Aus der Presse

»Das Internet hat die Polizeiarbeit zerstört«

Alle wollen an unsere Daten. Der Sicherheitsexperte Marc Goodman äußert sich in einem Gespräch mit der SZ über die Verbrechen der Zukunft ... und zeigt sich ebenso optimistisch wie skeptisch.

»Kriminalität hat sich stärker internationalisiert und die Polizei agiert weiterhin auf lokaler Ebene«, sagt der Ermittler für Interpol und Berater des FBI. Früher sei ein Banküberfall in Berlin von Berlinern verübt worden; heute könne jemand in Russland eine Bank in Brasilien angreifen. Das Problem dabei sei, dass die Polizei effektivere Taktiken, bessere Werkzeuge und eine bessere Ausbildung brauche. Allerdings seien die Kriminelle schon immer einen Schritt voraus gewesen. Sorgen bereiten Goodman vor allem der gläserne Mensch: »Die Tatsache, dass all unsere Daten online sind, dass Kreditkarten-Daten, medizinische Daten gestohlen werden können. Attacken auf Finanzdienste, kritische Infrastrukturen wie Kraftwerke könnten verheerende Konsequenzen haben. Aber auch die kommerzielle Nutzung der intimen Informationen, die wir über Smartphones abgeben. Dein Telefon weiß, wie du deinen Tag verbringst, wie lange du in einer Kneipe bist oder ob du in eine Abtreibungsklinik gehst. Wie diese Daten einmal ausgenutzt oder verkauft werden, ist völlig unklar. Sicher aber ist, dass sie kenntlich werden – und Versicherungen interessieren sich bereits jetzt für sie.«

Dabei wehren sich Bürger und Nutzer zu wenig gegen den Datenhandel, der ohne große Aktionen akzeptiert wird: »Die Menschen, die aufschreien, schreien noch nicht laut genug, sie sind noch nicht wütend genug – weder über staatliche noch über privatwirtschaftliche Überwachung. [...] Wir sind in einer Opt-out-Welt gelandet, bei der Privatsphäre sollte die Grundeinstellung aber immer auf geschützt stehen.« Doch auch wenn sich Besserungen zeigten, wären in der Zukunft Regierungen, Kriminelle und Unternehmen zu sehr auf ihre Vorteile aus. »Die nächsten zehn bis 20 Jahre werden holprig, aber wenn wir es in die nächste Phase der menschlichen Entwicklungsstufe schaffen, könnte es wundervoll werden.« [24.10.2015, 10:30 Uhr, Quelle: sueddeutsche.de]

Torsten Siever

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