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»Probleme der deutschen Sprache«: »Im Urlaub« oder »in Urlaub«?

Porträt Otto Ludwig (2015)Wir befinden uns inmitten der Urlaubszeit. Bis man die ersten Vorbereitungen trifft, Bekannte und Verwandte wissen wollen, von wann bis wann man fort sein wird – und wohin? – und an den Geschäften sich Hinweise finden derart, dass das Geschäft von dann bis dann geschlossen sei: »Bin im Urlaub« lautet dann die Begründung. Oder auch: »Bin in Urlaub«. Ist es egal, was man sagt, oder unterscheiden sich beide Ausdrücke in der Bedeutung?

Nicht nur in der Verbindung mit dem Verb sein hat man die Wahl, sondern auch in der Verbindung mit fahren: »Ich fahre in Urlaub« bzw. »Ich fahre im Urlaub Fahrrad«. In der Verbindung mit fahren sind die Verhältnisse klarer und darum beginne ich mit ihnen.

»In Urlaub fahren« oder »im Urlaub fahren«?

Im ersten Fall liegt der Akzent auf fahren, im zweiten auf im Urlaub. Eine solche Feststellung ist nicht belanglos. Denn die lautlichen Qualitäten gehören zur Form eines Ausdrucks und, wenn zwei Ausdrücke sich in der Form unterscheiden, dann ist damit meist auch ein inhaltlicher Unterschied verbunden.

»In Urlaub fahren« ist die verkürzte Form von »in den Urlaub fahren«. Ohne Artikel ist der Ausdruck schon fast eine feste Verbindung, wie Fahrrad fahren, Ski fahren usw. In beiden Fällen bedeutet der Ausdruck: ›sich auf Reisen zu begeben, nicht um einer Arbeit nachzugehen oder einen Auftrag zu erfüllen, sondern um das alles hinter sich zu lassen, sich zu erholen, Abenteuer zu erleben, seinen Interessen nachzugehen‹ – kurz: ›um Urlaub zu machen‹. Grammatisch gesehen ist »in Urlaub« (oder »in den Urlaub«) das Objekt im Satz. Es reicht aus, um mit dem Verb fahren einen Satz zu bilden: »Andere fahren (drei Mal pro Jahr) in Urlaub. Das kann ich mir dann nicht mehr leisten.«

Mit »im Urlaub« hingegen kann man nicht einen Satz bilden: »Ich fahre im Urlaub« ist kein Satz, allenfalls der Anfang eines Satzes. Damit daraus ein Satz wird, müsste gesagt werden, was man fährt oder wohin man fährt: »Ich fahre im Urlaub in die Schweiz.« Ein anderes Beispiel: »Bist du Fahrrad gefahren?« »Nein. Ich fahre im Urlaub.« Hier wird das Objekt (Fahrrad) aus dem Kontext gedanklich ergänzt. »Im Urlaub« ist eine Zeitangabe – wie etwa »im Sommer«. Grammatisch würde man von einer Umstandsbestimmung der Zeit oder einem Adverbial sprechen. Eine solche Angabe kann ein Objekt nicht ersetzen, sondern teilt mit, zu welchem Zeitpunkt etwas geschehen ist.

»Im Urlaub sein« oder »in Urlaub sein?

In vielen Fällen kommt der Bedeutungsunterschied nicht zum Tragen. In einem Satz wie: »Es tut uns leid, dass Sie so lange auf einen Termin warten müssen, aber viele unserer Mitarbeiter sind im Urlaub« könnte man im Urlaub durch in Urlaub ersetzen, denn egal, ob der Mitarbeiter Ferien hat oder seinen ihm zustehenden Urlaub angetreten hat, er arbeitet nicht (nach Kubczak).

In anderen Fällen kann die Bedeutung unterscheiden. Wenn ich jemandem versichere: »Ich war in Urlaub in Paris«, dann teile ich ihm einmal mit, dass ich von meinem Recht auf Urlaub Gebrauch gemacht habe und darum nicht zuhause war (»Ich war in Urlaub«). Darüber hinaus gebe ich ihm zu verstehen, dass ich den Urlaub in Paris verbracht habe, und zwar ganz. Diese Präzision lässt ein Ausdruck wie »Ich war im Urlaub in Paris« vermissen. Denn er kann durchaus auch so verstanden werden, dass ich im Urlaub für ein paar Tage in Paris war, ihn aber im Übrigen zuhause verbracht habe.

Schließlich gibt es Fälle, in denen die beiden Ausdrücke nicht ausgewechselt werden können. »Im Urlaub war ich krank« ergibt Sinn. In einem solchen Satz kann »im Urlaub« nicht durch »in Urlaub« ersetzt werden.

Zusammenfassend könnte man sagen: Das Wort Urlaub bedeutet – nach Grimm – ›die zeitweilige Entbindung vom Dienst‹, d. h. in einem Arbeitsverhältnis die Entbindung von der Verpflichtung zu arbeiten, aber immer nur für einen begrenzten Zeitraum. Da die Definition aus zwei Teilen besteht, kann ich den Akzent einmal auf die Entbindung von der Arbeit legen, ein anderes Mal auf den Zeitraum, in dem die Entbindung gilt. Kommt es darauf an zu sagen, dass ich zurzeit von der Verpflichtung zu arbeiten entbunden bin und Ferien mache, dann legt es nahe zu sagen: »Ich bin in Urlaub«. »In Urlaub« bezeichnet also einen Zustand. Hebe ich dagegen ab auf die Zeit, für die ich von der Arbeit entbunden bin, dann wäre »Ich bin gerade im Urlaub« angemessen. »Im Urlaub« bezeichnet also die Zeitspanne, in der ich von meinem Recht auf Urlaub Gebrauch mache.

Quelle: Jacqueline Kubczak, »In Urlaub oder im Urlaub? – Artikellos oder Verschmelzung von Artikel und Präposition. https://www.ids-mannhein.de/grammis (03.08.2020)

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Otto Ludwig

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