Orthografie

Tipps für korrekte Rechtschreibung

Vermaiden Sie Fehla! Unsere Rechtschreibexpertin Christina Siever (correctura.com) räumt häufige Rechtschreibfehler auf leichte Weise aus und klärt über typische Zweifelsfälle auf. – Sie haben eine Frage zur Orthografie? Schreiben Sie ihr an orthografie@mediensprache.net.

  • Tiptop ist nicht tipptopp
    FotobeweisUm es vorwegzunehmen: Es ist auch uns ein Rätsel! Aber beginnen wir vorne: Selbst in der Schweiz gilt tipptopp laut Duden als »umgangssprachlich« – und das, obwohl es dort viel gebräuchlicher ist als in Deutschland oder Österreich. Womöglich ist die Klassifizierung auch dafür verantwortlich, dass die Schreibung so außergewöhnlich ist. Denn nicht tiptop ist korrekt, sondern zwei Doppel-p, also tipptopp. Warum? ... Ja, warum eigentlich? In der Regel hilft ein Blick in die Geschichte (und zur Herkunft) weiter, doch da müssen wir Sie enttäuschen: Entlehnt ist das Wort aus dem Englischen, wo es tiptop geschrieben wird, denn top bedeutet ›höchst, oberst‹ und tip ›Spitze‹, also ›höchst spitze, tadellos‹. Und nun wird's richtig konfus: top wurde auch isoliert ins Deutsche entlehnt, mit einem p: Er ist top frisiert. Die Doppel-p-Schreibung muss folglich an tip liegen; doch hier gibt es im Deutschen nur den Tipp, der mit der Spitze nichts zu tun hat, sondern von engl. tip ›anstoßen, leicht berühren‹ kommt – es gibt ja auch schlechte Tipps. War das einer? Na, zumindest wissen Sie nun, wie man tipptopp schreibt – eben erstaunlicherweise nicht tiptop! (16.07.2018)
  • Bayerisch, bayrisch oder bairisch?
    FotobeweisBei vielen stehen die Sommerferien vor der Tür oder sie haben bereits begonnen. Warum also nicht nach Bayern fahren, in den Bayerischen Wald zum Beispiel? Dort kann man bayrische Trachten bewundern, den Bayerischen Rundfunk und somit den bairischen Dialekt hören. Bayerisch, bayrisch und bairisch in einem Satz? Das Adjektiv zu Bayern lautet »bayerisch« oder »bayrisch«. Die erstgenannte Variante wird in der Standardsprache und bei offiziellen Namen bevorzugt: die bayerische Regierung. Großgeschrieben wird das Adjektiv, wenn es Bestandteil eines geografischen Namens ist: »die Bayerischen Alpen«. »Bairisch« schließlich bezieht sich auf den Dialekt resp. die Sprache, die sowohl in Bayern als auch in Österreich gesprochen wird. (09.07.2018)
  • Einzigst ist einzig falsch
    Fotobeweis»Das einzigste, was die deutsche Nationalelf tun kann, ist nach Hause fahren.« Diesen Satz dürfte man nach dem Vorrunden-Aus in Russland zuhauf hören. Auch wenn man der Alternativlosigkeit besonderen Ausdruck verliehen möchte: Mit einem doppelten Superlativ ist dies zumindest nicht möglich. Zwar zeichnet Adjektive aus, dass sie steigerbar sind, doch ist dies bei einzig logisch ausgeschlossen, da sich eine Singularität nicht weiter reduzieren lässt. Damit ist einzigste zwar ausgeschlossen, nicht jedoch der Ausdruck der Verstärkung bzw. der von unendlicher Kleinheit – sagen Sie doch einfach »das einzig und alleinige«. Ebenfalls nicht möglich ist übrigens die Steigerung von Adjektiven mit best-/größst-. Auch hier ist der Superlativ schon enthalten (gut – besser – best(en)), was Formen wie *bestspielendst oder *größtmöglichst ausschließt. (02.07.2018)
  • Olé! ¡Olé! Allah!
    FotobeweisWas hat der weltberühmte Ausruf olé denn bitte mit Allah zu tun? Aber stellen wir die Frage erst einmal zurück und sagen etwas über die unmittelbare Herkunft von olé: Das Wort haben wir direkt aus dem Spanischen übernommen. Es ist dort ein Ausruf bei sportlichen Veranstaltungen wie Stierkampf, Flamenco oder – natürlich – Fußball und bedeutet ›los!, auf!, hurra!‹. Insbesondere beim Fußball hat sich olé ein- oder mehrfach (olé – olé, olé, olé) als Standard bei Fußball-Fangesängen durchgesetzt. Den Akzent haben wir beibehalten – das für das Spanische typische umgedrehte Ausrufezeichen vor dem Ausruf nicht nur aufgrund seiner Exotik nicht – es gehört nicht zum Wort, sondern zur Interpunktion, die grundsätzlich nicht übernommen wird. Im Spanischen wird das principio de admiración bzw. de interrogación übrigens angewendet, um einen Ausrufe- oder Fragesatz einzuleiten; dies gibt wertvolle Hinweise auf die korrekte Aussprache (Intonation), da im Spanischen nicht über die Satzstellung klar ist, ob es sich um eine Aussage oder Frage handelt (puedo cantar). Und was hat es nun mit Allah auf sich? Im Großen Fremdwörterbuch (Duden) wird als Herkunft für das span. olé das arab. wa-'llāh(ɪ̲) ›bei Gott‹ angegeben. Dazu passt, dass auch das Arabische umgedrehte Satzzeichen kennt. (25.06.2018)
  • Public Viewing
    Fußball auf Spielfeld, WM 2018 RusslandEndlich ist es soweit! Überall gibt es jetzt wieder öffentliche Liveübertragungen der Fußballspiele auf Großleinwänden im Freien! Wie nennt sich dies nochmal auf Neudeutsch? Genau: Public Viewing. Der Ausdruck hat sich im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 als Neologismus in der deutschen Sprache etabliert und steht seit 2007 im Duden. Seit 2011 schließlich findet man dort ebenfalls das umgangssprachlich-saloppe Synonym Rudelgucken. Der stilistisch neutrale Ausdruck Public Viewing wird im Deutschen groß- und ohne Bindestrich geschrieben. (18.06.2018)

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