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Orthografie

Tipps für korrekte Rechtschreibung

Vermaiden Sie Fehla! Unsere Rechtschreibexperten Christina und Torsten Siever (correctura.com) räumen häufige Rechtschreibfehler auf leichte Weise aus und klären über typische Zweifelsfälle auf. – Sie haben eine Frage zur Orthografie? Schreiben Sie ihr an orthografie@mediensprache.net.

  • Bis aufs i-Tüpfelchen genau
    Der i-Punkt unter der LupeIn der Umgangssprache wird eher vom i-Tüpfelchen gesprochen, in Österreich vom i-Tüpferl und in der deutschsprachigen Schweiz vom i-Tüpfchen. Alle Varianten bezeichnen den standardsprachlichen i-Punkt oder in übertragener Bedeutung ›eine Sache, die zur Perfektion führt‹. Die Krux liegt natürlich im i – oder eben I. Formal wird ein Buchstabe im Alphabet großgeschrieben (das I wie das A). Ein großes I weist allerdings keinen Punkt auf, was die Schreibung I-Tüpfelchen logisch ausschließt. Und wer könnte schon etwas gegen Logik haben? Es gibt nämlich aus eben diesem Grund eine Ausnahme von der Großschreibregel: Wenn ein konkreter Buchstabe eines Wortes oder eine konkrete Form eines Buchstaben (I oder i) gemeint ist, dann wird dieser auch so geschrieben, wie er im Wort vorkommt oder realisiert ist: das a in Wal oder das Binnen-I in PolitikerIn. Da der Punkt vom i – und eben nicht vom I – gemeint ist, wird gemäß Duden (28. Aufl.) i-Punkt kleingeschrieben. So einfach ist das allerdings nicht, denn der Buchstabe I schließt als Oberbegriff die Realisierungsformen ⟨I⟩ und ⟨i⟩ ein. Selbstredend können wir das übertragen gemeinte i-Tüpfelchen nicht auslassen und nehmen es heute ganz genau: Für T-Träger kommt nur die Großschreibung infrage, weil die Form gemeint ist, die der kleine Bruder ⟨t⟩ nicht aufweist; Wahlfreiheit besteht wiederum bei s-förmig oder wegen Formgleichheit auch S-förmig; am besten schreibt man es aber klein, da es ein Adjektiv ist. (26.10.2020)
  • Ein Geschmack, viele Geschmäcke
    verschiedenfarbige Getränke in WeingläsernWer würde der Tatsache widersprechen, dass die Geschmäcker verschieden sind? Wohl niemand. Doch wer würde denken, dass die standardsprachliche Pluralform von Geschmack nicht Geschmäcker, sondern Geschmäcke lautet? Vermutlich gerade deshalb, weil man so oft hört, dass Geschmäcker verschieden seien, erscheint vielen Geschmäcker die korrekte Pluralform zu sein. Doch dieser Plural ist eine umgangssprachlich scherzhafte Ausdrucksweise, die man in sachlichen Texten nicht verwenden sollte. Wie erinnern? Man käme ja auch nicht auf die Idee, für Sack die Pluralform Säcker zu verwenden. (19.10.2020)
  • Berlin hat keine Schwarzfahrer mehr
    Fahrplanauszug (BVG) mit der Straße und Haltestelle MohrenstraßeDer Grund ist ganz einfach: Die rot-rot-grüne Regierung hat sich die Verwendung des Wortes verbeten – für einen »diversitysensiblen Sprachgebrauch«. Deshalb unterscheidet die Landesstelle für Gleichstellung zudem Schwarze von Schwarzen Menschen: Bei Letzteren handele es sich laut Leitfaden um »eine politische Selbstbezeichnung für Menschen, die Rassismuserfahrungen machen. Um dies kenntlich zu machen wird das ›s‹ in Schwarz groß geschrieben.« Die Rechtschreibung scheint der Regierung nicht in allen Fällen von Bedeutung zu sein: Nach machen fehlt ein Komma und großgeschrieben wird zusammengeschrieben. Aber die Großschreibung eines Adjektivs ist in Eigennamen durchaus möglich, wenn etwas z. B. von herausragender Bedeutung ist: die Französische Revolution. Mit der Berliner Revolution und dem Einzug von Schwarze Menschen musste der Terminus Schwarzfahrer aus dem Wörterbuch ausziehen und soll Ausdrücken wie »Fahrende ohne gültigen Fahrschein« weichen. Da auch anschwärzen für die Landesstelle nicht mehr sagbar ist und durch »nachsagen/melden/denunzieren« ersetzt werden soll, dürfen wir uns nicht mehr schwarzärgern und muss dann wohl auch die Wirtschaft auf Schwarzarbeit und Schwarzhandel verzichten, Bäckereien das Schwarzbrot umbenennen und Schwarzseher wohl analog mit ›Fernsehzuschauende ohne Anmeldung ihrer Rundfunkgeräte‹ oder ›Personen mit pessimistischer Perspektive‹ ersetzt werden. Alles in allem ist Berlin jedenfalls zu beglückwünschen, dass es weder Schwarzseher noch Schwarzfahrer mehr hat – auch nicht in der Mohrenstraße. (12.10.2020)

    Leitfaden für Mitarbeitende der Berliner Verwaltung
  • Verbindung erwünscht: Binde Strich
    Den (Corona-)Herbst kann man auch mit Bindestrich auf Distanz haltenUm es diplomatisch auszudrücken: Bei der Leibniz Universität Hannover wogen offensichtlich andere Gründe schwerer als das amtliche Regelwerk zur deutschen Orthografie. Mit Internationalität wurde begründet, was man mit Leibniz University hätte erreichen können. Zudem gibt es auch im Englischen den Bindestrich – vereinzelt selbst bei Komposita (job-hunter). Da hier aber die Schreibung ohne Bindestrich die Regel ist, wird eher der englischen Sprache als Universitäten, Verlagen (Suhrkamp Verlag) und anderen Abweichlerinnen und Abweichlern die Verantwortung für zum Beispiel Corona Herbst zugeschrieben. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten, das Wort korrekt zu schreiben: Corona-Herbst oder Coronaherbst – je nach gefühltem Integriertheitsgrad des einschränkenden Corona – wobei hier natürlich nicht die soziale Einschränkung gemeint ist, sondern die von Herbst. Es ist nämlich nicht irgendein Herbst, sondern einer in Zeiten des Coronavirus. Und hier liegt der Vorteil, denn der Bindestrich hilft beim Verständnis: Tee-Zeit ist etwas anderes als Tee Zeit (etwa im Satz Deshalb braucht Tee Zeit. Advantage German language (gegenüber einheitlich tea time)! Gleichheit herrscht hingegen bei Komposita mit Adjektiven als letztem Bestandteil: Corona-bedingt (vgl. wind-driven), wobei mit zunehmender Integriertheit im Deutschen zusammengeschrieben wird: coronabedingt. In diesem konkreten Fall mag man Corona-bedingt doch eher dauerhaft mit Bindestrich schreiben und Corona auf Distanz halten. (05.10.2020)
  • Brüder oder Gebrüder?
    Briefmarke mit einer Abbildung der Brüder Grimm (Wohlfahrtsmarken 1959)Jacob Grimm und Wilhelm Grimm sind bekannt für ihre Kinder- und Hausmärchen, doch sie waren zudem Sprachwissenschaftler, die das Deutsche Wörterbuch initiiert haben, das umfassendste Wörterbuch zur deutschen Sprache. Der Name lässt darüber hinaus erahnen: Sie waren auch Brüder. Zuweilen hört man auch Gebrüder Grimm, doch was ist eigentlich der Unterschied zwischen Brüder und Gebrüder? Analog zu Geschwister, was sämtliche Brüder und Schwestern einer Familie bezeichnet, bezieht sich Gebrüder auch auf die Gesamtheit aller Brüder in einer Familie. Brüder dahingegen kann in einer großen Familie nur einen Teil aller Gebrüder meinen. Gebrüder nennt man darüber hinaus Brüder, die gemeinsam ein Unternehmen leiten. Die Grimm-Brüder arbeiteten zwar als Volkskundler und Sprachwissenschaftler zusammen, doch leiteten sie kein Unternehmen. Und da sie die beiden ältesten von fünf Brüdern waren, heißt es definitiv nicht Gebrüder Grimm, sondern Brüder Grimm, wie sie sich auch selbst nannten. Dass sie dennoch zuweilen Gebrüder Grimm genannt werden, könnte damit zusammenhängen, dass Gebrüder für ›die Gesamtheit aller Brüder einer Familie‹ zum veralteten Sprachgebrauch zählt, was für ein längst verstorbenes Brüderpaar wiederum passend erscheinen mag. (28.09.2020; Foto: Wikimedia Commons)

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