Orthografie

Tipps für korrekte Rechtschreibung

Vermaiden Sie Fehla! Unsere Rechtschreibexpertin Christina Siever (correctura.com) räumt häufige Rechtschreibfehler auf leichte Weise aus und klärt über typische Zweifelsfälle auf. – Sie haben eine Frage zur Orthografie? Schreiben Sie ihr an orthografie@mediensprache.net.

  • Ein Mundschutz kommt selten allein!
    Schaufensterpuppe mit einem handgenähten MundschutzAktuell wird überall diskutiert, ob Masken getragen werden sollten, und es wird vermutet, dass selbst genähte Masken andere Personen vor einer Infektion schützen. In Österreich gibt es eine Maskenpflicht beim Einkaufen, in Deutschland empfiehlt das RKI nun auch, selbst gebastelte Mundschutze zu tragen. Oder Mundschütze? Wir haben es hier mit einem Variantenphänomen zu tun, mit arealer Variation. Zunächst einmal kann festgestellt werden, dass der Plural dieses Wortes generell ungebräuchlich ist, alternativ kann man von Mundschutzmasken sprechen. Schütze als Mehrzahl von Schutz ist im Duden als besonders schweizerisch verzeichnet. Darüber hinaus scheint man die umgelautete Pluralform teilweise auch im süddeutschen Raum zu verwenden. Wenn man übrigens von Mundschutz spricht, sind medizinische Masken gemeint, die selbst hergestellten Masken werden Community-Masken, Behelfsmasken, DIY-Masken und Behelfs-Mund-Nasen-Masken genannt. (06.04.2020; Foto: Jessica Borges)
  • Lagerkoller
    Wutausbruch bzw. LagerkollerWer in diesen Tagen allzu viel im Homeoffice arbeitet oder gar unter Quarantäne steht, dem droht ein Lagerkoller. Eben dieses Wort prägt zurzeit die Berichterstattung über die Folgen der Isolierung. Die Schreibung dürfte nicht schwerfallen – doch was bedeuten eigentlich seine beiden Bestandteile? Mit Lager ist ›Unterkunft‹ gemeint, was vielfältig kombiniert werden kann: Trainingslager, Flüchtlingslager, Zeltlager, Ferienlager etc. Einen Koller hat, wer aufgrund der einschränkenden Lagergrenzen negative Emotionen zeigt, etwa Wut oder Zorn. Verarbeitet ist dies in Frischs Mein Name sei Gantenbein oder Fusseneggers Zeit des Raben, wo »sie der Koller des Alleinseins [überfällt], die wilde Lust, aus der Stadt auszubrechen«. Nicht ausbrechen kann man etwa auch aus einer Raumstation (Weltraumkoller) oder anderen engen Grenzen: Höhlenkoller, Höhenkoller, Bunkerkoller etc. Im Duden ist das Wort als umgangssprachlich ausgewiesen. Es geht zurück auf althochdeutsch kolero ›Wut‹, und wer hier schon ahnt, dass es – wie auch die epidemische Infektionskrankheit Cholera – auf griechisch-lateinisch choléra ›Gallenbrechdurchfall‹ zurückgeht, hat vollkommen Recht. Auf der sich herausbildenden Bedeutung ›galliges Temperament, Zornesausbruch‹ basiert übrigens auch das Wort cholerisch: hier allerdings immer noch mit ⟨ch⟩ geschrieben. Ein Trost zum Abschluss: besser eine Wahl zwischen Koller und Corona als zwischen Pest und Cholera. (30.03.2020; Foto: Tikwa)
  • Homeoffice
    Arbeit im HomeofficeHeimarbeit, Arbeit von Zuhause, Arbeit am heimischen Arbeitsplatz – für die Arbeit in den eigenen vier Wänden gibt es eine Vielzahl an Bezeichnungen. Zurzeit ist vor allem das Homeoffice beliebt, in das vom Coronavirus bedrohte Arbeitskräfte geschickt werden. Gemeint ist damit allerdings nicht die Arbeit als solche, sondern der Arbeitsort. Homeoffice arbeiten ist folglich eine unzulässige Phrase, korrekt hingegen ist im Homeoffice arbeiten oder vom Homeoffice aus arbeiten. Dank Vernetzung ist das heimische Büro heutzutage auch außerhalb von Coronazeiten keine Seltenheit mehr: Zahlreiche Business-Tools und die Anbindung ans Unternehmensnetz (mittels VPN) ermöglichen die Arbeit in kleinen und großen Teams, was nebenbei auch noch die Umwelt schont. Hinsichtlich der Schreibweise kann man wählen zwischen der mit und ohne Bindestrich: Homeoffice vs. Home-Office, das Gleiche gilt für Homeschooling vs. Home-Schooling. Die Getrenntschreibung wie bei Fake News jedoch ist für die beiden genannten Wörter nicht möglich. Anders als im Englischen, wo komplexe Wörter (Komposita) häufig getrennt geschrieben werden, dürfen im Deutschen selbst Wörter wie Verkehrsinfrastrukturabgabe kein Leerzeichen enthalten. Vor dem Hintergrund ihrer Länge werden solche Wörter übrigens auch Bandwurmwörter genannt … ja, Bandwürmer haben ebenfalls Wirte und sind (nicht-viral) übertragbar, Bandwurmwörter sind jedoch gänzlich ungefährlich. (23.03.2020; Foto: Free-Photos)
  • Quarantäne
    Segelschiff auf rauher SeeWomöglich können auch Sie Wörter wie COVID und Quarantäne nicht mehr hören, doch ist ein sprachlicher Blick auf Letzteres durchaus lohnenswert! Wie Quark, quetschen und quengelig handelt es sich auch bei Quarantäne um ein Wort, das mit ⟨qu⟩ und nicht mit ⟨k⟩ geschrieben wird, obwohl alle Wörter mit dem Laut [k] beginnen. Während bei den anderen Wörtern ein [v] folgt: [kvark], schließt sich bei Quarantäne direkt der Vokal an; nur selten wird fälschlicherweise ein [u] ›eingeschleust‹: [kua…]. Das [u] ist der Schreibung geschuldet, entbehrt allerdings einer Grundlage, was die Herleitung zeigt, die perfekt als Eselsbrücke taugt: Das Wort, das im 17. Jahrhundert von frz. quarantaine entlehnt worden ist, geht auf quarante ›vierzig‹ zurück. Dass die französische Vier mit ⟨qu⟩ geschrieben wird, dürfte ebenso bekannt sein wie die Aussprache nur mit [k]. Doch worin besteht eigentlich die Verbindung zwischen der 40 und der Isolierung von Menschen? Quarante spielt auf eine Zeitspanne von ›vierzig (Tagen)‹ an, während der die pestverdächtigen Matrosen an Bord ihres Schiffes verbleiben mussten, bevor sie den Hafen betreten durften – um also eine bakterielle Unversehrtheit zu belegen. Zwar sind es heute keine 40 Tage mehr, die eine Quarantäne umfasst (bei COVID-19 sind es 14), doch hilft die Erinnerung an die quarante, das Wort Quarantäne korrekt schreiben – und aussprechen – zu können. (16.03.2020; Foto: ArtTower)
  • Abseits dieser Welt
    Axt im WaldeHinterwäldler sind eine besondere Spezies, die sich als ›weltfremd‹ beschreiben ließe. Und mit der Eigenschaftsumschreibung ist das Problem auch schon benannt: Handelt es sich bei dieser ›Gattung‹ um Hinterweltler, die ›hinter der Welt‹, also abseits der hiesigen Welt leben, oder werden damit Hinterwäldler bezeichnet, die nicht etwa schon im nächsten Wald, sondern in noch viel größerer Wildnis leben, als dies der nächstgelegene Wald bedingen würde? Da die zivile Raumfahrt noch in den Kinderschuhen steckt, ist Letzteres wahrscheinlicher. Sicherheit liefert schließlich ein Blick auf die Herkunft: Als backwoodsman wurde ein Ansiedler im Osten Nordamerikas jenseits des Alleghenygebirges verspottet, der folglich allzu weit von der Zivilisation entfernt wohnte. In solchen Lehnwortfällen spricht man von Lehnübersetzungen (wie Wolkenkratzer von ebenfalls engl. skyscraper). Anders als das humorvolle Wort für ein Hochhaus sollte das wenig schmeichelhafte Wort Hinterwäldler nur in wohl überlegten Fällen gebraucht werden – vermutlich ohnehin eher in Abwesenheit der so bezeichneten Person. (09.03.2020; Foto: stevepb)

Ihre Meinung

Kommentare zu dieser Seite