Orthografie

Tipps für korrekte Rechtschreibung

Vermaiden Sie Fehla! Unsere Rechtschreibexpertin Christina Siever (correctura.com) räumt häufige Rechtschreibfehler auf leichte Weise aus und klärt über typische Zweifelsfälle auf. – Sie haben eine Frage zur Orthografie? Schreiben Sie ihr an orthografie@mediensprache.net.

  • Es sei darauf hingewiesen ...
    FotobeweisHaben weisen und weißen etwas miteinander zu tun? Und ob: Sie weisen in der 2. und 3. Person Singular eine übereinstimmende Lautung auf: Sie weist [darauf hin], er weißt [die Wand]. Der Infinitiv, also die Nennform im Wörterbuch, verrät hierbei, wie sich das Verb schreibt: er weißt also wegen weißen mit ß, sie weist wegen weisen mit s. Mit wissen haben allerdings beide Wörter nichts zu tun: Hier bekommt nur die 2. Person, nicht jedoch die 3. Person Singular ein t: du weißt, aber sie weiß. Schon deshalb ist eine Schreibung wie *Er weißt darauf hin, dass … ausgeschlossen – auch wenn der hinweisende Autor etwas weiß. (13.08.2018)
  • tagelang oder Tage lang?
    FotobeweisSchon tagelang hält die extreme Hitze dieses Sommers an! Bei »tagelang« handelt es sich um ein Adjektivkompositum, das aus einem Nomen und einem Adjektiv besteht, es wird folglich klein- und zusammengeschrieben. Groß- und getrenntgeschrieben wird dahingegen, wenn das Adjektiv »lang« näher bestimmt wird, und zwar durch »Tag« und zusätzlich ein Adjektiv oder Zahlwort: »Die Nerven lagen zwei Tage lang blank« oder »Der Einbrecher wurde viele Tage lang gesucht«. Die Regel gilt natürlich auch für analoge Fälle wie »stundenlang«, »wochenlang«, »monatelang«, »jahrelang« und auch für »seitenlang«: »ein seitenlanger Bericht« oder »ein vier Seiten langer Bericht«. (06.08.2018)

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  • A-Dur oder a-Moll?
    FotobeweisDur und Moll, die Bezeichnungen für die beiden Tongeschlechter, gibt es im Deutschen seit dem 16./17. Jahrhundert. Die Ausdrücke stammen von den lateinischen Adjektiven durus für ›hart‹ und mollus für ›weich‹ ab, weshalb man sie früher teilweise kleingeschrieben hat. Heutzutage können Dur und Moll als Substantive angesehen werden, weshalb sie auch großgeschrieben werden. Die Groß- oder Kleinschreibung einer bestimmten Tonart hängt wiederum vom Tongeschlecht ab: Alle Durtonarten werden mit einem großen, alle Molltonarten mit einem kleinen Buchstaben bezeichnet. Folglich heißt es auch in Komposita A-Dur-Tonleiter bzw. a-Moll-Tonleiter. Hier triumphiert also die Musik über die Orthografie. (30.07.2018)
  • »Weißt du, wie viel Sternlein stehen?«
    Fotobeweis»Weißt du, wie viel Sternlein stehen?«, so heißt es im bekannten Liedtext. Doch wie heißt es im weniger lyrischen Alltag? »Weißt du, wie viel Kartoffeln wir noch haben?« oder »Weißt du, wie viele Gurken wir noch haben?« Beides ist korrekt, im Plural kann sowohl die Form mit als auch ohne Flexionsendung verwendet werden – mit Ausnahme des Genitivs. Dort muss viel flektiert werden: »Wie vieler Beispiele mag es wohl bedürfen, um diese Regel zu erläutern?« Unabhängig vom Numerus wird wie viel immer getrennt geschrieben: »Wie viel(e) Personen wissen wohl, wie viel das kostet?« (23.07.2018)
  • Tiptop ist nicht tipptopp
    FotobeweisUm es vorwegzunehmen: Es ist auch uns ein Rätsel! Aber beginnen wir vorne: Selbst in der Schweiz gilt tipptopp laut Duden als »umgangssprachlich« – und das, obwohl es dort viel gebräuchlicher ist als in Deutschland oder Österreich. Womöglich ist die Klassifizierung auch dafür verantwortlich, dass die Schreibung so außergewöhnlich ist. Denn nicht tiptop ist korrekt, sondern zwei Doppel-p, also tipptopp. Warum? ... Ja, warum eigentlich? In der Regel hilft ein Blick in die Geschichte (und zur Herkunft) weiter, doch da müssen wir Sie enttäuschen: Entlehnt ist das Wort aus dem Englischen, wo es tiptop geschrieben wird, denn top bedeutet ›höchst, oberst‹ und tip ›Spitze‹, also ›höchst spitze, tadellos‹. Und nun wird's richtig konfus: top wurde auch isoliert ins Deutsche entlehnt, mit einem p: Er ist top frisiert. Die Doppel-p-Schreibung muss folglich an tip liegen; doch hier gibt es im Deutschen nur den Tipp, der mit der Spitze nichts zu tun hat, sondern von engl. tip ›anstoßen, leicht berühren‹ kommt – es gibt ja auch schlechte Tipps. War das einer? Na, zumindest wissen Sie nun, wie man tipptopp schreibt – eben erstaunlicherweise nicht tiptop! (16.07.2018)

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