Orthografie

Tipps für korrekte Rechtschreibung

Vermaiden Sie Fehla! Unsere Rechtschreibexpertin Christina Siever (correctura.com) räumt häufige Rechtschreibfehler auf leichte Weise aus und klärt über typische Zweifelsfälle auf. – Sie haben eine Frage zur Orthografie? Schreiben Sie ihr an orthografie@mediensprache.net.

  • Erschrecken, erschreckt, erschrocken
    Erschrocken?Jetzt haben Sie sich aber erschreckt, oder? Bei diesem Partizip weiß man nämlich einfach nicht, ob erschreckt oder erschrocken richtig ist – und man kann es sich auch nicht merken! Womöglich liegt das daran, dass erschrecken in drei Formen vorkommt: Das intransitive Verb (mit einem Betroffenen als Ergänzung) wird unregelmäßig flektiert und wirkt schon deshalb recht ›angestaubt‹: Ich erschrak/bin erschrocken, er erschrickt. Das transitive Verb hingegen (neben der erschreckten Person wird auch die verursachende genannt) wird regelmäßig gebildet: Du hast mich erschreckt/Erschreck mich nicht!. Und als ob dies nicht schon schwierig genug zu unterscheiden wäre, gibt es darüber hinaus noch eine reflexive Variante: sich erschrecken. Und eben hier werden beide Partizipformen verwendet: Ich habe mich erschreckt/erschrocken. Einzig hilfreich könnte da die Brücke sein, dass das reflexive erschrecken konservative Gemüter erschreckt, da es sich hierbei um eine umgangssprachliche Variante handelt. Unter Umständen wäre also bei harten Sprachpuristen eine Warnung vor dem Gebrauch angemessen: »Erschrick jetzt nicht!« (21.05.2018)
  • schuld sein oder Schuld haben?
    FotobeweisBei Missständen kommt häufig die Frage auf: Wer hat daran Schuld, wer ist schuld daran? Wie sieht es mit der Groß- und Kleinschreibung aus? In der Wendung »an etwas schuld sein« wird »schuld« kleingeschrieben, da es sich um ein Wort handelt, das zwar aus einem Substantiv entstanden ist, nunmehr aber ein Adjektiv ist. Die gleiche Bedeutung, nämlich ›für etwas verantwortlich sein‹, hat auch die Wendung »an etwas (die) Schuld haben«. Hier handelt es sich bei »(die) Schuld« um ein Substantiv, das großgeschrieben wird. Das gleiche gilt für die Wendungen »jemanden (die) Schuld geben« oder »an etwas Schuld tragen«. In der Wendung »sich etwas zuschulden/zu Schulden kommen lassen« hat man die Wahl zwischen Zusammen- und Getrenntschreibung. (14.05.2018)
  • Plug-in oder Plug-In?
    Check-in am Flughafen - mit kleinem -in und BindestrichWas haben Plug-in, Opt-in, Call-in, Fade-in, Check-in, Sit-in und Log-in gemeinsam? Natürlich die englischsprachige Endung -in am Wortende, das die Bedeutung ›ein‹ einbringt (›einloggen‹, ›einwählen‹, ›einchecken‹ etc.). Einige teilen darüber hinaus auch die alternative Schreibung ohne Bindestrich, also das Login oder Sitin. Allerdings ist die Schreibung nicht empfehlenswert, da es zur Verwechslung mit den apostrophierten -ing-Formen kommen kann Checkin/Checkin[g]. Neben -in gibt es weitere Partikeln, die angehängt werden können: Pop-up oder Pop-under, die ebenfalls generell klein- und mit Bindestrich geschrieben werden können. All diese Wörter teilen übrigens – zumindest bei Großschreibung – die Wortart Substantiv. Alle komplexeren Wörter werden natürlich ebenfalls mit kleinem -in geschrieben: Plug-in-Problem, Call-in-Sendung. Nicht zu verwechseln ist die Kleinschreibung in Verbindung mit -in, wobei diese dann keine Substantive bilden: mega-in ist ein Adjektiv, das zum besseren Verständnis mit Bindestrich abgetrennt wird (anders, da transparent: megaschön). (07.05.2018)
  • videoüberwacht
    FotobeweisHeutzutage gibt es an vielen Orten Videoüberwachung. Orte, die mittels Überwachungskamera gefilmt werden, sind also videoüberwacht. Doch weshalb wird »videoüberwacht« nicht großgeschrieben? Ganz einfach: Es handelt sich um ein Adjektiv. Zwar steckt das Substantiv »Video« in dem Wort, aber 1. richtet sich die Groß- und Kleinschreibung stets nach der Wortart, und 2. wird die Wortart stets durch den letzten Wortbaustein (Morphem) bestimmt. Bei »video+überwacht« ist dies »überwacht« – ein Adjektiv wie auch fern+video+überwacht oder herz+erfreut oder herz+lich. Wegen des Gewichts der Wortart schreibt man übrigens auch groß, wenn ein Verb substantiviert wird: »Das Überwachen mittels Video.« (30.04.2018)
  • Leggins oder Leggings?
    FotobeweisNach diesen heißen Tagen wird es nun diese Woche wieder etwas kühler, man sollte deshalb vielleicht besser zusätzlich noch eine Leggins anziehen. Oder eine Leggings? Das Kleidungsstück – eine Art Strumpfhose ohne Füßlinge -, das überwiegend von der weiblichen Bevölkerung getragen wird, kann mit oder ohne »g« am Ende des Wortes geschrieben werden. Der Ausdruck stammt aus dem Englischen (leg ›Bein‹) und ist dort nur in der Schreibweise »leggings« korrekt. (23.04.2018)

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