Digitale Kommunikation

Der Ursprung von Inflektiven

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Abb. 1: Inflektiv?

Die Frage nach dem Ursprung macht natürlich auch vor den Inflektiven nicht halt. Inflektive wie *freu* erinnern vor allem an Comics. Hier werden und wurden sie vornehmlich als Lautwörter (Onomatopoetica) eingesetzt, um die auf Papier nicht realisierbaren Laute und Klänge indirekt darzustellen. Beispiele hierfür sind knarr, zisch und klapper. Neben den kurz auch Onpos genannten Wörtern gibt es in Comics auch solche, die Mimik und Gestik begleiten bzw. unterstreichen und andere, die ganze Handlungsstränge in ein oder wenige Wörter stecken – z.B. kick! kuppel! schalt! (für ein rasant wegfahrendes Motorrad). Sind diese Wörter nun die ersten Inflektive?

Während Teuber (1998) den Ursprung der Inflektive schon weit vor der Comic-Zeit ansetzt, sieht Schlobinski (2001) in diesen Wortstämmen den entscheidenden Anfang der Inflektive. Für Teuber sind Inflektive schon älter, da Johann Christoph Adelung sich bereits 1782 mit knall beschäftigt. Schlobinski hingegen hält diese Auseinandersetzung und möglicherweise weitere Inflektiv-Belege für singuläre Erscheinungen und sieht in den Comics die maßgebliche Quelle.

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Abb. 2: MM-Inflektiv

Den ersten möglichen Beleg konnte Schlobinski im Mickey Mouse newspaper comic strip vom 23.5.1931 finden – d.h. als Comic-Folge in einer Zeitung (CLICK, s. Abb. 1). Es handelt sich hierbei allerdings um einen englischsprachigen Comicstrip, sodass der Infinitiv mit der Nominalform übereinstimmt (to click, klicken vs. click das Klicken). Im ersten deutschsprachigen Micky Maus finden sich allerdings eindeutige Inflektive. Das in Abbildung 2 dargestellte könnte noch eine nicht übersetzte Form sein, während poch (S. 13), schnapp (S. 18) und knarr (S. 30) zweifelsfrei deutschsprachige Inflektive sind. (zu Comics s. Dolle-Weinkauff 1990)

Neben Comics gibt es weitere Mediengenres, in denen Inflektive zu finden sind. Zuvorderst sind hier Fanzines zu nennen, welche vornehmlich im Bereich Sport, Spiel und Musik bekannt sind. Fanzines sind häufig kostenlose Zeitschriften und Zettelansammlungen von Fans für Fans. Ihre Qualität reicht von Schwarzweißkopien bis hin zu Vielfarbdrucken, welches sich vor allem aus der Auflage und dem Werbe- und ggf. Verkaufserlös ergibt. Da diese zumeist von Jugendlichen erstellt werden, verwundert es nicht, dass Inflektive zu finden sind (Lach, Kicher aus Bloody Gore o.J., Heft 53, S. 11). Schlobinski konnte weitere Belege finden in der Bild-Zeitung v. 3.7.2000 (Schumi: Stotter, stotter, raus!), der Wochenzeitung DIE ZEIT v. 8.5.2000 (zwinker, zwinker), in der SMS-Kommunikation (drueck) sowie der Rundfunkwerbung aus dem Frühjahr 2000 (geifer, gier, schleckschleck).

Diese und weitere Belege deuten darauf hin, dass Inflektive zumindest heute keine singulären Erscheinungen mehr sind und in der Tat »über den Jargon Jugendlicher in die Umgangssprache Eingang« (Dolle-Weinkauff 1990: 71) gefunden haben. Begonnen hat letzteres gewisslich mit den Comics.

Angemerkt sei noch, dass lediglich einfache Inflektive als Belege gefunden worden sind. Komplexere Inflektiv-Konstruktionen hingegen sind anscheinend noch etwas Chat-Spezifisches.

Näheres zu Inflektiven und Inflektivkonstruktionen

Belege aus der Chat-Kommunikation


Torsten Siever

Zitierte Literatur

Dolle-Weinkauff, Bernd (1990). Comics. Geschichte einer populären Literaturform in Deutschland seit 1945. Weinheim/Basel. mehr

Schlobinski, Peterm (2001). »*knuddel – zurueckknuddel – dich ganzdollknuddel*. Inflektive und Inflektivkonstruktionen im Deutschen«. Aufsatz in der Zeitschrift für germanistische Linguistik. mehr

Teuber, Oliver (1998). »fasel beschreib erwähn – Der Inflektiv als Wortform des Deutschen«. Aufsatz in der Zeitschrift Germanistische Linguistik. mehr

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