Linguistik

Was ist Grammatik?

El Lingo - Tutor und ein wenig oberlehrerhaft. ;-)

Obgleich wir alle ein Alltagsverständnis von Grammatik haben, ist eine genaue Definition des Begriffs nicht trivial. Abgeleitet vom griechischen γραμματική τέχνη, (grammatikē technē 'Kunst des Lesens und Schreibens', von γράμμα, gramma, 'Geschriebenes, Buchstabe') kann der Begriff Grammatik heute unterschiedlich definiert werden:

  1. als Regelsystem, das einer Sprache zugrunde liegt.
  2. als Wissenschaft, die dieses Regelsystem beschreibt oder Regeln definiert.
  3. als Lehrbuch, in dem diese Regeln wiedergegeben werden (vgl. Duden-Grammatik, IDS-Grammatik usw.).

Das Regelsystem einer Sprache lässt sich beschreiben als endliche Menge von Lexemen oder Morphemen (Lexikon), die durch eine endliche Menge an Regeln (Grammatik) in Relation zueinander gesetzt werden und so grammatische – also dem Regelwerk entsprechende – Ausdrücke generieren. Durch rekursive Funktionen könnte theoretisch eine unendliche Menge an Ausdrücken hervorgebracht werden. Beeinflusst durch die Tradition der Generativen Grammatik liegt der Fokus der Grammatik auf der Form sprachlicher Äußerungen und nicht auf deren Aussage, Wahrheitsgehalt oder Funktion innerhalb der Kommunikation.

Sprachliche Regelsysteme werden von Linguisten anhand von Sprachdaten erforscht und beschrieben. Die deskriptive Linguistik beschreibt sprachliche Strukturen, wie sie zu einem bestimmten Zeitpunkt von einer empirischen Sprachgemeinschaft akzeptiert werden. Sie geht von dynamischen Sprachentwicklungsprozessen aus.
Präskriptive oder normative Grammatiken dagegen geben Regeln für den gepflegten Sprachgebrauch vor. Ausdrücke außerhalb dieses Systems werden als ungrammatisch und damit als nicht korrekt und inakzeptabel angesehen, auch wenn sie innerhalb der Sprachgemeinschaft vorkommen und verstanden werden.
Der präskriptive Ansatz hat eine lange Tradition, im wissenschaftlichen Bereich ist jedoch der deskriptive Ansatz heute verbreiteter.

Grammatikbetrachtung kann synchron und diachron betrieben werden. Während synchrone Zugänge versuchen, eine genaue Beschreibung einer heutigen Sprache auf ihrem aktuellen Stand als Momentaufnahme zu liefern, bemühen sich diachrone Zugänge um die Erforschung von Grammatikalisierungsprozessen im Wandel der Zeit.

Die Grammatik wird als Teilgebiet der allgemeinen Linguistik verstanden. Der klassische Grammatikbegriff untergliedert sich in die Lehre vom Wort und die Lehre vom Satz. Heute ist die Bezeichnung der Teilgebiete als Morphologie und Syntax gebräuchlicher.

Grammatik

Die Bereiche der Phonetik und Phonologie werden in einigen Grammatiken behandelt, während andere diese als der eigentlichen Grammatik vorgeschaltet betrachten, da sie sich nicht mit Morphemen und deren Kombinationsmöglichkeiten befassen. Fragen der Semantik und Pragmatik finden heute wieder mehr Beachtung im Bereich der Grammatik, werden aber in den meisten Einführungen als separate Themenkomplexe behandelt. Man kann aber davon ausgehen, dass sich die unterschiedlichen Teilgebiete der allgemeinen Linguistik gegenseitig beeinflussen und die Grenzen zwischen den einzelnen Bereichen fließend sind.

Unterschiedliche Grammatikmodelle stellen verschiedene Versuche dar, die Prinzipien, die den Sprachen zugrunde liegen zu definieren. So geht die Generative Grammatik z.B. von dem Menschen angeborenen und allen Sprachen gleichen Grundprinzipien aus (Universalgrammatik), durch welche Ausdrücke einer Standardsprache generiert werden können, während funktionale Modelle auf die Funktion sprachlicher Ausdrücke in der empirischen Welt fokussieren und konstruktionsgrammatische Ansätze die Bedeutung einzelner Bausteine eines Sprachsystems in den Vordergrund rücken. Die unterschiedlichen Modelle stehen in Konkurrenz zueinander. Eine einzige und allgemein akzeptiert Lehrmeinung gibt es nicht.

Steigen Sie näher ein!

Nähere Informationen zu den besprochenen Bereichen finden Sie hier:

Was ist Syntax?

Was ist Morphologie?


Netaya Lotze

Ihre Meinung

Kommentare zu dieser Seite