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Orthografie

Tipps für korrekte Rechtschreibung

Vermaiden Sie Fehla! Unsere Rechtschreibexperten Christina und Torsten Siever (correctura.com) räumen häufige Rechtschreibfehler auf leichte Weise aus und klären über typische Zweifelsfälle auf. – Sie haben eine Frage zur Orthografie? Schreiben Sie ihr an orthografie@mediensprache.net.

  • Genus von Abstract
    Titel, Abstract und Beginn eines wissenschaftlichen ArtikelsBei wissenschaftlichen Texten findet man im besten Fall eine kurze Inhaltsangabe, die quasi die Essenz der Forschungsarbeit präsentiert, sodass man aufgrund dessen entscheiden kann, ob sich die Lektüre des ganzen Textes lohnen könnte. Der Fachausdruck dafür lautet Abstract. Das Wort stammt vom englischen Verb to abstract in der Bedeutung ›einen Auszug machen‹. Abstract kam erst in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts ins Deutsche und bislang hat sich noch keines der beiden möglichen Genera durchgesetzt: Korrekt ist im Deutschen sowohl das Abstract als auch der Abstract. Tja, und dieser Tipp ist so kurz, dass er kein(en) Abstract benötigt; ein prägnanter Titel genügt. (18.10.2021)
  • Kongruenz bei Firmennamen
    Kongruenz bei Firmennamen & CoOb sich bei diesem Text jemand nicht entscheiden konnte oder die Überschrift von einer anderen Person erstellt worden ist, ist nicht erkennbar. Ablesbar ist hingegen, dass die geschlechtergerechte Sprache immer gebräuchlicher wird und dass bei Firmennamen aus gutem Grund Zweifel bestehen, ob Übereinstimmung mit dem Genus (Kongruenz) herrschen muss oder nicht. Schwierig ist es vor allem, wenn die Rechtsform ein anderes Genus und damit Gefühl vermittelt als der Firmenname ohne Rechtsform, also etwa bei Volkswagen (maskulin) und Volkswagen AG (feminin): »Volkswagen verkauft seine Anteile« vs. »Volkswagen verkauft ihre Anteile« (wegen Volkswagen AG). Bei Deutsche Bahn oder Deutsche Bahn AG ist es jedoch gleich, weshalb hier tatsächlich die feminine Form ihre gewählt werden sollte. Keine Kongruenzfrage herrscht bei Wörtern wie Mädchen, bei denen das Genus vom Geschlecht abweicht. Auch wenn jedes Mädchen weiblich ist, muss das Genus kongruieren. Also nicht: »Das Mädchen ist 8, aber sie ist es erst einen Tag«, sondern »Das Mädchen ist 8, aber es ist es erst einen Tag«. Klingt so seltsam wie der Bahn seine Busse, aber ist in diesem Fall die einzig korrekte Form. (11.10.2021)
  • Und tschüss! Abschiedsworte im Deutschen
    Rückspiegel eines Autos, in dem sich ein Frosch mit Koffer spiegeltWer sich im Deutschen verabschieden möchte, hat verschiedene sprachliche Möglichkeiten, dies zu tun: Während auf Wiedersehen dem Standarddeutschen angehört, gibt es andere Varianten, die weniger standardsprachlich sind. Ade und adieu gelten als veraltend und landschaftlich, die verwandte, aus dem Spanischen stammende Form adios gilt als salopp. Die aus dem Italienischen stammende Variante ciao und eingedeutscht tschau, die im Duden präferierte Schreibvariante, ist dort als umgangssprachlich und als salopp-kameradschaftlich gekennzeichnet; besonders an diesem Abschiedsgruß ist, dass das Wort zugleich auch zur Begrüßung verwendet werden kann. Servus stammt aus dem Lateinischen und bedeutet «(dein) Diener», dieser Abschiedsgruß wird vor allem im Bairischen (und Österreichischen) genutzt. Schließlich kann man zum Abschied umgangssprachlich auch tschüss sagen. Aber Achtung: Während man in Deutschland sowohl zu Menschen, die man duzt, als auch Menschen, die man siezt, tschüss sagen kann, kann die Grußformel in der Schweiz nur für Personen, mit denen man per Du ist, verwendet werden. Etymologisch betrachtet handelt es sich um eine gekürzte Nebenform zum Niederdeutschen adjüs bzw. atschüs, das seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts bezeugt ist. Diese Form ist wiederum auf das Spanische adiós zurückzuführen, dieses geht wie auch adieu auf lateinisch ad deum in der Bedeutung ›zu Gott‹ oder ›Gott-befohlen‹ zurück. Schreiben kann man diesen Gruß auf vier verschiedene Varianten, da man den ihn sowohl mit einem s als auch mit Doppel-s sowie groß- oder kleinschreiben kann. So sagen wir also an dieser Stelle tschüs, tschüss, Tschüs und Tschüss und bis bald! (04.10.2021)
  • Freigebig oder freigiebig?
    Zwei geöffnete Hände mit LichtstrahlenEs gibt Menschen, die sind großzügig im Schenken, sie sind gerne bereit, anderen etwas zu geben. Wie können diese Menschen bezeichnet werden? Da gibt es verschiedene Möglichkeiten: gebefreudig, spendabel, spendierfreudig oder bildungssprachlich auch generös. Außerdem können solche Menschen als freigebig oder freigiebig bezeichnet werden, doch was ist der Unterschied zwischen den beiden Adjektiven? Sprachgeschichtlich betrachtet ist freigebig die korrekte Variante; dieses Kompositum ist seit dem 16. Jahrhundert belegt und enthält das Adjektiv gebig/gäbig im Sinne von ›gerne gebend‹. Freigiebig ist fälschlicherweise analog zu ergiebig, ausgiebig oder nachgiebig gebildet worden. Dies ist deshalb eigentlich nicht richtig, weil zum Adjektiv ergiebig das Verb ergeben existiert, allerdings gibt es kein Verb freigeben in der Bedeutung ›gern/reichlich geben‹. Doch das Wort freigiebig hat sich längst etabliert und ist auch lexikalisiert und entsprechend im Duden zu finden, folglich hat man zwischen freigebig und freigiebig freie Wahl. (27.09.2021)
  • Triell
    Mittelalterliches TriellWir befinden uns in der letzten Woche vor der Wahl und vermutlich fällt vielen die Entscheidung schwerer als je zuvor. Haben hierzu die Trielle beigetragen oder haben diese eher eine Haltung verfestigt oder gar umgestoßen? Doch lassen Sie uns hier besser für das Wort Triell begeistern. Dieses ist zwar nicht neu, aber erstmals in aller Munde, obwohl es nicht einmal im Duden steht. Grund ist nicht, dass es noch nie drei Kanzlerkandidat(inn)en gegeben hätte, sondern vielmehr, dass diese heuer reelle Chancen auf das Kanzleramt haben. Bislang waren es stets zwei, weshalb es nur Duelle gab. Und dazu ist Triell auch (fälschlicherweise) analog gebildet worden. Lateinisch oder griechisch tri bedeutet ›drei(fach)‹ und ist bekannt von Trimester, Triangel oder Trigonometrie (doch, das hatten wir mal in der Schule). Der volksetymologische ›Fehler‹ besteht darin, dass Duell mitnichten aus duo + -(e)ll zusammengesetzt ist, sondern von lat. duellum ›Krieg‹ (altlat. bellum) rührt. So gesehen behandeln wir diese Woche also keinen möglichen Rechtschreibfehler, sondern einen Bildungsfehler durch falsche (Re-)Analyse. Dieser erfolgte allerdings nicht im Wahljahr 2021, sondern bereits im 16. Jahrhundert, als man sich noch mit Waffen duellierte. Gut, dass das Geschichte ist. (20.09.2021)

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