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Orthografie

Tipps für korrekte Rechtschreibung

Vermaiden Sie Fehla! Unsere Rechtschreibexperten Christina und Torsten Siever (correctura.com) räumen häufige Rechtschreibfehler auf leichte Weise aus und klären über typische Zweifelsfälle auf. – Sie haben eine Frage zur Orthografie? Schreiben Sie ihr an orthografie@mediensprache.net.

  • Vandalismus oder Wandalismus?
    Zerplittertes Glas mit Loch in der MitteVandalinnen und Vandalen oder auch Wandalinnen und Wandalen bezeichnen heutzutage zerstörungswütige Menschen, wobei die delinquente Handlung vor allem eine zwecklose, irrationale Sachbeschädigung beinhaltet. Sowohl die Schreibweise mit V als auch mit W ist korrekt, wobei die Schreibung mit V gebräuchlicher ist. Analog dazu kann auch das dazugehörige Substantiv und Adjektiv gebildet werden: Es gibt Vandalismus oder Wandalismus, das Synonym für ›zerstörungswütig‹ lautet vandalisch oder wandalisch. Die Aussprache bleibt sich bei beiden Schreibweisen gleich. Der germanischen Volksgruppe, die in der Spätantike ins römische Reich einwanderte, tut man mit der Bezeichnung allerdings unrecht: Die sprachliche Ableitung des Ausdrucks ist nämlich historisch kaum begründbar; zwar plünderten die Vandalen im Jahr 455 Rom, aber nicht in blinder Zerstörungswut. (26.07.2021)
  • Gratin, das oder der?
    Gratin mit Käse überbacken und daneben Garnitur mit frischen Tomaten und Kartoffeln und AubergineWie lautet der Fachbegriff in der Kochkunst für ein überbackenes Gericht? Gratin, klar, aber heißt es der Gratin oder das Gratin? Das Wort stammt aus dem Französischen, und zwar ist es vom Verb gratiner abgeleitet, das ›gratinieren‹ bedeutet, also im Sinne von ›überbacken, bis eine braune Kruste entsteht‹. Gratiner wiederum bedeutet ›am Rand des Kochtopfs festbacken‹, und dieses Wort ist abgeleitet von gratter, das ›abkratzen‹ bedeutet. Im Französischen selbst gibt es bekanntlich nur zwei Genera, nämlich das Femininum und das Maskulinum. Das grammatische Geschlecht des Gratins ist im Französischen le gratin, heißt es also folglich auch der Gratin im Deutschen? Im Duden steht schlicht das oder der, im Variantenwörterbuch des Deutschen findet man dazu dahingegen genauere Informationen: »In A und D Neutrum, in CH Maskulinum. Die maskuline Verwendung ist in D selten, die sächliche Verwendung ist in CH selten.« Gut möglich, dass das Maskulinum in der Deutschschweiz präsenter ist, da die französische Sprache durch die geografische Nähe gegenwärtiger ist als in Österreich oder Deutschland. Bei der Gratin handelt es sich um einen sogenannten Frequenzhelvetismus, was bedeutet, dass der Ausdruck in der Schweiz deutlich häufiger vorkommt als im restlichen deutschsprachigen Raum. (19.07.2021)
  • Anton c/o Berta
    BriefkastenvielfaltWer mit der Verarbeitung von Adressen zu tun hat, erlebt so manche Anordnung von Adressteilen und insbesondere Varianten von c/o oder selten . Diese aus dem englischen Sprachraum übernommene Abkürzung wird verwendet, wenn sich eine Person in der Obhut einer anderen Person oder einer Gesellschaft befindet – kurz: nicht auf dem Postkasten steht. Die entsprechende Vollform lautet care of und wird daher nicht vor die empfangende Person gestellt, sondern vor die Person oder Gesellschaft, die so freundlich ist, die Post für diese entgegenzunehmen. Der oder die Adressat/-in wird folglich stets zuerst genannt, als stünde sie auf dem Briefkasten. Der Grund dafür ist (auch) ein rechtlicher: Bei Erstnennung des Namens darf die Post nur von dieser erstgenannten Person geöffnet werden und nicht von einer anderen Person (selbst innerhalb einer Gesellschaft), die etwa die Post entgegennimmt. Bei Firmenadressen wird der Zusatz c/o meistens nicht genannt und ohnehin wird in der Regel die Firma vorangestellt, gefolgt von der Kontaktperson: Herr/Frau Mickelmeyer (das frühere z. Hd. für ›zu Händen‹ gilt als veraltet). Die Firma sollte also unbedingt an erster Position stehen, wenn eine Rechnung geschrieben wird oder andere Personen (etwa die Urlaubsvertretung) ebenfalls die Post öffnen dürfen bzw. sollen. Wird hingegen – damit es noch rechtzeitig ankommt – das Einhorn für den Geburtstag der Tochter an die Firmenadresse gesendet, sollte unbedingt der dort arbeitende Elternteil erstgenannt sein. Nicht, dass der Chefin das Geschenk gerade recht für den Geburtstag ihrer Tochter kommt. (12.07.2021)
  • Bindestrich oder Gedankenstrich?
    Lettern für den DruckWas ist eigentlich – so fragen sich wohl einige – der Unterschied zwischen einem Binde- und einem Gedankenstrich? Der Gedankenstrich (in der Druckersprache: Halbgeviertstrich) kennzeichnet – wie im Satz zuvor und auch bei diesem hier – Einschübe, also Gedankensprünge. Er ist länger als der Bindestrich (-, auch Viertelgeviertstrich genannt). Auch bei Auslassungen (100,– Euro) und Spannen (S. 197–201) wird der Gedankenstrich genutzt. Daher wird das Zeichen zuweilen auch Bis-Strich genannt. Nicht nur bei Zahlen, sondern auch bei anderen Zeichenfolgen kann der Bis-Strich eingesetzt werden: Der Flug Hannover–Zürich dauert eine Stunde. Der kürzere Bindestrich dahingegen verbindet im Deutschen Wortgruppen, die durchgekoppelt werden müssen: To-do-Liste. Um Komposita transparenter zu gestalten, kann ebenfalls ein Bindestrich genutzt werden, also statt Fußballeuropameisterschaft eben Fußball-Europameisterschaft, aber natürlich nicht Fußballeuropa-Meisterschaft. Auch bei Teilkürzungen (auch Ergänzungsstrich genannt) wie in Gedanken- und Bindestrich wird der Bindestrich genutzt. Auf der Standardtastatur ist der Viertelgeviertstrich immer zu finden, doch wie fügt man einen Halbgeviertstrich ein? Entweder in Word® Strg + − (das Minuszeichen des Ziffernblocks) oder generell Alt + 0150 (Ziffernblock). Nun hoffen wir, von A–Z alles verständlich erklärt zu haben. (05.07.2021)
  • Shampoo, Shampoon, Schampun oder Schampon?
    Grafiken von 4 verschiedenen Shampoo-FlaschenWer sich die Haare wäscht, benutzt ein (flüssiges) Haarwaschmittel, klar, doch wer spricht schon von Haarwaschmittel? Nein, natürlich, man verwendet ein Shampoo, ein Shampoon, ein Schampun oder ein Schampon. Ja was denn nun, welche Schreibweise ist wohl korrekt? Wir verraten es: Alle vier Formen sind im Duden als korrekt verzeichnet! Doch woher stammt das Wort, dass es so viele Schreibungen gibt? In der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde das Wort aus gleichbedeutend englisch shampoo entlehnt. Ursprünglich stammt das Wort jedoch aus dem Hindi, dort bedeutet chhampo so viel wie ›Knete!‹, da ja das Haarwaschmittel einmassiert werden sollte. Wenn man also seine Haare oder einen Teppich mit Shampoo behandelt bzw. einschäumt, dann nennt man diese Tätigkeit shampoonieren, oder eben analog zu den oben genannten Varianten auch schamponieren oder schampunieren. Dass bei einem deutschsprachigen Wort zwei Schreibvarianten zugelassen sind, kommt ja häufig vor, doch wie bei Shampoo und shampoonieren gleich drei oder vier? Wer kennt noch weitere Wörter, bei denen drei oder vier verschiedene Schreibvarianten zugelassen sind? Wir sind gespannt! (28.06.2021)

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