Orthografie

Tipps für korrekte Rechtschreibung

Vermaiden Sie Fehla! Unsere Rechtschreibexpertin Christina Siever (correctura.com) räumt häufige Rechtschreibfehler auf leichte Weise aus und klärt über typische Zweifelsfälle auf. – Sie haben eine Frage zur Orthografie? Schreiben Sie ihr an orthografie@mediensprache.net.

  • Lecker, lecker, lecker
    Tetrapack mit Aufschrift "Der lekkere Schoko-Drink"Wer freut sich im Sommer nicht über ein gekühltes leckeres Getränk? Oder über leckeres Essen vom Grill? Alles, was im deutschen Sprachraum lecker ist, ist ›besonders wohlschmeckend‹, und in der Tat geht das Adjektiv auf das Verb lecken zurück. Speisen und Getränke können natürlich auch lecker aussehen oder lecker erscheinen, ohne lecker zu schmecken, und nur, weil lekker (im Niederländischen wird es so geschrieben!) oder lecker draufsteht, muss etwas natürlich noch lange nicht lecker schmecken. Während das Adjektiv im Deutschen hauptsächlich im gustatorischen Bereich verwendet wird, kennen die Niederländer auch een lekker babytje. Damit ist zwar gemeint, dass sie das Baby zum Fressen gernhaben, weil sie es ›süß‹ finden, aber wenn die Niederländer een lekker bad nehmen, probieren sie natürlich nichts vom Badewasser, sondern genießen einfach ihr wohliges Bad. Spätestens beim lekker weer, also beim herrlichen Wetter, dürfte klar geworden sein, dass im Niederländischen damit generell angenehme Dinge gemeint sind. Im Duden findet sich allerdings mit dem Vermerk Übertragung, bildlicher Gebrauch der Eintrag ein leckeres (nett anzusehendes) Mädchen, und Mädchen wiederum kann man ja tatsächlich auch zum Fressen gernhaben. (06.07.2020; Foto: Christina Siever)
  • Ein paar Wörter über ›gute‹ Worte
    Lachender Junge – durch ein Bonmot?Mit der Redewendung »Kultur ist, was der Metzger hätte, wäre er Chirurg« hat uns Conrad Singer ein Bonmot beschert, also ein ›geistreich-witziges Wort‹ – Wort deshalb, weil Bonmot eine Zusammenziehung (Univerbierung) von frz. bon ›gut‹ und mot ›Wort‹ ist. Ausgesprochen und geschrieben wird die Wortverbindung französisch, also [bõˈmoː]. Mit diesem Wissen sollte das orthografische Wort keine große Herausforderung mehr darstellen, aber wie steht es mit dem semantischen (also der Bedeutung)? »Kürze ist des Witzes Seele«, soll William Shakespeare einmal gesagt haben, doch meinte er damit Einwort-Witze? Handelt es sich bei Bonmots nur um Äußerungen, die aus einem einzelnen Wort bestehen? Selbst mit der Beherzigung der Anregung Mark Twains »Was Adjektive angeht: Im Zweifelsfalle streiche sie aus« sollte ein Bonmot immer noch aus mehreren Wörtern bestehen. Und das ist auch gänzlich unproblematisch: Ein Wort hat nämlich (mindestens) zwei Bedeutungen, ein ›einzelnes (lexikalisches) Wort‹ und die ›Äußerung‹ (man denke etwa an das »Wort Gottes«). Beide Bedeutungen finden in dem jüdischen Sprichwort »Man soll Worte wägen, nicht Wörter zählen« ihren Niederschlag, an dem erkennbar ist, dass der Plural im Regelfall die Bedeutung spiegelt (Wort1/Wörter [selten Worte] vs. Wort2/Worte). In der zweiten Bedeutung ist also das Bonmot und auch das dt. Pendant Scherzwort zu verstehen. — Wenn Sie jetzt denken, dass diese Trennung aber nicht immer sauber vorgenommen wird, dann liegen Sie nicht schlecht: Der berühmte Satz »Ein Bild sagt mehr als tausend Worte« sollte eigentlich Wörter enthalten. (29.06.2020; Foto: StockSnap)
  • Der Halbmast
    EU-Fahne auf halbmastDie Angelegenheit mit dem Halbmast ist nur auf den ersten Blick kompliziert. Wenn man eine Fahne auf einen Halbmast – oder halben Mast – setzen würde, würde sie tatsächlich ganz oben geflaggt (der Mast wird halbiert, dann aufgestellt und dann beflaggt). Gemeint ist jedoch, dass sie nur auf die halbe Höhe des Mastes (engl. eindeutiger half-mast) hinaufgezogen wird. Damit kann der *Halbmast also gar nicht großgeschrieben werden, da er in dieser Form als Substantiv gekennzeichnet wäre. Vielmehr handelt es sich um ein Adverb. Wenn Sie also schon bei der Überschrift gestutzt haben, sind Sie entweder ziemlich rechtschreibfit oder womöglich Seefahrer. In der Seemannssprache (oder politisch korrekter: Seeleutesprache) ist nämlich neben halbmast auch das Wort halbstocks gebräuchlich (irisch maide ›Stock‹), das über das -s am Ende die Deutung als Adverb recht nahelegt. Folglich setzt man Fahnen auf halbmast, wenn offiziell Trauer signalisiert werden soll, und eben nicht auf Halbmast. (22.06.2020; Foto: hkama)
  • Rost auf dem Rost
    Grillen auf dem RostSommerzeit ist Grillzeit. Hier kommen Würstchen, Rippchen, Fischfilets, Tofu, Gemüse und andere Leckereien auf den Rost. Ja, richtig: Ob mit dem Wort Rost korrodiertes Metall gemeint ist oder das (ebenfalls gern rostende) metallene Gitter, lässt sich nur über den Kontext oder weitere Wortbestandteile, nicht jedoch über das Genus ausdrücken. Sämtliche Rost-Arten – ob Bratrost, Lattenrost, Pflanzenkrankheit oder Eisenoxid – sind maskulin. Vermutlich geht die mitunter zu vernehmende Phrase […] auf das Rost auf den Gedanken an das Gitter zurück – oder gar auf den Wunsch, den schmachtenden Mitmenschen unmissverständlich klar zu machen, dass nicht der Rostfraß am Würschtl nagt, sondern das Grillgut den Feuerrost erreicht hat. Das schon im Althochdeutschen bekannte Wort bedeutete unschönerweise ›Rost; Scheiterhaufen; Glut‹; dessen Herkunft ist allerdings unklar. Abgeleitet ist hiervon das Verb rösten und aus der französischen Entsprechung rôtir die Restaurantgattung Rotisserie. Wohl bekannt ist aber die Herkunft des Rost-Schadens: Die Zersetzungsschicht hat ihren Namen von ihrer rötlichen Farbe erhalten. In diesem Sinne: Erst den Rost vom Rost, dann das Grillgut drauf. (15.06.2020; Foto: RitaE)
  • Heuer ohne Büffet
    Buffet oder BüfettDie großen Schulferien rücken näher und damit für viele der Sommerurlaub. So mancher dürfte hierbei an ein Hotel am Meer, viel Sonne und meterlange Büfetts denken. Doch dürfte sich ebenfalls vor dieses Bild ein großes Fragezeichen oder Coronavirus schieben, da es noch einige Unsicherheiten bezüglich der Reisemöglichkeiten gibt. Mit einiger Wahrscheinlichkeit dürfte es in Österreich keine Büffets, in der Schweiz keine Buffets und in Deutschland keine Büfetts geben. Wenn Sie nun denken, dass der Autor bezüglich der Schreibung hat vage bleiben wollen, dann haben Sie nicht ganz unrecht. Ursache hierfür ist allerdings die regionale Abhängigkeit sowie die Tatsache, dass alle Orthografien korrekt sind, wenngleich die österreichische nur dort gewählt werden sollte. Dabei ist sie die spannendste! Während bei Buffet die Schreibung von franz. buffet beibehalten worden ist, wurde bei Büfett die Orthografie stark ans Deutsche angepasst (mitunter auch artikulatorisch: [bʏˈfεt]). Büffet schließlich ist eine Mischung aus beidem: Das Doppel-⟨ff⟩ und einzelne ⟨t⟩ bewahrt die ursprüngliche Schreibung, der Umlaut ⟨ü⟩ stellt eine Anpassung (Assimilation) an die deutsche Orthografie dar, die beim ⟨et⟩ fehlt. Dem gegenüber steht eine Vielzahl an Aussprachevarianten – in der Schweiz etwa mit dem typischen Akzent auf der ersten Silbe: [ˈbʏfε]. Unsicherheit bei der Schreibung mag es also geben, eine der korrekten Varianten wird man aber schon erwischen. Einzig nicht erlaubt ist die Schreibung Büffett (vgl. ital. buffetto). Ob nun Büfett, Büffet oder Buffet – spätestens im Corona-Folgejahr wird es die kulinarischen Verführungskünstler wieder allerorts geben. (08.06.2020; Foto: MonikaP)

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