Orthografie

So ist es richtig!

Unsere Rechtschreibexpertin Christina Siever (correctura.com) gibt Tipps zur richtigen Schreibung. – Sie haben eine Frage zur Orthografie? Schreiben Sie ihr an orthografie@mediensprache.net.

  • Zwischen Bitten und Befehlen
    Appell zum Maskentragen und AbstandhaltenVon einem Appel (niederdeutsch für Apfel) und Apple (Technologiekonzern) unterscheidet sich ein Appell erheblich: schon durch die Betonung der zweiten Silbe. Daraus könnte man schließen, dass das Wort mit nur einem p auszustatten ist. Doch wie so oft hilft ein Blick auf die Herkunft: Das Substantiv ist abgeleitet vom Verb appellieren, das mit noch kürzerem a ausgesprochen wird und auf lat. appellare ›um Hilfe anrufen‹ zurückgeht. Appelle bewegen sich zwischen Bitte, Aufforderung und Befehl. In der Regel appelliert eine Person an eine andere, etwas zu tun oder nicht zu tun. Die Bundesregierung appelliert zurzeit an die gesamte Gesellschaft, sowohl etwas zu tun (Maske tragen, Abstand einhalten) als auch zu unterlassen (singen, tanzen, demonstrieren), die WHO sogar an die ganze Welt. Appelle dieser Art sind ungern gesehen und führen mitunter zu Polizeieinsätzen – dann handelt es sich nicht mehr um Bitten. Befehlende Appelle finden sich durchgängig beim Militär, hier etwa in Form einer ›Versammlung von Soldaten‹. Appelle gibt es zudem auf der Jagd oder als Tanzfigur, aber interessant ist vor allem der Weg, den das lateinische Wort über das Französische ins Englische genommen hat. Hier hat frz. appel[er] in Form von appeal auch die Bedeutung ›jmdm. zusagen‹, also die »Bitte« um Attraktivität, die man nicht ausschlagen kann. Im Deutschen als Sexappeal entlehnt, hat das Wort heute jedoch stark an Attraktivität verloren. (20.07.2020; Foto: cromaconceptovisual)

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