Orthografie

Tipps für korrekte Rechtschreibung

Vermaiden Sie Fehla! Unsere Rechtschreibexpertin Christina Siever (correctura.com) räumt häufige Rechtschreibfehler auf leichte Weise aus und klärt über typische Zweifelsfälle auf. – Sie haben eine Frage zur Orthografie? Schreiben Sie ihr an orthografie@mediensprache.net.

  • Kumulus gegen Sonnenwende: 1m:2n
    kumulierte Wolken - nicht kummuliertSolstitium – das muss sich nun wirklich niemand merken (auch wenn Lateinern sol und sistere ›stillstehen‹ bekannt sein könnte). Aber die Übertragung Sonnenwende sollte jedem bekannt sein – je nach Jahreszeit ein Grund für Hochgefühle! Interessant ist aber weniger das Wort, das nicht nur zu Mittsommer in Schweden, sondern auch zu Weihnachten auf der ganzen Welt gefeiert wird, sondern der Zeitpunkt. Ab dem 21.12. nimmt das Helligkeitspotenzial der Tage wieder zu – wie dezent angedeutet aber nur grundsätzlich. Wenn da nicht die Wolken wären … Eine spezifische Gattung ist die Kumuluswolke, die man gern akzentuiert (und wegen des kurzen Vokals) mit zwei <mm> schreiben würde – in diesem Fall leider jedoch falsch. Kumulus kommt wie der Akkumulator von lat. cumulare, was nach so langer Zeit immer noch mit einem <m> geschrieben wird. So wird auch das Anhäufen von Wolken oder Mitsommerfesten nur mit einem <m> geschrieben (kumuliertes Meckern oder Feiern) – auch wenn hier semantisch ein Doppel- oder Dreifach-m ausgezeichnet passen würde! Wie schön, dass wir für den Akkumulator eine Kurzform entwickelt haben, die dann aber auch wieder nicht als Eselsbrücke taugt ... Sonnenwende wie Feiertage taugen aber hervorragend, den eigenen Akku wieder aufzuladen. (16.12.2019; Foto: abubibolabu)
  • Komma bei formelhaften Auslassungssätzen
    von Hand gemaltes KommaKommata bereiten immer wieder Kopfzerbrechen. Wird eins gesetzt? Und wenn ja: wo? Formelhafte Auslassungssätze müssen nicht mit Komma abgetrennt werden, dürfen es aber: »Die Lesung findet wie angekündigt morgen Abend um 19.30 Uhr statt.« Vor allem bei unvollständigen Nebensätzen, die mit »wie« eingeleitet werden, kann das Komma weggelassen werden: »Wie bereits erwähnt muss hier kein Komma stehen.« Gerade aber, wenn ein solcher Nebensatz länger ist, macht ein Komma den Satz durchaus lesbarer: »Wie bereits im Kapitel 3 unter dem Stichwort ›Kommasetzung‹ erläutert, muss bei formelhaften Auslassungssätzen kein Komma stehen.« (09.12.2019)
  • »Advendskalender«
    Schild mit der Beschriftung "Advendskalender 2019"Endlich ist sie da: die Adventszeit! Die Kinder (und auch manche Erwachsene) haben sich schon lange auf ihren Adventskalender gefreut! Die Adventszeit ist die Zeit der Ankunft Christi, also die Zeit, in der man auf Weihnachten und die Geburt Christi wartet. Das Wort Advent geht auf lateinisch adventus zurück, was so viel wie ›Ankunft‹ bedeutet. Zusammensetzungen mit Advent werden üblicherweise mit einem Fugen-s gebildet: Adventskranz. In Österreich allerdings verzichtet man darauf, dort heißt es Adventkranz oder Adventkalender. Auch bei der Aussprache gibt es einen Unterschied zwischen Deutschland und Österreich und der Schweiz: In den beiden Alpenändern wird Advent meist mit [f] gesprochen. Mit d jedoch wird der Advent in keiner deutschsprachigen Nation geschrieben. (02.12.2019; Foto: Christina Siever)
  • Ideologie oder Idiologie?
    Hilft das: Ideologie und Ideen?Der alte Mann in Peter Bichsels Kurzgeschichte »Ein Tisch ist ein Tisch« hat keinen Namen, dafür eine aus der Alltäglichkeit erwachsene Form von Idiolalie – eine eigen(artig)e Sprache, die nur er verstehen kann, denn dem Bett sagte er eines Tages nicht mehr »Bett«, sondern »Bild«, dem Tisch »Teppich« und so weiter. Das erste Wortbildungselement idio- bedeutet ›eigen-(artig) oder sonder-(bar)‹ und würde damit eine vorzügliche Eselsbrücke für Ideologie abgeben, wenn dieses Wort nicht korrekt mit e zu schreiben wäre. Die nicht tragfähige Brücke ist aber nicht tragisch, denn das zum Verwechseln ähnliche ideo- bedeutet ›Idee, Begriff, Vorstellung‹ und liefert damit selbst auch eine schöne Brücke (ide[o] wie Idee), denn eine Ideologie umfasst eine ganze Menge Ideen und Vorstellungen/Begrifflichkeiten – wenn auch nicht die besten. Beide Konfixe sind übrigens seltene Instrumente: Am bekanntesten dürfte der Idiot sein, der etwas oder jemanden als ›eigen(artig) oder sonder(bar)‹ kennzeichnet; weniger bekannt dürfte der linguistische Terminus Idiom ›feste Wortfolge‹ oder das zumindest außerhalb der Schweiz nicht so geläufige Idiotikon sein: das Mundartwörterbuch des Schweizerdeutschen. (25.11.2019; Foto: ElisaRiva)
  • Der oder das Hashtag?
    Sprechblase mit Hashtag und Herz sowie Ausschnitt des Instagram-LogosSeit 2007 gibt es auf Twitter Hashtags, seit 2009 sind die Schlagworte, denen ein Rautezeichen vorangestellt ist, auch verlinkt und können entsprechend zur Suche resp. Filterung genutzt werden. Das Wort Hashtag ist ein Kompositum aus den englischen Wörtern hash für ›Rautezeichen‹ und tag für ›Strukturzeichen (ein sichtbares Zeichen zur Strukturierung eines Textes)‹. Seit 2017 steht Hashtag im Duden und dort kann man auch nachlesen, dass es sich dabei um ein Neutrum handelt. Schaut man allerdings in Korpora wie dem Wortschatz Uni Leipzig nach, stellt man schnell fest, dass in der Sprachpraxis das Wort zumeist als Maskulinum verwendet wird. (18.11.2019)

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