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»Probleme der deutschen Sprache«

Porträt Otto Ludwig (2015)

Miszellen von Prof. Dr. Otto Ludwig† zu den »Problemen der deutschen Sprache« – alle 14 Tage ein neuer Beitrag.


  • »Da« oder »weil«? (26.10.2020)
    Bleibt es einem freigestellt, für welche Konjunktion man sich entscheidet? Unterscheiden sich beide in ihrer Bedeutung? Oder gibt es Fälle, in denen entweder nur die eine oder nur die andere verwendet wird? 1. Einigermaßen klar ist der Gebrauch von weil. Aufschlussreich sind in dieser Hinsicht die Fälle, in denen weil so gut wie immer und da so gut wie gar nicht gebraucht wird. [...] mehr
  • Ist der Dativ wirklich dem Genitiv sein Tod? (12.10.2020)
    Es ist noch nicht allzu lange her, da hat ein Journalist mit dem Titel mehrerer Bücher Furore und vermutlich auch viel Geld gemacht: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod: Bastian Sick, Autor der Kolumne »Zwiebelfisch«, bekannt auch durch seine Auftritte im Fernsehen. Dazu nur dies vorweg. Weder ist der Genitiv tot, noch gibt es irgendeinen Anlass anzunehmen, dass er in absehbarer Zeit das Zeitliche segnen könnte. [...] mehr
  • Der Regenwurm (28.09.2020)
    Eine Mandeltorte ist eine Torte mit Mandeln. Und was ist eine Herrentorte? Oder etwas makabrer: Ein Schweineschnitzel ist ein Schnitzel vom Schwein. Und was ist dann ein Jägerschnitzel? Die Kaffeemühle ist eine Mühle, mit der Kaffee gemahlen wird. Und was, fragt der bekannte Stilkritiker Wolf Schneider, ist eine Windmühle? Natürlich nicht eine Mühle, mit der Wind gemahlen wird. [...] mehr
  • »Nicht brauchen« ohne »zu« gebrauchen (14.09.2020)
    In meinem Artikel zur Bedeutung des Wortes eigentlich) findet sich der Satz: »Sie hätten mich eigentlich nicht anrufen brauchen«. Ein Leser ist über diesen Satz gestolpert und hat sich gefragt, ob der Satz überhaupt grammatisch richtig ist. Richtig müsse es doch heißen: »Sie hätten mich eigentlich nicht anzurufen brauchen«. [...] mehr
  • Die sogenannten Füll-, Flick- und Schaltwörter (31.08.2020)
    Goethe soll in seinem Arbeitszimmer eine Liste mit etwa 50 Wörtern aufgehängt haben, die zu meiden er sich vorgenommen hatte. Ob das stimmt, mag dahingestellt sein. Tatsache ist, dass er 1817 in einer Zeitschrift eine Liste von Wörtern veröffentlicht, »welche der Schriftsteller vermeidet, sie jedoch dem Leser beliebig einzuschalten läßt«. [...] mehr
  • Die Odyssee eines Buchstabens – das unnütze ⟨Y⟩ (17.08.2020)
    In unserem Alphabet findet sich ein Buchstabe, der sich wie kein anderer Buchstabe ausnimmt. Es handelt sich um den drittletzten: das Ypsilon, geschrieben als Großbuchstabe ⟨Y⟩ und als Kleinbuchstabe ⟨y⟩. In vieler Hinsicht eine Ausnahme unter den übrigen Buchstaben. Ich führe nur drei an: 1. Alle anderen Buchstaben des Alphabets lassen sich entweder nur als Bezeichnung für einen Vokal oder einen Konsonanten bestimmen. [...] mehr
  • »Im Urlaub« oder »in Urlaub«? (03.08.2020)
    Wir befinden uns inmitten der Urlaubszeit. Bis man die ersten Vorbereitungen trifft, Bekannte und Verwandte wissen wollen, von wann bis wann man fort sein wird – und wohin? – und an den Geschäften sich Hinweise finden derart, dass das Geschäft von dann bis dann geschlossen sei: »Bin im Urlaub« lautet dann die Begründung. [...] mehr
  • Probleme mit dem Wort »Mädchen« (20.07.2020)
    Probleme mit dem Wort Mädchen gibt es in unserer Sprache gleich zweimal: einmal hinsichtlich der Bildung und dann noch einmal in Bezug auf die Bildung von Texten. Um die Bildung des Wortes zu begreifen, muss man etwas ausholen. Alle Menschen, ob groß oder klein, jung oder alt, männlich oder weiblich, fassen wir in dem Begriff Mensch zusammen. [...] mehr
  • »Postfaktisch« – das Wort des Jahres 2016 (06.07.2020)
    Die Redaktion des Oxford English Dictionary, des maßgebenden Wörterbuchs der englischen Sprache, wählte im November 2016 zum internationalen Wort des Jahres 2016: »post-truth«, wörtlich übersetzt ›nach der Wahrheit‹. Einen Monat später, im Dezember 2016, wählte in Deutschland die Gesellschaft für deutsche Sprache »postfaktisch« zum Wort des Jahres 2016, in Analogie zum Englischen: ›nach den Fakten‹, ein Wort, das viele Deutsche noch nicht einmal zur Kenntnis genommen hatten. [...] mehr
  • Drei Weisen, »sozusagen« zu verwenden (22.06.2020)
    Dem Kolumnisten Harald Martenstein ist aufgefallen, dass in dem Fernsehduell zwischen Angela Merkel und Peer Steinbrück die Kanzlerin siebenmal sozusagen gebraucht hat, Steinbrück aber kein einziges Mal: »Merkel äußerte, zur Lage in Griechenland, sozusagen Bedauern, forderte den amerikanischen Geheimdienst auf, Informationen sozusagen herauszurücken, und erwähnte, dass Deutschland bei etwas sehr Schönem, das ich vergessen habe, sozusagen die höchste Steigerungsrate besitzt. [...] mehr
  • Überhaupt – ein verkanntes Wort (08.06.2020)
    Bei der Abfassung eines Artikels ist mir aufgefallen, dass ich mehrfach das Adverb überhaupt gebraucht hatte. Mir war aber nicht klar, was ich mit ihm zum Ausdruck bringen wollte, wann ich auf es zurückgriff und was es bedeutete. Die Form des Wortes lässt keinen Rückschluss zu. Es handelt sich um eine Zusammenrückung einer Präposition (der Präposition über) mit einem Substantiv (dem Substantiv Haupt). [...] mehr
  • Ein unmöglicher Superlativ (25.05.2020)
    Ein bekanntes Sprichwort besagt, dass »nicht sein kann, was nicht sein darf«. Im alltäglichen Leben mag es so sein, wenn auch Zweifel angebracht sind. In der Sprache jedoch gelten andere Regeln. Hier ist etwas durchaus üblich, auch dann, wenn es eigentlich nicht sein dürfte. Das Adjektiv einzig bezeichnet eine Eigenschaft, die nur einmal vorhanden ist. [...] mehr
  • Die ganzen Anschlusszüge (11.05.2020)
    Ich erinnere mich an unsere letzte Urlaubsreise von Hannover nach Toblach in Italien. Zweimal mussten wir umsteigen, einmal in München und ein anderes Mal in Franzensfeste. Der Zugwechsel in München war unproblematisch, aber der in Franzensfeste stand auf dem Spiel: Unser Zug hatte sich erheblich verspätet. In dieser Situation ertappte ich mich bei dem Satz: »Wenn der Zug weiter so bummelt, kriegen wir die ganzen Anschlusszüge nicht mehr. [...] mehr
  • Was die Birkenblätter tun? (27.04.2020)
    »Ich werde ins Grab sinken, ohne zu wissen, was die Birkenblätter tun. Ich weiß es, aber ich kann es nicht sagen. Der Wind weht durch die jungen Birken; ihre Blätter zittern so schnell hin und her, daß sie ... was? Flirren? Nein, auf ihnen flirrt das Licht; man kann vielleicht allenfalls sagen: die Blätter flimmern ... aber es ist nicht das. Es ist eine nervöse Bewegung, aber was ist es? [...] mehr
  • Wo uns die Worte fehlen (13.04.2020)
    Der Bedarf an neuen Wörtern ist riesengroß. In einer so schnelllebigen Welt wie der unsrigen kann die Sprache kaum noch Schritt halten mit der Entwicklung neuer Dinge, neuer Technologien und neuer Ideen. Aber nicht nur die neuen Entwicklungen setzen uns unter Druck. Auch im vorhandenen Wortschatz finden sich allenthalben Lücken. Ich habe mein Leben lang im Bereich der geschriebenen Sprache gearbeitet und hatte meine liebe Not, eine für das Lesen entsprechende Bezeichnung für das Mündliche zu finden. [...] mehr
  • Kohle machen, sammeln und anderes (30.03.2020)
    Auf glühenden Kohlen sitzen Wer auf glühenden Kohlen sitzt, dem rennt die Zeit davon. Er wartet auf etwas, das nicht eintritt, obwohl es schon längst hätte eintreten müssen. Das macht ihn ungeduldig und besorgt, weil es, wenn es nicht mehr eintreten sollte, unangenehme Folgen haben könnte: »Beim Wahltag saßen wir alle wie auf glühenden Kohlen und warteten auf die erste Hochrechnung. [...] mehr
  • Hat »Anmut« etwas mit »Mut« zu tun? (16.03.2020)
    In einem Leserbrief bin ich gefragt worden, was Anmut mit Mut zu tun habe. Dem Leserbriefschreiber möchte ich mit einem ganzen Artikel antworten. Der Artikel besteht aus zwei Teilen. Im ersten Teil lautet die Antwort: nichts, im zweiten: sehr viel. Die Bedeutungen heute Schaut man nur auf die Bedeutungen, die heute Gültigkeit haben, dann fällt die Antwort negativ aus. [...] mehr
  • Willkommenskultur (02.03.2020)
    Ich muss gestehen, irgendetwas stört mich an diesem Wort. Ich gebrauche es nicht. Ist es eine Assoziation, die mir nicht gefällt? Oder passt das eine nicht zum anderen? Kann man überhaupt aus einem Willkommen eine Kultur machen? Ich weiß es nicht, möchte es aber gerne wissen. Der Begriff der Kultur ist im Deutschen nicht eindeutig. [...] mehr

Otto Ludwig

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