- und Ausbildungseinrichtungen werden möglicherweise unter verschärften Leistungs- und Wettbewerbsdruck geraten und sich einer zunehmenden Konkurrenz- und Marksituation gegenüber sehen. Die damit verbundene Bereitschaft, die nötige Infrastruktur und das entsprechend qualifizierte Personal zur Verfügung zu stellen, kann dann zu einem verstärkten, effektiven Einsatz multimedialer, rechnerunterstützter Lehrsysteme und einer Verbesserung der Bildungsqualität führen (25).

    Auch Bickmann/Brauner sagen voraus, daß Bildung auf dem freien Markt handelbar wird und daß die anbietenden Bildungsinstitutionen nicht mehr nur öffentlich-rechtlich sein werden. Ihrer Meinung nach werden sich die qualitativ besten Anbieter an einem freien Bildungsmarkt durchsetzen, weshalb sie ein System der Preisbindung vorschlagen, um im Sinne einer Chancengleichheit einen Preiswettbewerb zu Lasten der Qualität zu verhindern (26).

    Für den Bildungsmarkt 2000 wünschen sich Bickmann/Brauner ein völlig offenes Bildungssystem, welches jedem Lernwilligen die Möglichkeit bietet, sich ständig auf virtuellem Wege weiter- und fortzubilden und so die starren Konventionen der bisherigen Auffassung von einer zeitlichen Abfolge von Leben zu durchbrechen (27). Dies dürften aber zunächst noch Zukunftsvisionen sein, obwohl ein Trend zu lebenslangem Lernen sich durchaus abzeichnet und dem Selbststudium via Internet eine wachsende Bedeutung zukommt.

    Wird der Einsatz von Internet und Multimedia überbewertet? Karin Hahn bezeichnet Deutschland diesbezüglich als "multimediales Entwicklungsland" (28). Angesichts der Fluten von Fakultäten seien die Multimediaprojekte an deutschen Hochschulen noch sehr dünn gesät. Hahn sieht im virtuellen Studium auch eher ein Zuschußgeschäft als die Möglichkeit, Kosten zu sparen, weil die Weiterentwicklung der Technik immer neue Investitionen erfordere. In Deutschland fehle es an finanziellen Mitteln, um auch nur annähernd Anschluß zu finden zur Spitze der Multimediagesellschaft.

    Laut Hahn können virtuelle Studienangebote nur vorübergehend vom Staat bezuschußt werden. Weitere Einnahmequellen für Hochschulen zur Finanzierung sieht Hahn z. B. in Weiterbildungen für Firmen oder Einsparungen an anderen Stellen.

    Laut Thomas Sand vom Hochschul-Informationssystem nutzen nur sechs Prozent der Wissenschaftler regelmäßig neue Medien in der Lehre, womit Deutschland weit unter den Vergleichswerten in den USA, Kanada und Australien, wo der Medieneinsatz in oder ergänzend zur Veranstaltung bei etwa achtzig Prozent liegt (29).

    Die große Bedeutung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien für den Bildungsbereich sieht auch Seising: "Noch nie war es möglich, so viel zu wissen. Noch nie war es aber auch so schwierig, Informationen sinnvoll zu verarbeiten. Deshalb brauchen wir radikal veränderte Konzepte von Bildung und Erziehung" (30). Seising spricht hier von Multimedia-Konzepten und setzt dabei auf computerunterstützte spielerische Wissensvermittlung durch Edutainment (education + entertainment). Folglich werden sich wissenschaftliche Arbeitstechniken, Lektüregewohnheiten, Informationsgrenzen, Aufnahmefähigkeiten und Kommunikation ändern bzw. haben sich bereits verändert. Zum Wissen, wo man etwas nachschlägt, kommt nun das Wissen über Programmier-, Speicher- und Suchtechniken, und mit dem Begriff "Text" wird immer öfter "Hypertext" gemeint sein (31). Der "Student von heute" muß sich technisches Knowhow aneignen; "transversale Medienkompetenz" (32) wird die entscheidende Qualifikation für wissenschaftliches Arbeiten und auf dem Arbeitsmarkt des 21. Jahrhunderts sein. Die studentischen Techniken der Informationsbeschaffung und –verarbeitung haben sich nicht erst seit gestern verändert: Online-Zugriffsmöglichkeiten auf Datenbanken und Datensammlungen in aller Welt, Literaturrecherche über Online-Bibliothekskataloge, Arbeiten mit verschiedenen Suchmaschinen, langfristige Recherchestrategien, um sich auf dem laufenden zu halten per Newsgroups, Mailinglisten oder abonnierten E-Zines sind schon länger keine Zukunftsmusik mehr sondern studentischer Alltag (33).

    Und auch die Rolle des Lehrenden an VUs wird sich verändern: Nicht mehr der Lehrende ist hier die alleinige Lernquelle, sondern der PC, was zunächst einiger Gewöhnung bedarf, besonders bei Professoren der älteren Generation. Der Lehrende wird das Informationsmonopol verlieren und vom Wissensvermittler zum "Lernmoderator" oder "Coach". Da die emotionale Ebene aber nicht durch technische Mittel zu ersetzen sein wird bzw. elektronische Hilfsmittel keine adäquate Alternative für menschliche Kontakte sind, wird der Professor "in Fleisch und Blut" also bleiben und nach wie vor unverzichtbar sein.

    Wie sich die neuen Medien auf die deutsche Hochschullandschaft weiter auswirken werden, bleibt vorerst noch abzuwarten.

    Unbestritten ist jedoch, daß sich jeder, der in einer Informationsgesellschaft lebt, früher oder später mit den neuen Verhältnissen auseinandersetzen muß:

    Die Wissenschaften, die sich dem technischen Fortschritt verschließen, werden bald keinen Beitrag mehr zum gesellschaftlichen Fortschritt leisten könne. Andererseits werden sie ihre Leistungen nicht mehr zeitgemäß vermitteln können, so daß sie in eine Legitimitätskrise geraten werden, wenn sie sich dort nicht schon befinden. Die Informationsgesellschaft wird auf Wissenschaft und Forschung, deren Bedeutung sie nicht wahrnimmt, keine Rücksicht nehmen. (34)

    Auch Bickmann/Brauner halten kritische Akzeptanz und intelligente Nutzung der neuen Technologien für sinnvoll:

    Es geht zu diesem Zeitpunkt nicht um die Frage, ob wir uns neue Möglichkeiten erschließen und uns dafür neuen Gefahren aussetzen wollen, sondern darum, ob wir an einer sich bereits entfaltenden Dynamik aktiv teilhaben wollen oder nicht. (35)

     

  15. Zusammenfassung

Rückblickend läßt sich zusammenfassen, daß immer mehr Universitäten nach dem Einsatz elektronischer Medien in der Lehre streben und die Zahl der akademischen Angebote im Internet stetig wächst. Medienunterstützte Lehrprojekte haben sich als sinnvolle Lernhilfe und als effektiv für einen schnellen Informationsaustausch erwiesen.

Im inzwischen unübersichtlich gewordenen Angebot an virtuellen Lehrprojekten überwiegen zur Zeit die "semi-virtuellen" Modelle (Teleteaching u. a.). Hiervon gibt es inzwischen reichlich, aber die einzige "voll-virtuelle" Universität ist bislang nur die Fernuniversität Hagen.

Viele Hochschulen rüsten zwar multimedial auf, die meisten Projekte stecken aber noch in der Experimentier- und Erprobungsphase. Trotz der vielfältigen Bemühungen gehört medienunterstützte Lehre noch nicht überall zum Alltag an deutschen Universitäten. Es zeigen sich noch strukturelle und finanzielle Defizite, technische Ausstattungen sind oft unzureichend. Einzelinitiativen werden zu wenig unterstützt, und fehlende EDV-Kenntnisse stellen Hindernisse dar auf dem Weg in die "Cyber-Unis". Besonders die Geistes- und Sozialwissenschaften tun sich anscheinend mit der Akzeptanz der neuen Medien in ihren Fachbereichen noch etwas schwer und wirken so neben Studiengängen wie Elektrotechnik oder Wirtschaftsinformatik fast etwas technikfeindlich. Vielleicht stellen aber auch die mangelnde Technikausstattung und die fehlende Medienkompetenz hier die Haupthindernisse dar. Letztendlich wird es an den jeweiligen Einzelwissenschaften liegen, ob und wie sie die Möglichkeiten der neuen Technologien für sich nutzen. Daß trotz aller Gefahren und Risiken die Vogel-Strauß-Politik unangebracht und der technische Fortschritt nicht mehr aufzuhalten ist, haben die allermeisten Hochschulen jedoch inzwischen mitbekommen.

Einig ist man sich, daß virtuelle Betreuungs- und Kommunikationsangebote keine Alternative für zwischenmenschliche Kommunikation im Studium sind.

Die Bindung an einen bestimmten Ort oder eine bestimmte Zeit wird jedoch (irgendwann) nicht mehr erforderlich sein, um eine Qualifikation zu erreichen.

Zukünftig werden also die VUs zwar noch keine Konkurrenz zur Präsenzuniversität darstellen, aber eine sinnvolle und ausbaufähige Ergänzung zum traditionellen Studium. Ergiebig und effektiv scheint eine Art "Methodenmix", der neben den Printmedien verstärkt auch neue Medien (Internet u.a.) nutzt. Den Anspruch, die "herkömmlichen" Hochschulen zu ersetzen oder zu verdrängen, haben die Unis nicht als Ziel. Die Konkurrenz untereinander sowie zu internetbasierten Ausbildungseinrichtungen wird aber sicherlich wachsen, was sich positiv für die Hochschullandschaft auswirken dürfte und eine Neubelebung des Bildungsmarktes bedeuten würde.