Medienanalyse

Die Zeichentypen Symptom, Ikon, Symbol

Die Unterscheidung der drei Zeichentypen fußt auf ihrer Interpretationsart und deutet damit an, dass die Zuordnung vom Interpreten und damit Adressaten abhängen kann – nach Keller 1995 ist das Verfahren des interpretierenden Schließens entscheidend. Hierbei ist zu unterscheiden:

  • Ziehen von kausalen Schlüssen
  • Ziehen von assoziativen Schlüssen
  • Ziehen von regelbasierten Schlüssen

Definitionsbasis ist die Relation, die zwischen dem Zeichen und dem Bezeichneten besteht.

  • Die Relation eines Symptoms zu dem von ihm Bezeichneten ist die der Natürlichkeit.
  • Die Relation eines Ikons zu dem von ihm Bezeichneten ist die der Ähnlichkeit.
  • Die Relation eines Symbols zu dem von ihm Bezeichneten ist die der Arbitrarität (Beliebigkeit).

Symptome

Symptome (auch Indices, Signale, Anzeichen, natürliches Zeichen) sind Zeichen, die mittels kausaler Schlüsse interpretiert werden. Weitere Kriterien:

  • einfachste und archaischste Zeichen
  • sie werden nicht intentional verwendet; sie haben weder einen Sender (ein Symptom wird in aller Regel nicht gezielt eingesetzt) und somit keinen Adressaten
  • es ist prinzipiell offen, wofür ein Symptom Symptom ist (zulässig ist all das, was sich kausal erschließen lässt)
  • ein Symptom ist von dem Objekt, auf das es verweist, "wirklich beeinflusst" und verrät über das Objekt nichts Neues (Pierce).
  • Beispiele: Rauch (als Symptom für Feuer), Fußspuren (für Menschen/Tiere), Erröten (für Schamhaftigkeit), Zittern (für Angst), erhöhte Lautstärke (für Wut), Tränen (für Trauer), Grinsen (für Schadenfreude), Sprachakzent (für Herkunft).
  • Pierce – der Urvater der Zeichentypen – verwendet den Begriff des Symptoms als Unterbegriff dessen, was hier als Symptom beschrieben worden ist. Hierfür verwendet er den Terminus "Index". "Symptome" sind für Pierce die Gruppe der Indices, bei denen auf einen besonderen Zustand eines Objektes oder einer Situation verwiesen wird. Beispiele: Fieber als Symptom für Krankheit; Lallen als Symptom für Trunkenheit.

Ikone

Ikone sind Zeichen, die mittels assoziativer Schlüsse interpretiert werden. Weitere Kriterien:

  • 'echte Zeichen' – im Gegensatz zu Symptomen sind Ikone bewusste Kommunikationsmittel
  • sie stehen in Ähnlichkeitsbeziehung zu ihrer Bedeutung – nicht unbedingt zum Gegenstand; es sind also Zeichen, die »sich kraft der ihm eigenen Merkmale auf das Objekt bezieht.« (Pierce)
  • Ikone sie kulturabhängig – um von einer auf der Tür stilisierten Figur eines Menschen schließen zu können, dass die Tür zu einer Damentoilette führt, bedarf es beispielsweise des Wissens, dass Männer in der betreffenden Kultur keine Röcke tragen
  • Beispiele: die stilisierten Männlein und Weiblein auf Toilettentüren, die Piktogramme für die olympischen Disziplinen, das durchgestrichene Schwein zur Kennzeichnung muslimgerechter Speisen
  • Pierce unterscheidet zwischen verschiedenen Graden an Ikonizität (nach unten abnehmend):
    - Bilder (Foto, Porträt)
    - Diagramme (Landkarte, Schaubild); hängen von Indices und Symbolen ab
    - Metaphern; hier beruht die Ikonizität auf Ähnlichkeit zwischen Objekten zweier symbolischer Zeichen. Sie hängt damit von der Interpretation zweier anderer Zeichen ab.

Symbole

Symbole sind Zeichen, die mittels regelbasierter Schlüsse interpretiert werden. Weitere Kriterien:

  • die Beziehung zw. Zeichen und Bezeichnetem ist beliebig (arbiträr); die Kommunikationspartner weisen einer prinzipiell beliebigen "Stückmaterie" eine bestimmte Bedeutung zu. Ein typisches Beispiel ist unsere Lexik: Das Objekt "Tür" wird in deutscher Sprache eben mit "Tür" bezeichnet, jedoch in englischer mit "door", in französischer wiederum mit "porte". Die 'Bezeichnung' ist folglich Definitionssache.
  • symbolische Zeichen müssen gelernt werden, es gibt keinen Weg sich die Bedeutung eines Symbols durch Nachdenken zu erschließen.
  • Entscheidend nach Pierce ist aber nicht die Konventionalität allein, sondern auch die Regelmäßigkeit der Bedeutungszuweisung (die englischsprachige Sprachgemeinschaft nennt das Objekt "Tür" nicht nur heute "door", sondern auch morgen und in fernerer Zukunft).

Torsten Siever

Zitierte Literatur

Keller, Rudi (1995). Zeichentheorie. Zu einer Theorie semiotischen Wissens. Tübingen Basel. mehr

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