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Orthografie

Tipps für korrekte Rechtschreibung

Vermaiden Sie Fehla! Unsere Rechtschreibexperten Christina und Torsten Siever (correctura.com) räumen häufige Rechtschreibfehler auf leichte Weise aus und klären über typische Zweifelsfälle auf. – Sie haben eine Frage zur Orthografie? Schreiben Sie ihr an orthografie@mediensprache.net.

  • Lieber Rat für deutsche Rechtschreibung,
    Zielgruppen im (Schreib-)Wandelwenn Traditionsverlage wie De Gruyter Formen wie Linguist/-innen auf ihre Seite stellen, müssen wir dies aufgreifen. Natürlich soll es in diesem Tipp nicht dabei bleiben, nur die korrekte Form zu nennen, und schon gar nicht darum gehen, mit dem Zeigefinger auf eine Kommunikationsabteilung zu zeigen. Lässt sich doch mit diesem Beispiel die Frage aufwerfen, ob die ungrammatische Form Linguist*innen nun auf die bis dato richtige Schrägstrichschreibung einwirkt. Korrekt müsste es nämlich heißen: Linguisten/Linguistinnen oder als Kurzform Linguist(inn)en. Damit bleibt das Plural-Flexiv -en bei der maskulinen Form (und damit explizit auch der Linguist) erhalten.
    Viel interessanter ist allerdings, dass die Website das Chaos abbildet, in das wir uns mit der (Sozial-)Geschlechterfindung begeben haben. Die engagierte Suche nach der »besseren« Form führt dazu, dass LinguistInnen auf derselben Seite steht wie Expert_innen, dass Germanisten unmittelbar neben Leserinnen und Leser gastiert und Helden links von Medienwissenschaftler/-innen posiert. Wer kann schon aktuell sagen, ob es sich bei Helden um ein letztes Aufbäumen des generischen Maskulinums handelt, ob nur männliche Helden behandelt werden oder Trans-Helden »mitgemeint« sind? Sagen kann man aber schon, dass innerhalb eines Unternehmens oder zumindest einer Website Einheitlichkeit herrschen sollte. Ach ja, die Adressierung in der Überschrift ist natürlich fiktiv, doch reift zunehmend der Wunsch nach einer Art Machtwort vom Rat – in welcher Richtung auch immer. (22.02.2021)

    Wörterbucheintrag mit Gender-Formen und weiteren Informationen
  • Schneereich
    schneereichIn dem bekannten Bestseller »Fräulein Smillas Gespür für Schnee« von Peter Høeg kann die in Grönland aufgewachsene Smilla Jaspersen einen mysteriösen Todesfall aufklären – unter anderem, weil sie Spuren im Schnee lesen kann. Als Tochter einer Inuk kennt sie viele Formen für Schnee, denen im hohen Norden Namen zustehen. Auch wenn die vergangene Woche äußerst schneereich gewesen ist, gibt es hierzulande nur zwei nennenswerte Differenzierungen: Nassschnee (auch Pappschnee) und Pulverschnee. Allerdings unterscheiden wir noch Firnschnee (›mind. 1 Jahr alter Schnee‹) von Neuschnee, auch wenn dieser mitunter nur Kunstschnee ist. Die Meteorologie kennt noch die Niederschlagsformen Schneegriesel und Schneeregen sowie bei der horizontalen Schneebewegung Schneetreiben und Schneesturm – womit wir bei Schneewehen und den verwandten Schneewechten wären. Letztere bezeichnen Schneeüberhänge an Geländekanten und schreiben sich heute nicht mehr mit ⟨ä⟩, da die Wechte vom Verb wehen abgeleitet ist. Auch wenn allen bisherigen Schnee-Bestandteilen kein weiterer Vokal folgte, gibt es solche Wörter: Schneeeule etwa, das sich zur besseren Lesbarkeit auch mit Bindestrich schreiben lässt: Schnee-Eule. Bei Eisschnee dürfte es sich übrigens üblicherweise um eine Fehlschreibung handeln; der Eischnee fällt nicht vom Himmel und ist zum Rodeln gänzlich ungeeignet – aber eine Art des Tauens erfährt mit der Zeit auch er. (15.02.2021)
  • Globus ‒ Globen ‒ Globusse ‒ Globi
    Titelblatt der Globus-Hauszeitung, Globi läuft über dem GlobusDie Coronakrise ist ein globales Ereignis, es betrifft die ganze Erde, die ganze Erdkugel. Das Wort Globus wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts von lateinisch globus entlehnt, das auf Deutsch ›Kugel, Ball; Klumpen‹ bedeutet, nachdem der Tuchhändler Martin Behaim 1492 in Nürnberg den ersten Globus anfertigen ließ. Im gleichen Jahr – dies sei nebenbei angemerkt – hat Christoph Kolumbus übrigens auch die »Neue Welt« entdeckt. Doch wie werden mehrere dieser faszinierenden Kugeln genannt? Globen vielleicht oder gar Globusse? Beides ist möglich, doch die Form Globen ist gebräuchlicher. Die Pluralendung -en kommt auch bei anderen Fremdwörtern vor, so beispielsweise bei Atlas ‒ Atlanten, Album ‒ Alben oder Konto ‒ Konten, wobei es zuweilen auch andere zulässige Pluralformen wie Atlasse gibt. Bleibt noch die Frage nach dem Genitiv. Auch hier hat man die Wahl, sowohl des Globus als auch die starke Form des Globusses ist richtig. Doch was hat denn nun eigentlich die erfolgreichste Schweizer Kinderfigur Globi mit dem Globus zu tun? Natürlich lautet im Lateinischen die Pluralform im Nominativ globi, aber der Name rührt woanders her: Das Schweizer Warenhaus Globus ließ die Figur Globi zum 25-jährigen Jubiläum als Werbeträger für Kinder erschaffen. Ursprünglich sollte die Figur Kimbukku heißen, was dem Basler Globus-Filialleiter jedoch nicht gefiel. Da die Basler das Warenhaus Globus Gloobi nannten, taufte man die Kinderfigur schließlich Globi. (08.02.2021)
  • Ein kleiner Pikser für den Menschen …
    Mensch in Schutzanzug hält eine riesige Spritze in der Hand und bekämpft damit Coronaviren… aber ein riesiger Sprung in der Pandemiebekämpfung!

    Einige Corona-Impfstoffe sind zugelassen, jetzt warten die Menschen auf ihre Pikser. Doch für viele dürfte es noch etwas dauern; es bleibt also Zeit, sich mit dem Wort Pikser bzw. piksen und piken auseinanderzusetzen. Diese umgangssprachlichen Wörter werden häufig fälschlicherweise mit ie geschrieben (also pieksen und pieken), was der Aussprache des langen i entspricht. Betrachtet man die Etymologie, so kann festgestellt werden, dass die Wörter Nebenformen zu picken sind, weshalb die Schreibung mit i beibehalten wurde. Wer sich das nicht merken möchte, umgeht die Rechtschreibfalle, indem er oder sie einfach Einstich schreibt. Bleibt uns nur zu wünschen: Frohes und schnelles Gepikstwerden allerseits! (01.02.2021)
  • Unter ferner liefen
    PferderennenTrump ist nun – wenn man das so salopp sagen darf – Geschichte, der Ex-Präsident rangiert nun unter ferner liefen. Diese seltsam anmutende Wendung ist zwar in Zeitungstexten belegt, gehört aber zur Umgangssprache. Sie wird verwendet, um ausdrücken, dass eine Person oder Organisation ›bedeutungslos‹ ist. Wenn man die Worte wörtlich liest, lässt sich ihre Bedeutung erahnen. Spätestens mit dem Hintergrundwissen, dass die Wendung aus dem Pferdesport stammt. Dort trägt ferner den Akzent für Personen, deren Pferd ihren Antreiber nicht als Sieger ins Ziel getragen hat. Genannt werden neben den Siegern ferner also Sportler, die ebenfalls am Rennen teilgenommen haben, also gelaufen sind. Damit ist klar, dass Schreibungen wie unter Ferner Liefen nicht korrekt sind, Hervorhebungen der Art unter »ferner liefen« hingegen schon. Mitunter passt auch das Verb nicht zur Phrase, so etwa bei Sonst wäre heute Apple unter ferner liefen (20min.ch). (25.01.2021)

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