Orthografie

Tipps für korrekte Rechtschreibung

Vermaiden Sie Fehla! Unsere Rechtschreibexpertin Christina Siever (correctura.com) räumt häufige Rechtschreibfehler auf leichte Weise aus und klärt über typische Zweifelsfälle auf. – Sie haben eine Frage zur Orthografie? Schreiben Sie ihr an orthografie@mediensprache.net.

  • »Sané aus dem Kader geworfen!«
    In Russland nicht am Ball/im Kader: SanéWar das eine Überraschung: Sané ist in Russland nicht dabei, er wurde »aus dem Kader geworfen«. So hieß es in jeder Meldung zu Joachim Löws Entscheidung in Bezug auf die Zusammenstellung der Nationalmannschaft für die WM 2018 in Russland. Doch wird das Wort wirklich so geschrieben oder nicht eher Cader oder Quader? Das Wort begegnet uns vor allem beim Militär (in der Bedeutung ›Kerntruppe‹) und beim Sport (›Stammspieler/-sportler‹) – stets mit der Kernbedeutung ›Auslese‹. Aus dem »Kader geworfen zu werden« ist also alles andere als erbaulich. Entlehnt haben wir Kader im 19. Jahrhundert aus dem Französischen, wo es cadre geschrieben wird (von lat. quadro ›viereckig‹) – was für die C-Schreibung sprechen würde, doch ist das Wort schon viel zu lange Bestandteil der deutschen Sprache, als dass es noch nicht von der deutschen Orthografie geschliffen worden wäre. Unschönes Aper­çu für Sané: Kader trägt auch die Bedeutung ›wichtige Person(en) in Partei, Politik und Wirtschaft‹ – und diese Bedeutung ist ausgerechnet aus dem Russischen entlehnt (kadr). (11.06.2018)
  • Kristalle kaufen im »Krystall-Laden«
    FotobeweisWas man wohl im »Krystall-Laden« kaufen kann? Kristalle vermutlich. Die interessante Frage ist jedoch, warum sich das Geschäft dann nicht »Kristall-Laden« nennt. Klar, bei Eigennamen kann man selbstverständlich die Schreibweise frei wählen. Ein wenig erinnert die Schreibung an das Englische »crystal«, also eventuell eine Mischung aus dem Englischen und Deutschen? Wenn wir uns die Etymologie des Wortes ansehen, finden wir aber noch eine zweite Möglichkeit: Das Wort lautete im Mittelhochdeutschen »cristalle«, im Althochdeutschen »Cristalla«, dieses wiederum wurde vom mittellateinischen »crystallum« entlehnt. Und dem lateinischen Wort »crystallus« liegt das griechische »krýstallos« zugrunde, vielleicht also hat sich der Ladenbesitzer auf die griechischen Wortwurzeln berufen?
    Bleibt noch die Frage nach dem Genus. Unter dem maskulinen Substantiv »[der] Kristall« versteht man einen mineralischen Körper, also beispielsweise einen Bergkristall. »Das Kristall« dahingegen bedeutet geschliffenes Glas einer bestimmten chemischen Zusammensetzung; kollektiv werden damit auch alle Gegenstände aus solchem Glas bezeichnet. (04.06.2018)
  • Des Nachbars oder des Nachbarn Grillwurst?
    Nachbarhäuser in einer Straße mit Fahrrad und BäumenNa, sind wieder Grillaromen des Nachbarn rübergeweht? Oder gar Wasserstrahlen der Kinder des Nachbarn? Oder heißt es der Kinder des Nachbars? Beginnen wir mit dem Plural, denn der ist unstrittig, es heißt in allen Fällen immer »Nachbarn«. Aber wie lauten die Singularformen? Auch hier ist sommerliche Entspannung angesagt: Sowohl die starke (des Nachbars, dem Nachbar, den Nachbar) als auch die schwache Deklination (des Nachbarn, dem Nachbarn, den Nachbarn) ist korrekt! Und noch eine gute Nachricht: Da im Plural ausschließlich die schwache Deklination verwendet wird, gewinnt immer mehr die schwache Deklination auch im Singular an Popularität. Übrigens: Das westgermanische Wort ist aus den Elementen »nah« und »Bauer« zusammengesetzt. Fragen Sie doch mal Ihren Nachbar oder Ihren Nachbarn, ob er weiß, wie er gebeugt werden sollte! (28.05.2018)
  • Erschrecken, erschreckt, erschrocken
    Erschrocken?Jetzt haben Sie sich aber erschreckt, oder? Bei diesem Partizip weiß man nämlich einfach nicht, ob erschreckt oder erschrocken richtig ist – und man kann es sich auch nicht merken! Womöglich liegt das daran, dass erschrecken in drei Formen vorkommt: Das intransitive Verb (mit einem Betroffenen als Ergänzung) wird unregelmäßig flektiert und wirkt schon deshalb recht ›angestaubt‹: Ich erschrak/bin erschrocken, er erschrickt. Das transitive Verb hingegen (neben der erschreckten Person wird auch die verursachende genannt) wird regelmäßig gebildet: Du hast mich erschreckt/Erschreck mich nicht!. Und als ob dies nicht schon schwierig genug zu unterscheiden wäre, gibt es darüber hinaus noch eine reflexive Variante: sich erschrecken. Und eben hier werden beide Partizipformen verwendet: Ich habe mich erschreckt/erschrocken. Einzig hilfreich könnte da die Brücke sein, dass das reflexive erschrecken konservative Gemüter erschreckt, da es sich hierbei um eine umgangssprachliche Variante handelt. Unter Umständen wäre also bei harten Sprachpuristen eine Warnung vor dem Gebrauch angemessen: »Erschrick jetzt nicht!« (21.05.2018)
  • schuld sein oder Schuld haben?
    FotobeweisBei Missständen kommt häufig die Frage auf: Wer hat daran Schuld, wer ist schuld daran? Wie sieht es mit der Groß- und Kleinschreibung aus? In der Wendung »an etwas schuld sein« wird »schuld« kleingeschrieben, da es sich um ein Wort handelt, das zwar aus einem Substantiv entstanden ist, nunmehr aber ein Adjektiv ist. Die gleiche Bedeutung, nämlich ›für etwas verantwortlich sein‹, hat auch die Wendung »an etwas (die) Schuld haben«. Hier handelt es sich bei »(die) Schuld« um ein Substantiv, das großgeschrieben wird. Das gleiche gilt für die Wendungen »jemanden (die) Schuld geben« oder »an etwas Schuld tragen«. In der Wendung »sich etwas zuschulden/zu Schulden kommen lassen« hat man die Wahl zwischen Zusammen- und Getrenntschreibung. (14.05.2018)

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