Lexikon

Kleines linguistisches Wörterbuch

Es konnten insgesamt folgende 173 Einträge zu dem von Ihnen gewählten Wortanfang a gefunden werden:

Abbreviation, Abkürzung, die ein Wort geschrieben verkürzt wiedergibt, aber voll ausgesprochen wird. Beispiel: mm für Miilimeter, cm für Zentimeter, Dr. für Doktor
s. auch → Kurzwort, → Wortbildung

Abduktion, eine, aus einer beobachteten Einzel- und einer allgemeingültigen Aussage geschlussfolgerte, (hypothetische) Einzelaussage. Beispiel: Fritz ist sterblich - Alle Menschen sind sterblich - (Hypothese) Fritz ist ein Mensch
s. auch → Deduktion, → Induktion

Abessiv, Kasus, zum Beispiel in finnougrischen Sprachen vorkommend, mit der Bedeutung "Nichtvorhandensein" (Abessiv aus lateinisch "abesse": abwesend, nicht da sein).
s. auch → Kasus, → Inessiv, → Lokativ, → Adessiv

Abglitt, bezeichnet die Endphase bei der Bildung eines Sprachlautes. In der Vorstellung der frühen Experimentalphonetiker war dies der Übergang von der Haltephase eines Lautes in die Ruhelage oder zum nächsten Laut hin. Parallel hierzu kennzeichnet der Anglitt die schnelle Bewegung der Artikulationsorgane hin zur spezifischen Position des entsprechenden Sprachlauts, also die Eröffnungsphase.
s. auch → Anglitt

Abkürzung (auch: Akronym, Kurzwort, Buchstabenwort, Initialwort), die Kurzform von Ausdrücken, die mit Bezug auf die Sprachform gebildet werden. Sie werden flektiert und durch einen Punkt abgeschlossen. Die meisten Abkürzungen sind Akronyme. Beispiel: "LKW" für Lastkraftwagen
s. auch → Akronym, → Abbreviation, → Kurzwort

Ablativ, Kasus, dessen Kasusbedeutung nicht genau einzugrenzen ist, mit vorwiegend adverbialen Funktionen. Der Ablativ, der in vielen Sprachen vorkommt (unter anderem im Lateinischen und Ungarischen) kann Angaben zum Ort, zur Art und Weise oder zur Zeit beinhalten.

Ablaut (auch: Apophonie), Begriff zur Bezeichnung der morphologisch geregelten Vokalalternation in Flexion und Wortbildung. Beispiel: Tempusbildung: singen, sang, gesungen; Wortbildung : Hahn - Huhn
s. auch → Ablautreihe

Ablautreihe, systematische Klassifikation der germanisch starken Verben nach ihrem Ablautverhalten.
s. auch → Ablaut, → Flexion

Ableitung (auch: Derivation), Wortbildung mit Hilfe von Affixen, die dem Stamm entweder vorangestellt oder angefügt werden. Zu unterscheiden sind a.) Präfigierung (das Wortbildungsaffix geht dem Stamm voraus), b.) Suffigierung (das Affix folgt dem Stamm). Beispiel: Miss-mut, er-leiden, mut-ig, freund-lich, Ehr-ung
s. auch → Affix, → Suffix, → Präfix, → Wortbildung

Ableitungsaffix (auch: Derivationsaffix; Derivationsmorphem), Wortbildungselement wie zum Beispiel "-lich"," -bar", "un-", mit dem aus einem Wortstamm (Ableitungsbasis) durch Anhängen bzw. Voranstellen ein neues Wort (Ableitung) gebildet und zugleich die Wortart dieses neuen Wortes bestimmt wird. Beispiel: "Wissen"zu "Wissen-schaft", "Lust"zu "lustig"
s. auch → Affix, → Ableitung, → freies Morphem, → Ableitungsbasis

Ableitungsbasis, jener Wortteil (Wort, Morphem oder Morphemkombination), aus dem durch Anfügen/Voranstellen eines Affixes eine Ableitung gebildet wurde. Beispiel: "rein" in "reinlich", "sauber" in "Sauberkeit"
s. auch → Affix, → Ableitung, → freies Morphem, → Ableitungsaffix

Abruptiv (auch: Ejektiv), konsonantischer Sprachlaut, der beim Ausatmen mit geschlossener Stimmritze (Glottis) durch plötzliche Lösung des Oralverschlusses gebildet wird. Laute dieser Art sind in etwa 20 Prozent aller Sprachen vorhanden, unter anderem in Indianer-, afrikanischen und kaukasischen Sprachen.
s. auch → Glottis, → Klick, → Plosiv, → Konsonant, → Implosiv

Abschiedsformel, formalisierte Prozedur/Gesprächssequenz um ein Gespräch zwischen zwei oder mehreren Aktanten angemessen zu beenden.
s. auch → Grußformel

Absentiv, Verbale Konstruktion (sein+Infinitiv), bei welcher das Agens abwesend ist und zurückerwartet wird, das heißt die Aktivität dauert an. Im Perfekt kann auch die erste Person das Agens sein: "Ich bin einkaufen gewesen." Beispiel: Er ist einkaufen. (von cha-moi(s))

absoluter Kasus (auch: reiner Kasus), ein (ein- oder zweigliedriger) Nominalausdruck in adverbialer Funktion, der nicht von der Rektion des regierenden Verbs oder nominalen Satzglieds abhängig ist. So zum Beispiel der Ablativus absolutus im Lateinischen, der genitivus absolutus im Griechischen oder der absolute Genitiv im Deutschen wie in "unverrichteter Dinge" oder der absolute Akkusativ (auch:absolutes Objekt genannt) im Deutschen wie in "den ganzen Mai". Beispiel: unverrichteter Dinge, klopfenden Herzens,den ganzen Mai, den lieben langen Tag
s. auch → Kasus, → Rektion, → Adverbial, → Objekt

absolutes Objekt (auch: absoluter Akkusativ), ein (ein- oder zweigliedriger) Akkusativobjekt in adverbialer Funktion, das nicht von der Rektion des regierenden Verbs abhängig ist. Beispiel: den ganzen Mai, den lieben langen Tag, drei Kilometer
s. auch → Kasus, → Rektion, → AdverbialKasus, → Rektion, → Adverbial, → Objekt, → absoluter Kasus

Absolutiv, Kasus in Ergativsprachen (zum Beispiel australischen Sprachen, Maja-Sprachen, kaukasischen Sprachen), der die Subjekte intransitiver und die Objekte transitiver Verben markiert.
s. auch → Ergativsprache, → transitiv, → intransitiv

Absorption, Wegfall eines Vokals beim Aussprechen mehrsilbiger Wörter, wobei die Silbizität des Wortes weiterhin vorhanden bleibt, da diese von den benachbarten stimmhaften Sprachlauten übernommen wird. So wird zum Beispiel das geschriebene Wort "Regel" zu gesprochen "Regl". Beispiel: Regel > gespr.: Regl

Abstandsprache, Begriff aus der Soziolinguistik, der Sprachvarietäten bezeichnet, die sich so stark von anderen Varietäten unterscheidet, dass eine gemeinsame Verständigung nicht mehr möglich ist.

Abstraktum, bestimmte Klasse der Substantive, die Nicht-Gegenständliches bezeichnen, im Gegensatz zu den Konkreta. Abstrakta bezeichnen Eigenschaften, Zustände, Vorgänge, Vorstellungen, Gefühle, Konzepte und so weiter. Beispiel: Freundlichkeit, Stress, Prüfung, Hass, Gott, Liberalismus usw.
s. auch → Konkretum

Abtönungspartikel (auch: Einstellungspartikel, Modalpartikel, Satzpartikel), Subklasse der Partikel, die der Abtönung des Gesagten im Sinne einer Wertung, einer Vermutung und so weiter dienen. Sie beziehen den Inhalt des Satzes, dem sie nebengeordnet sind, auf eine Sprechsituation. Sie sind nicht flektierbar, sind nicht betonbar, nicht erfragbar. Beispiel: "Grüßt sie Dich denn?", "Grüßt denn sie Dich?"

Abweichung (auch: Deviation), Eigenschaften von Ausdrücken einer natürlichen Sprache, die gegen die Sprachnorm oder linguistische Regeln verstoßen wie *'Fritz raucht einen Kaffee'. Diese Abweichungen können auf phonetischer, phonologischer, morphologischer, syntaktischer oder semantischer Ebene auftreten. Beispiel: Klaus schnarcht den Vogel; Der Fels schwebt den Berg hinunter
s. auch → Sprachnorm

Ach-Laut (auch: Ich-Laut), neben dem Ich-Laut wie in "ich", "Molch" und so weiter die allophonische Variante des stimmlosen, am Zungenrücken gebildeten (dorsalen) Reibelautes /x/, -ch. Beispiel: a-ch, Da-ch, do-ch, Tu-ch
s. auch → dorsal, → Frikativ, → Allophon, → uvular, → Ich-Laut

Achsenstellung (auch: Kernsatz), Zweitstellung des finiten Verbs im deutschen Aussagesatzes, die auch bei Verschiebung der Satzkonstituenten beibehalten wird. Beispiel: Karl liest gerne Bücher', 'Gerne liest Karl Bücher', 'Bücher liest Karl gerne.'

Adessiv, Kasus, zum Beispiel in finnougrischen Sprachen vorkommend, mit der Bedeutung "befindlich an, nahe bei".
s. auch → Kasus, → Inessiv, → Lokativ, → Abessiv

Ad-hoc-Bildung (auch: Gelegenheitsbildung, Augenblicksbildung, okkasionelle Bildung), spontan gebildete Wortschöpfungen, auch Augenblicks-, Gelegenheitsbildung genannt, die häufig nur aus der Situation heraus verständlich sind, so steht in der Formulierung "Dieser Ad-hoc-Bildungsschreiber hat wirklich keine Ahnung" "Ad-hoc-Bildungsschreiber" für "derjenige, der den Beitrag zum Begriff Ad-hoc-Bildung geschrieben hat". Beispiel: "diese Fritzerkenntnis" oder "Holzteam" für eine Schülergruppe, die mit Holz arbeitet
s. auch → usuelle Wortbildung

Adhortativ (auch: Hortativ), Teilkategorie des Modus des Verbs, im Deutschen durch Konjunktiv oder Umschreibung ausgedrückt, die eine Aufforderung an die 1. Person Plural zu gemeinsamer Handlung bezeichnet. Beispiel: "Seien wir ehrlich!", "Lasst es uns versuchen!"
s. auch → Konjunktiv

adjacency pair, Paar von aufeinanderfolgenden Gesprächsschritten, wobei ein Sprechwechsel erfolgt. Beispiel: Hi! - Hallo!

Adjazenz, liegt vor, wenn Konstituenten aneinander grenzen, also unmittelbar aufeinander folgen und zwischen ihnen keine andere Konstituente auftritt.
s. auch → Konstituente

Adjektiv, kurz A, ADJ (auch: Artwort, Beiwort, Eigenschaftswort, Qualitativ, Wiewort), nach der DUDEN-Grammatik /1995, S. 828) ein 'deklinier- und komparierbares Wort, das eine Eigenschaft, ein Merkmal bezeichnet' und auch Eigenschafts-, Art-, Bei-, Wiewort oder Qualitativ genannt wird. Beispiel: Die rote Rose, Die Rose ist rot, Er sieht rot
s. auch → Adjektivphrase

Adjektiv partizipiales, Lexem, das formal ein Partizip ist, aber als Adjektiv lexikalisiert ist. So werden Partizipien bei attributiver Verwendung wie Adjektive flektiert. Beispiel: reizend, gestreift, der verlorene Sohn, das geliebte Kind
s. auch → Lexem

Adjektivadverb, Bezeichnung für Adjektive, die in adverbialer Funktion verwendet werden und im Unterschied zum Adverb graduierbar (steigerbar) sind. Beispiel: Er schreit laut, sie schreit lauter.
s. auch → Adjektiv, → Adverb

Adjektivattribut, kurz adj-attr, modifiziert auf Basis eines Adjektivs (inkl. Partizipien) meist pränominal eine nominale Wortgruppe. Beispiel: "lärmende" in "der lärmende Nachbar". (von Torsten Siever)
s. auch → Attribut, → Satzgliedfunktion, → Adjektiv

Adjektivflexion, die Deklination und Komparation der Adjektive. Die Deklination des Adjektivs richtet sich nach dem Bezugswort. Es wird kompariert in folgende Kategorien: Positiv, Komparativ, Superlativ, Elativ.
s. auch → Positiv, → Komparativ, → Superlativ, → Elativ

Adjektivierung, Bildung eines Adjektivs aus einem Wort einer anderen Wortart durch Ableitung. Das Nomen 'Streit' wird durch Hinzufügung der Endung -ig zum Adjektiv 'streitig'. Beispiel: Furcht - furchtsam, Haus - häuslich
s. auch → Derivation, → Wortklasse, → Morphem

Adjektivkompositum, Bildung eines komplexen Wortes, das aus mindestens zwei Morphemen besteht, die sonst als selbstständige Wörter vorkommen. An der Komposition können verschiedene Wortarten beteiligt sein. Das rechte Glied der Bildung bestimmt kategorial das gesamte Kompositum. Bei einem Adjektivkompositum muss es aus einem Adjektiv gebildet sein. Beispiel: Verb + Adjektiv; denkfaul, strapazierfähig; Nomen + Adjektiv: krebsrot, taghell; Adjektiv + Adjektiv: hellblau, hochaktuell
s. auch → Kompositum

Adjektivphrase, kurz AP, ADJP, komplexe Phrase, die ein Adjektiv als Kopf hat Beispiel: sehr schön, vom Kochen begeistert (von Torsten Siever)
s. auch → Nominalphrase, → Verbalphrase, → Phrase

Adjunkt, Adjunkte sind syntaktische Einheiten, die nicht vorm Verb regiert sind - im Gegensatz ztu den Komplementen. Beispiel: Er kommt morgen zu mir.

Adjunktion, Anknüpfung, in der generativen Grammatik eine strukturveränderndeTransformationsoperation, bei der zu einer bereits bestehenden syntaktischen Einheit eine neue hinzugefügt wird.
s. auch → Generative Grammatik

Adjunktor, Adjunktoren sind eine Subkategorie der Junktoren. Sie bilden mit einer Phrase oder einem Vergleichssatz eine Adjunktorphrase mit eigenständiger syntaktischer Funktion. Beispiel: Er glaubt, er sei so gut wie Einstein und besser als Max Planck.
s. auch → Junktor, → Adjunktion

Adnominal, Bezeichnung für jedes Element in einer endozentrischen Konstruktion, das der Modifizierung des regierenden Nomens dient, also alle Formen von Attributen wie Adjektive, Genitiv-, Präpositionalattribute, Relativsätze.
s. auch → endozentrische Konstruktion

Adposition (auch: Verhältniswort), fasst die Klasse von Unflektierbaren zusammen, die Ergänzungen in einem bestimmten Kasus fordern. Beispiel: während der Arbeit (von AnnZie)
s. auch → Verhältnissatz, → Präposition

Adstrat, Bezeichnung für die wechselseitige Beeinflussung der an einer Sprachkontakt-Situation beteiligten Sprachen. Beispiel: Deutsche und einheimische Sprachen in postkolonialen Ländern; Französisch in Belgien
s. auch → Pidginsprache, → Kreolsprache

Adverb, kurz ADV, Wortart, die Verben, Adjektive, Adverbialien oder Sätze modifiziert. Adverben sind nicht flektierbar und werden in Schulgrammatiken auch Umstands- oder Beiwort genannt. Beispiel: abends, bergab, hier, dort, gern
s. auch → Modifikation

Adverbial, kurz adv-best, ab (auch: adverbiale Bestimmung, Adverbialbestimmung), syntaktische Funktion, die sich auf ein Verb, ein Adjektiv oder auch auf den Satz bezieht. Beispiel: "Er blieb gestern zu Hause"

Adverbialkasus, Kasus in adverbialer Funktion, im Deutschen durch Akkusativ- und Genitiv-Konstruktionen in Ausdrücken für Raum und Zeit und in Gradangaben realisiert, die nicht pronominalisierbar und nicht passivfähig sind. Beispiel: Wir haben die ganze Zeit geschlafen, *Wir haben sie geschlafen, *Die ganze Zeit ist von uns geschlafen worden
s. auch → Kasus

Adverbialsatz (auch: Umstandssatz, Verhältnissatz), bezeichnet einen Satz, der die Rolle einer adverbialen Bestimmung einnimmt. Beispiel: Kausalsatz;Adverb (von AnnZie)

Adversativ, einen Gegensatz/Kontrast ausdrückend (lateinisch "adversus" = gegen, entgegenstellen), zum Beispiel zwischen zwei Sätzen ("Heute treibt er viel Sport, früher saß er nur auf dem Sofa"). In manchen Sprachen, unter anderem im Adygeischen, ist der Adversativ ein morphologisch realisierter Verbalmodus mit ähnlicher semantischer Funktion.
s. auch → Adversativsatz

Adversativsatz, ein Adverbialsatz, der unter Verwendung Kontraste anzeigender Konjunktionen ("während" oder "indessen") einen Gegensatz/Kontrast zum im Hauptsatz geschilderten Inhalt/Geschehen ausdrückt. Beispiel: Während Vera alle erdenklichen Privilegien hatte, mussten sich die anderen alles erst hart erkämpfen.
s. auch → Adversativ

Affektiv, in einigen Sprachen, zum Beispiel vielen kaukasischen Sprachen, eine spezieller Kasus, der nach der Verwendung von affektiven Verben verlangt wird.
s. auch → affektives Verb, → Kasus

affektives Verb, eine bestimmte Klasse von Verben (in der Regel des Hörens, Sehens, Glaubens), die unter anderem in vielen kaukasischen Sprachen eine spezielle, weder "transitive" noch "intransitive" syntaktaktische Konstruktion bewirken.
s. auch → Affektiv

Affigierung, das Verbinden von Morphemen mit Affixen. Dient der Flexion sowie der Derivation. Beispiel: Ge-ruf-en, un-schön, wunder-bar
s. auch → Affix

Affix (auch: Wortbildungselement), gebundenes grammatisches Morphem (unselbständiges Flexions- oder Wortbildungselement), das sich je nach der Stellung im Wort unterteilen lässt in Präfix, Suffix und Zirkumfix. Affixe dienen der Flexion und der Derivation. Man unterscheidet daher in Flexionsaffixe und Derivations- oder Ableitungsaffixe. Beispiel: -un, -ge, -e, -er, -en, -st, -ig, -keit
s. auch → Affigierung, → Ableitungsaffix

Affixoid (auch: Halbaffix), affixähnlicher Wortbestandteil (griechisch: -oides = ähnlich), auch Halbaffix genannt, der im Grammatikalisierungsgrad zwischen Stamm und Affix liegt und meist bei der Bildung von Komposita verwendet wird. Ein Affixoid entsteht aus einem selbstständigen Stamm, der aber seine 'normale', konkrete Bedeutung zugunsten einer abstrakteren verändert hat. Man unterscheidet Präfixoid und Suffixoid. Beispiel: "frei" in wartungsfrei, "hoch" in hochmodern
s. auch → Affix

affiziertes Objekt (auch: betroffenes Objekt), semantische Interpretation der Prädikat-Objekt-Relation im Satz: das Objekt ist hierbei zwar von der Tätigkeit eines Verbs betroffen, verändert sich aber im Gegensatz zum "effizierten Objekt" nicht hierdurch, da es bereits vor der durch das Verb bezeichneten Handlung unabhängig von dieser Handlung existiert (so existiert zum Beispiel ein Buch oder Roman bereits vor dem Lesen). Beispiel: "einen Roman" in "Fred liest einen Roman."
s. auch → Effiziertes Objekt

Affrikate, Laute, die im Bereich der Lippen und Zähne oder an den Alveolen durch einen sehr kurzzeitigen Verschluss und darauf folgendem Austreten der Luft bei Engebildung an der eben noch verschlossenen Stelle gebildet werden. Beispiel: [pf] in "Pfanne", [ts] in "Zaun"
s. auch → Alveolen

Agens, derjenige, der die im Verb beschriebene Handlung aktiv ausführt oder verursacht. In 'Fritz sucht Marie' ist 'Fritz' das Agens, in 'Fritz wird von Marie gesucht' ist 'Marie' das Agens. Der Passivsatz zeigt, dass nicht in jedem Satz das Subjekt auch das Agens. Es handelt sich um eine semantische Rolle und nicht um eine syntaktische Funktion. Beispiel: "Paul" ärgert seine Bruder. Paul wird "von seinem Bruder" geärgert.
s. auch → Agentiv, → Agens-Nominalisierung, → Agensverb, → Patiens

Agens-Nominalisierung, aus Verben abgeleitete Substantivbildungen auf -er, die, nach Eisenberg, Klassen von Individuen bezeichnen, welche die entsprechende Tätigkeit vollziehen. Beispiel: Trink-er, Verfass-er, Geh-er, Denk-er

Agensverb, Verb, dessen Subjekt die thematische Rolle Agens ausfüllt. Agensverben bilden das Perfekt in der Regel mit 'haben' und sind passivfähig.
s. auch → Agens

Agentiv, in der Kasusgrammatik ein bestimmter Tiefenkasus, welcher durch die semantische Rolle, die er innerhalb eines Satzes spielt, definiert ist. Diese Rolle ist hauptsächlich durch ein Verb vorgegeben. Mit Agentiv wird dabei jeweils der/die Ausführende der Verbalhandlung bezeichnet. Beispiel: "Rudi hämmert mit dem Hammer": "Rudi" ist agentiv
s. auch → Agens, → Kasusgrammatik

Agglutination, Bei der Agglutination werden grammatische Funktionen durch das Anbringen von Affixen kenntlich gemacht (lateinisch: agglutinare = zusammenkleben), wobei jedes einzelne Affix eine Bedeutungseinheit, wie beispielsweise Person, Tempus, Kasus, ausdrückt. In agglutinierenden Sprachen wird eine grammatische Bedeutungseinheit durch ein Affix ausgedrückt. Dies unterscheidet die agglutinierenden Sprachen von den fusionalen Sprachen, in denen verschiedene grammatische Bedeutungen in einem Affix fusionieren. Beispiel: Du leg-te-st ("te" für Präteritum, "st" für 2. Per. sg.
s. auch → Affix, → agglutinierende Sprache

agglutinierende Sprache, Sprachen, in der die grammatische Funktion eines Wortes durch das Anhängen von Affixen an den Wortstamm kenntlich gemacht wird. Leicht sind in solchen Sprachen die Wortstämme von den Affixen, die jeweils meist nur eine grammatische Bedeutung tragen, zu unterscheiden. Beispiel: Türkisch, Japanisch, Finnisch, Baskisch
s. auch → Agglutination

Agreement, englischer Begriff für Kongruenz, also der Übereinstimmung von Satzgliedern/Satzteilen in Kasus, Person, Numerus und Genus.
s. auch → Kongruenz, → Kasus, → Numerus, → Genus, → Person

Akkusativ (auch: Wenfall), lateinisch: accusare = anklagen. Der Akkusativ wird auch als 4. Fall oder Wenfall bezeichnet. Man unterscheidet das Akkusativobjekt, den Gleichsetzungsakkusativ, den Pertinenzakkusativ, den Adverbialakkusativ und den absoluten Akkusativ. In Akkusativsprachen ist der Akkusativ der Fall, der in der Grammatik das Patiens des transitiven Satzes markiert.
s. auch → Akkusativobjekt

Akkusativ mit Infinitiv, kurz AcI, Konstruktion aus Wahrnehmungsverb, Verb des Sagens wie 'sehen', 'heißen' oder kausativem Verb ('lassen') mit einem Akkusativnominal (direktes Objekt) und einem reinen Infinitiv als Ergänzung. Der AcI gehört zu den kohärenten Infinitivkonstruktionen. Man unterscheidet den Verlaufsdarstellenden AcI und den Modal-AcI. Beispiel: "Helga sieht ihren Sohn rauchen", "Stefan hört seinen Sohn singen", "Er lässt ihn singen".
s. auch → transitiv, → Prädikativ, → Infinitiv

Akkusativobjekt, kurz akkobj, Objekt (Nominalphrase, Teilsatz), das unmittelbar/direkt von der Verbalhandlung betroffen ist und im Akkusativ steht wie z.B. "Ulla liest einen Roman". Die Stelle des Akkusativobjekts kann durch eine Nominalphrase, aber auch durch einen Teilsatz wie in "Ich lerne, "dass ich mich ändern muss"" besetzt sein. Der Kasus kann aufgrund der Flexionsformen ermittelt werden oder, bei Problemfällen, mithilfe einer Ersatzprobe (zum Beispiel durch Pronominalformen) sowie der Frage "wen oder was? (Er hat - sie - verpasst/Er hat - ihn - verpasst/Er hat - wen oder was? - verpasst). Beispiel: Karl baut ein Haus, Ich weiß, dass sie sich freut.
s. auch → Objekt, → Direktes Objekt

Akkusativsprache (auch: Nominativsprache), Sprachen, die für das Patiens (= das handlungsbetroffene Element) des intransitiven Satzes genau denselben Fall verwenden, wie für das Agens des (transitiven oder intransitiven) Satzes, nämlich den Nominativ, für das Patiens des transitiven Satzes jedoch einen eigenen Fall, den Akkusativ. In Nominativ-/Akkusativsprachen wie dem Deutschen ist der Nominativ als Grundkasus der am häufigsten benutzte Kasus. So stehen in einem normalen transitiven Satz mit Subjekt, Prädikat und Objekt das Subjekt (Agens) im Nominativ und das Objekt (Patiens) im Akkusativ wie in "Der Sohn sucht seinen Vater". Der Nominativ kennzeichnet weiterhin auch die Verbergänzung intransitiver Verben, unabhängig von ihrer semantischen Rolle wie in "Der Vater schläft". Würde man hier einen anderen Kasus wählen, produzierte man etwas Ungrammatisches wie in "*Den Vater schläft". Die meisten europäischen Sprachen (Ausnahme:Baskisch) können diesem Sprachtyp zugeordnet werden. Beispiel: alle europäischen Sprachen außer Baskisch
s. auch → Aktivsprache, → Ergativsprache, → Agens, → Patiens

Akrolekt, Bezeichnung in der Soziolinguistik für Sprachvaritäten einer Sprachgemeinschaft, die im Gegensatz zum Basilekt als sozial hochstehend eingestuft werden und mit einem hohem Prestige versehen sind. In der Regel sind dies die Standard- und Hochsprachen. Der Begriff geht auf Derek Bickerton zurück, der hiermit das Verhältnis von Kreolsprachen zur Standardsprache - in diesem Falle zum Englischen - beschrieben hat. Beispiel: Standard- und Hochsprache
s. auch → Basilekt, → Melolekt

Akronym, Abkürzung, die aus den Anfangsbuchstaben oder -silben einer Wortgruppe oder eines zusammengesetzten Wortes gebildet wird. Beispiel: Trafo (Transformator), EU (Europäische Union)
s. auch → Abkürzung

Aktant (auch: Mitspieler, Komplement), am Prozess der Handlung beteiligte Lebewesen, Dinge oder Sachverhalte. In der Dependenzgrammatik sind hiermit nicht-verbale Ausdrücke gemeint, die ungefähr den Objekten und dem Subjekt der traditionellen Grammatik entsprechen. Im prototypischen Fall sind sie nicht weglassbar und werden vom übergeordneten Verb bestimmt.
s. auch → Dependenzgrammatik, → Komplement

Aktionsart, bezeichnet die durch die lexikalische Bedeutung des Verbs bedingte Art und Verlaufsweise einer Handlung. Die meistgenannten Aktionsarten sind die imperfektive wie 'schlafen', 'sitzen' und perfektive wie 'abreisen', 'einschlafen'. Präfixe und Halbpräfixe tragen zur Differenzierung der Aktionsart von Verben bei (zum Beispiel 'ver-blühen'). Die Situation wird jedoch nicht allein durch das Verb, sondern in Zusammenhang mit seinen Argumenten beschrieben.
s. auch → Aspekt

Aktiv, mit dem Passiv eine Subkategorie des 'genus verbi'. Die morphosyntaktisch einfachere, da neutrale, unmarkierte Form des Verbs stellt ein Geschehen als 'täterzugewandt' dar und wird daher auch als Tatform/Tätigkeitsform beschrieben. Mit ca. 93% kommt der Aktiv statistisch wesentlich häufiger als die Passivform vor. Beispiel: Inge liest ein Buch. / Paul ärgert seine Schwester. / Sie bekommt keine Post.
s. auch → Passiv, → Genus verbi, → Diathese

aktive Wortbildung, Regularitäten, nach denen Wörter strukturiert sind aber nicht oder nur in speziell begrenzten Reihen neu gebildet werden. Beispiel: Das Suffix ,ling' in Personenbezeichnungen auf verbaler Basis

Aktivsprache, Sprachen, bei denen das Agens eines (transitiven oder intransitiven) Satzes stets durch ein Aktivität ausdrückendes Morphem am Verb beziehungsweise an der Verbergänzung markiert ist und das Patiens beziehungsweise ein Zustandsverb, das kein Agens auswählt, stets durch ein Inaktivität ausdrückendes Morphem. Beispiel: Dakota, Lhasa-Tibetisch, Guarani
s. auch → Agens, → Patiens

Aktzeit, bildet mit Betrachtzeit und Sprechzeit ein Bezeichnungssystem, mit dem es möglich ist, zeitliche Relationen zwischen einer sprachlichen Äußerung und der Wirklichkeit zu kennzeichnen. Die Aktzeit gibt an, ob das, was in einer Äußerung gesagt wurde, zeitlich vor, während oder nach dem Zeitpunkt der Äußerung (Sprechzeit) liegt. So sind in dem Satz "Ulf arbeitet im Moment gerade" Sprech- und Aktzeit identisch, signalisiert durch das Präsens sowie durch "gerade", wohingegen in dem Satz "Ulf hat gestern gearbeitet" die Aktzeit vor der Sprechzeit liegt.
s. auch → Betrachtzeit, → Sprechzeit

akustische Phonetik, Teildisziplin der Phonetik: beschäftigt sich mit den physikalischen Merkmalen der Sprachlaute, deren akustische Eigenschaften dann auf Basis physikalischer Größen wie der Frequenz (Tonhöhe beziehungsweise Schwingungen pro Sekunde) und der Amplitude (Intensität) beschrieben werden.
s. auch → Phonetik

Akzent (auch: Betonung), linguistisch funktionelle Hervorhebung/Betonung einer Silbe, oder auch nur eines Teiles hiervon, innerhalb eines Wortes durch Intonation, Intensität oder Quantität. In der Linguistik unterscheidet man: Silbenakzent, Wortakzent, Wortgruppen- /Satzakzent. Bezüglich der Regelhaftigkeit unterteilt man den Wortakzent in den gebundenen Akzent (auch fester Akzent) und den ungebundenen Akzent oder freien Akzent. Bei mehrsilbigen Wörtern wird eine Silbe, oder ein Teil davon, durch den Hauptakzent (auch Starkton genannt) hervorgehoben. Die andere Silbe erhält den Nebenakzent (Nebenton). Die übrigen Silben bleiben unbetont (auch Schwachton). In den verschiedenen Sprachen werden die folgenden Arbeitstechniken für Wortakzente angewandt: dynamischer Akzent, melodischer Akzent, temporaler Akzent. Der Wortakzent beeinflusst den Sprachrhythmus sowie das Klangbild eines Wortes. Im Deutschen liegt der Wortakzent in der Regel auf der Stammsilbe beziehungsweise auf der vorletzten Silbe.
s. auch → Wortakzent

Akzentsilbe, die am stärksten beziehungsweise haupt-betonte Silbe in einem Wort, die Betonungen der anderen Silben führen zu dieser Betonung hin oder weg.
s. auch → Sonoritätshierachie

Akzentuierung, die mittels Betonung erzeugte Hervorhebung von Äußerungsteilen durch Stärken- und Tonhöhenabstufungen.
s. auch → Akzent

akzentzählend, Sprachen, deren Rhythmus durch die regelmäßige zeitliche Abfolge der Akzentstellen gekennzeichnet ist, in denen sich also schwach- oder unbetonte Wörter an ein benachbartes (betontes) Wort "anlehnen". Beispiel: Deutsch, Englisch, Russisch, Niederländisch
s. auch → silbenzählend

Akzeptabilität, Beurteilung, ob Äußerungen im allgemeinen Sprachgebrauch als gebräuchlich und angemessen angesehen/beurteilt werden (also akzeptabel sind) oder nicht.
s. auch → Grammatikalität, → grammatisch, → Wohlgeformtheit

Alemanisch, stark in sich gegliederter Dialektverband im Westen des Oberdeutschen, der die deutlich eigenständigen Dialektgruppen des Schwäbischen (gesprochen im östlichen Baden-Württemberg und im westlichen Bayern), Niederalemanisch (gesprochen im Elsaß und Baden), Hochalemannisch (überwiegend gesprochen in der Schweiz) und Höchstalemannischen (die Dialekte der alpinen schweizerischen Südregion) umfasst.

Allativ, Richtungskasus, zum Beispiel des Finnischen und anderer Sprachen, der ausdrückt, dass sich etwas in Richtung auf einen Ort bewegt. Beispiel: Adlativ
s. auch → Kasus

Allaussage, generalisiernde Aussage über alle Elemente eines bestimmten Bereichs, die mit den Wörtern "alle, sämtliche, jeder, jegliche" zum Ausdruck gebracht wird. Beispiel: alle, sämtliche, jeder, jegliche

Alliteration (auch: Stabreim, Anreim), Wiederholung gleichklingender Anlaute in betonten Silben, meist aus stilistischen Gründen. Beispiel: Milch macht müde Männer munter, Himmel und Hölle

Allograph, Variante, konkrete Repräsentationsform eines Graphems. Beispiel: als Allographen des Phonems /a/
s. auch → Graphem

Allomorph (auch: Morphemalternante, Polymorphie), verschiedene Signalisatoren, Realisierungsvarianten eines Morphems wie zum Beispiel die verschiedenen Realisierungen des Pluralmorphems. Beispiel: -er und so weiter als verschiedene Realisierungen des Pluralmorphems
s. auch → Morphem, → Isomorphismus, → Null-Allomorph

Allophon, Aussprachevariante eines Phonems. Es wird nach freien Varianten wie Zungen-R und Rachen-R sowie kontextuellen Varianten wie die Aussprachevarianten von -ch in "ich" und "ach" unterschieden. Beispiel: [t] in Rad
s. auch → Phonem, → Phon

Allosem, vom jeweiligen semantischen Kontext abhängendes Bedeutungselement eines Semens, das je nach unterschiedlicher Umgebung unterschiedliche Bedeutung trägt. Beispiel: Fuß des Menschen - Fuß des Berges
s. auch → Semen, → Polysemie

Alternativfrage, Fragesatz, der aus zwei mit 'oder' verbundenen Entscheidungsfragen zusammengesetzt ist und nicht einfach mit 'ja' oder 'nein' beantwortet werden kann. Beispiel: Kommst Du jetzt mit oder kommst Du nicht mit?
s. auch → Entscheidungsfrage

Althochdeutsch, die älteste Schriftsprache des Deutschen, die im hochdeutschen Raum bis in das 11. Jahrhundert genutzt wurde und räumlich von den benachbarten niederdeutschen und nichtdeutschen Sprachvarianten abzugrenzen ist. Das Althochdeutsche ist keine einheitliche Sprache, sondern die Bezeichnung für eine Gruppe westgermanischer Dialekte, die sich von den anderen westgermanischen Mundarten durch die Durchführung der Zweiten (oder Hochdeutschen) Lautverschiebung unterscheiden.

Alveolarlaut (auch: Superdental), Laut, der durch den Kontakt des Zungenkranzes mit den direkt über der Rückseite der Vorderzähne liegenden Zahntaschen (Alveolen) gebildet wird. Beispiel: [t] in "Tasche", [d] in "Deich", [n] in "Nachricht", [s] am Ende von "Kuss", [z] in "Senf", [l] in "Lippe"

Alveolen (auch: Zahndamm, Lungenbläschen), bezeichnet die Lungenbläschen oder der Zahndamm. Beispiel: [t], [d], [s], [z], [ts], [n], [r] (von AnnZie)
s. auch → Alveolarlaut

Literatur: einsehen

Amalgamierung (auch: Verschmelzung, Kofferwort, Kontamination, Wortkreuzung), [1] in der Semantiktheorie der Prozess der sich schrittweise vollziehenden Ermittlung der Bedeutung eines Satzes, indem die Bedeutung seiner Konstituenten nach und nach zusammengefasst und miteinander in Beziehung gesetzt werden. [2] In der Wortbildungsmorphologie wird unter Amalgamierung die Wortneubildung durch Zusammensetzung aus Teilen anderer Wörter verstanden. Beispiel: Wortneubildung: Demokra-tur (aus Demokratie und Diktatur)

Amalgamisierung,
s. auch → Amalgamierung

Ambiguität (auch: Amphibolie, Mehrdeutigkeit, Doppeldeutigkeit ), Doppel- bzw. Mehrdeutigkeit sprachlicher Einheiten. Beispiel: Bank als 1. Geldinstitut und 2. Sitzgelegenheit
s. auch → Vagheit

Amphibrachys, metrische Einheit (Versfuß) der Antike, die aus einer kurzen, einer langen und einer kurzen beziehungsweise unbetonten, betonten und unbetonten Silbe besteht. Beispiel: ich kómme (von Torsten Siever)
s. auch → Versfuß, → Jambus, → Trochäus, → Daktylus, → Anapäst

Anagramm, bezeichnet die Umstellung (Permutation) der Buchstabenreihenfolge eines Wortes, sodass ein neues Wort aus denselben Buchstaben entsteht. Beispiel: Lager & regaL (von Torsten Siever)
s. auch → Piktogramm

Literatur: einsehen

Anakoluth (auch: Satzabbruch), plötzlicher Wechsel in der ursprünglichen Satzkonstruktion, Satzabbruch. In der gesprochenen Sprache häufig bei Selbstkorrekturen des Sprechers sowie bei schlechter Satzplanung vorkommend. Kann in der Literatur auch bewusst als Stilmittel eingesetzt werden. Beispiel: "Wir waren dann... also die Stimmung war ja/... alle waren gut drauf und dann sind wir einfach losgegangen."

Analogie, Übereinstimmung von zwei verschiedenen Objekten in mindestens einer Eigenschaft. Beispiel: Die Übertragung deutscher Flexionsregeln auf Lehnwörter (engl. Infinitiv to scate dt. Inf. scaten)

Analogiebildung, Wortneubildung nach dem Muster/Vorbild bereits vorhandener Wörter. In gewisser Weise lassen sich alle Wortbildungen als Analogiebildungen betrachten, da es für alle Wortbildungen ein Wort als Vorbild gibt. Beispiel: Hausmann (aus Hausfrau), Spätstück (aus Frühstück)
s. auch → Analogie, → Reihenbildung

Analytisch, zerlegbar, auflösbar.
s. auch → Analytische Sprache, → Analytische Verbform

analytische Sprache, Sprachtyp mit der Tendenz grammatische Beziehungen im Satz nicht durch morphologische Mittel sondern außerhalb des Wortes durch Partikeln und Wortstellungen auszudrücken. Haben Sprachen mehr als nur die Tendenz grammatische Beziehungen auf diese Weise auszudrücken, dann spricht man von isolierenden Sprachen.
s. auch → Isolierende Sprache

analytische Verbform (auch: zusammengesetzte Verbform), Verbkonstruktion, die sich aus einem flektierbaren Hilfsverb und einem Vollverb (Infinitiv oder Partizip oder anderes) zusammensetzt. Beispiel: wird gehen, ist gegangen

Anapäst, metrische Einheit (Versfuß), die aus zwei kurzen und einer langen beziehungsweise zwei unbetonten und einer betonten Silbe besteht. Beispiel: über'füllt (von Torsten Siever)
s. auch → Versfuß, → Jambus, → Trochäus, → Daktylus

Anapher, Die Anapher ist eine sprachliche Einheit, deren Referenz nur durch Bezug auf ein Antezedens bestimmbar ist. Beispiel: Das Wasser rauscht, es schwoll
s. auch → Pro-Formen

Anfangsrand (auch: Silbenkopf; Anlaut, Kopf), die silbenanlautenden Konsonanten vor dem (vokalischen) Silbenkern. Beispiel: [n] und [m] in Na-me
s. auch → Silbenkern, → Silbenkoda, → Silbenschale

Anfangsstellung (auch: Spitzenstellung; Erst- Front-, Kopfstellung), Erstposition des finiten Verbs im Deutschen bei Entscheidungsfragen, Ausrufe-, Aufforderungssätzen, irrealen Wunschsätzen und uneingeleiteten Nebensätzen. Beispiel: "Kommst Du mit?", "Ist das gemein!", "Treten Sie zurück!", "Wäre es doch anders gekommen", "Bleibt es zurück, dann wird er kein Glück mehr haben"

Anglitt, bezeichnet die Eröffnungsphase eines Sprachlautes, in der sich, so die Vorstellung der frühen Experimentalphonetiker, die Artikulationsorgane hin zur spezifischen Position des entsprechenden Sprachlauts ausrichten.
s. auch → Abglitt

Anglizismus, Verwendung von Begriffen anglo-amerikanischer Herkunft in einer anderen Sprache. Beispiel: cool
s. auch → Fremdwort, → Lehnwort

Anhebung (auch: Hebung, Raising), das Hochheben/Eingliedern eines Subjekts aus einem untergeordneten Satz [S-2] in einen übergeordneten Satz [S-1], wobei das angehobene Subjekt kein logisches Subjekt des Verbs in [S-1] ist, sondern nur des eingebetteten Verbs in [S-2]. Beispiel: S-1: Fritz scheint [S-2: gut zu spielen] aus: S-1: Es scheint, [S-2: dass Fritz gut spielt]
s. auch → Anhebungsverben, → Objektanhebung, → Subjektanhebung

Anhebungsverben, Verben, die Anhebungen zulassen, indem sie ein Subjekt anerkennen, dass nicht ihr logisches ist, so dass bei Infinitivkonstruktionen das Subjekt der Infinitivkonstruktion zum Subjekt des Hauptsatzes werden kann, obgleich es eigentlich nicht das logische Subjekt des Hauptsatzverbes ist.
s. auch → Anhebung

Anlaut, erster Laut/erste Lautgruppe zu Beginn eines Wortes, eines Morphems, einer Silbe. Beispiel: /n/ in N-ame

Anlautgesetz (auch: Notkers Anlautgesetz, Notkersches Anlautgesetz), von Notker III. von St. Gallen (950-1022) aufgestelltes Gesetz zur Regelung der Schreibung von Explosivlauten in der althochdeutschen Schriftsprache: Endet das unmittelbar vorausgehende Wort auf einen stimmlosen Konsonanten (p, t, k, pf, z, ch, b, d, g, f, h, z), so wechseln die im Anlaut stehenden b, d und g zu p, t und k. Endet das unmittelbar vorausgehende Wort auf einen Vokal oder auf einen stimmhaften Konsonanten (bei Notker: l, r, m, n), dann schreiben sich die Konsonanten im Anlaut als b, d oder g.

Antepänultima, drittletzte Silbe eines Wortes.

Antezedens, das vorangehende, links stehende Element von zwei miteinander in Verbindung stehenden linguistischen Elementen, auf das sich das nachfolgende Element bezieht, also in wenn-dann-Verknüpfungen das Vorderglied, gleiches gilt für die Anapher. Hier wird derjenige Satzteil, der links, also vor der Anapher steht und auf den die Anapher referiert, als Antezedens bezeichnet. Beispiel: "Wenn Du glücklich bist, dann bin ich es auch" ("Wenn Du glücklich bist" ist Antezedens), "Fritz, der ein großartiger Mensch ist" ("Fritz" ist Antezedens)
s. auch → Anapher

Anthropomorphismus, allgemein das Übertragen von menschlichen Eigenschaften und Verhaltensweisen auf Gegenstände, Tiere, Götter, Naturgewalten, in der Linguistik zum Beispiel auf sprachliche Begebenheiten und Ähnliches.
s. auch → Organismusmodell

Anthroponym (auch: Personenname), jeder auf Personen, aber auch auf Personengruppen bezogene Name (Gesamtname, Vorname, Nachname (Familienname), Beiname, Völkernamen, mythische Namen).

Antipassiv, in Ergativsprachen, in denen eine passivähnliche Struktur grundlegend ist, eine bestimmte Konstruktion, in der das Agens einer Handlung mit dem "Subjekt" ausgedrückt wird.

Antithese, in der Rhetorik die Gegenüberstellung von gegensätzlichen Begriffen und Gedanken Beispiel: "nicht sauber, sondern rein", "Krieg und Frieden"
s. auch → Rhetorik

Antizipation (auch: Katalepsis), Vorwegnehmen, in der Linguistik das Vorwegnehmen eines Elements einer nachfolgenden Einheit in der Einheit davor.

antonym (auch: Gegensatzwort, Gegesatzpaar), Gegensatzwort; Worte, die den Gegensatz eines anderen Wortes ausdrücken. Man unterscheidet zwischen relativer/konträrer (ohne genauen Bezugspunkt wie 'groß - klein') und absoluter/kontrdiktorischer (mit genauem Bezugspunkt wie 'tot - lebendig') Antonymie. Beispiel: groß - klein, tot - lebendig
s. auch → Synonym, → Antonymie

Antonymie (auch: Gegensätzlichkeit, Gegensatz), Gegensatzrelation, wie sie zwischen Antonymen besteht. Beispiel: Konträre Antonymie: lang - kurz, heiß - kalt; kontradiktorische Antonymie: lebendig - tot, giftig - ungiftig
s. auch → Antonym

Aorist, Formkategorie des Verbalparadigmas einiger indogermanischer Sprachen, die dazu verwendet wird, abgeschlossene Vorgänge oder Handlungen zu bezeichnen.

Aphärese, Anlautschwund, Wegfallen eines Lautes oder einer Silbe am Wortanfang, entweder sprachgeschichtlich bedingt, oder aus metrischen oder artikulatorischen Gründen. Beispiel: althochdeutsch: hwer – neuhochdeutsch: wer, "wie’s ist" statt "wie es ist"
s. auch → Deglutination

Aphasie (auch: Aphrasie), durch einen Schlaganfall oder ähnliches erworbene Störung des zentralen Sprachsystems mit Auswirkungen auf das Sprechen/Verstehen sowie auch auf das Lesen/Schreiben.

API (auch: Association Internationale Phonétique, International Phonetic Association (IPA), Weltlautschriftverein ), Association Internationale Phonétique (auch: IPA, International Phonetic Association, Weltlautschriftverein), 1886 gegründeter Verein, der die Förderung der Phonetik zum Ziel hat, insbesondere die Standardisierung der phonetischen Transkription.
s. auch → Lautschrift, → Transkription

Apikallaut (auch: Apikal, Zungenspitzenlaut), Laut, der mit Hilfe der Zungenspitze (darum auch Zungenspitzenlaut genannt) an unterschiedlichen Artikulationsstellen gebildet wird Beispiel: [n], [d], [t] in findest

Apokope, Wegfall von einem oder mehreren Sprachlauten am Wortauslaut. Beispiel: Mann(e)

Aposiopese (auch: Satzabbruch), stilistisch-beabsichtigter Abbruch, Nichtvollendung eines Satzes Beispiel: Wenn du das machst, dann …
s. auch → Anakoluth

Apostroph, der, im Deutschen Zeichen zur Markierung von Auslassungen und zur Markierung des Genetivs bei Wörtern, die auf "s" enden. Beispiel: so'n Mist, Claus' Bett

Appellativum (auch: Gattungsname, Gattungsbezeichnung, Klassenname, Nomen appellativum, common noun, Individuativum), größte Gruppe der Substantive, die auf Gegenstände, Sachverhalte, Gattungen, Gruppen der uns umgebenden Wirklichkeit verweisen und keine Eigennamen sind. Im Gegensatz zu Eigennamen sind Appellativa pluralfähig. Das Verhältnis von bezeichnendem Appellativ zur bezeichneten Klasse ist nicht umkehrbar. Man kann zwar sagen 'Hans ist Arzt', jedoch nie *'Arzt ist Hans'. Beispiel: "Hund", "Tisch", "Katze", "Maus", aber nicht "Bello", "Hannover", "Karl"
s. auch → Eigenname, → Gattungseigenname

Applikativ (auch: Applikativkonstruktion), Ein Nominal, das aufgrund der Inkorporation einer Präposition am Verb zum direkten Objekt gemacht wurde. Beispiel: 'den Riss' in der Applikativkonstruktion 'Sie überstreicht den Riss mit Farbe', bei der eine Präposition am Verb inkorporiert

Apposition, Zusatzinformation, die einer Nominalphrase als Beifügung folgt und zumeist mit dieser in Kasus-Genus Kongruenz steht. Beispiel: Der Baum, "das schöne Naturdenkmal", blüht, Michael, "der große Fußballer"

Appositiv, Konstruktion mit attributiver Funktion, die sich sowohl auf das Subjekt als auch auf das Prädikat beziehen kann.

Approximant (auch: Öffnungslaut, Gleitlaut, Glide), Artikulationsart eines Lautes. Wird der Luftstrom im Mundraum praktisch nicht gehemmt, dann spricht man von Approximanten oder Gleitlauten. Der einzige deutsche Approximant ist das [j] wie zum Beispiel in "ja".

Arbitrarität, die rein willkürlich Beziehung von Form (signifiant) und Inhalt (signifie) eines sprachlichen Zeichens (Ausnahme: lautmalerische Worte). So haben deutsch 'Baum' englisch 'tree' und französisch 'arbre' als Zeichenformen nichts eigentlich 'Baumhaftes' (Zeicheninhalt) an sich.

Archaismus, bezeichnet altertümliches Sprachgut. Meistens aus dem Wortschatz. Beispiel: "Klampfe" für "Gitarre"; "ich harre deiner" für "ich warte auf dich"

Archigraphem, bezeichnet in der Schriftlinguistik die Aufhebung graphematischer Oppositionen, die normalerweise bestehen, so wird in lateinisch basierten Schriftsystemen die Opposition zwischen Groß- und Kleinbuchstaben an Satzanfängen aufgehoben, man schreibt dort immer groß.
s. auch → Archiphonem

Archilexem (auch: Oberbegriff, Hyperonym), Wort, dessen Inhalt mit dem eines ganzen Wortfeldes identisch ist, so dass es alle Worte dieses Wortfeldes in einem Satz gegebenenfalls ersetzen kann, anders ausgedrückt einen Oberbegriff darstellt. Beispiel: Pferd (Hengst, Stute, Wallach ...), töten (ermorden, erstechen, meucheln, erschlagen, erschießen ...)
s. auch → Archiphonem, → Wortfeld, → Hyperonym

Archiphonem, der kleinste gemeinsame Nenner zweier oder mehrere Phoneme, die normalerweise in Opposition zueinander stehen, in bestimmter phonologischer Umgebung aber gleich klingen (wie zum Beispiel bei der Auslautverhärtung), so dass die ursprüngliche Opposition neutralisiert wird. Beispiel: Aufhebung des stimmhaft [d] - stimmlos [t] Gegensatzes ("Rades" - "Rates") bei Endstellung (Rad - Rat), /d-t/ besitzt beide Merkmale

Argot, bezeichnet im engeren Sinne die Gaunersprache. Im weiteren Sinne bestimmte Berufs- und Fachsprache. Beispiel: foppen, blechen

Argument, Satzteile, die ein Prädikat ergänzen und im Zusammenhang mit dem Prädikat eine Rolle als Handelnder/Leidender und anderes mehr spielen.

Argumentvererbung, Übertragung des Rektionsverhaltens von einer Verbbasis auf eine Ableitungsform, so wird aus 'fahnden nach Geldwäschern' durch Substantiverung mittels Suffigierung 'Fahndung nach Geldwäschern' und zuletzt das Rektionskompositum 'Geldwäscherfahndung'. Beispiel: fahnden nach etwas' - 'Fahndung nach etwas'; 'jmd. fragt jmd.' - 'jmd. befragt jmd.'

Artikel, kurz ART, typische Begleiter des Substantives, die in Kasus-Numeruskongruenz zum Substantiv stehen, das außerdem den Genus des Artikels regiert. Zu den Artikeln gehören: bestimmte/finite Artikel wie 'der, die, das', unbestimmte/infinite Artikel wie 'einer, eine, eines'. In manchen Grammatiken werden auch Negationsartikel wie 'keiner, keine, keines' und Possessivartikel wie 'mein, dein, sein' zu den Artikeln gerechnet. Beispiel: Bestimmt: der, die, das. Unbestimmt: einer, eine, eines. Negierend: keiner, keine, keines. Possessiv: mein, dein, sein.
s. auch → Determinator

Artikulation, die in Rachen-, Mund- und Nasenhöhle durch Bewegungen der Artikulationsorgane wie Kehlkopf, Zäpfchen, Gaumen, Zunge, Kiefer, Zähne, Lippen gezielt gesteuerte und untereinander koordinierte Bildung von Lauten.

Artikulationsart (auch: Artikulationsmodus), Art und Weise, wie der lautbildende Luftstrom im Mund- und Rachenraum beeinflusst wird, neben Artikulationsort das wichtigste Kriterium zur Klassifikation der Konsonanten.
s. auch → Artikulationsort

Artikulationsorgan (auch: Artikulator), [1] die beweglichen Organe, die an der Lautbildung beteiligt sind (Unterlippe, Zunge), [2] der Bereich im Mund-/Rachenraum, wo ein Laut jeweils durch das Zusammenspiel eines beweglichen (Unterlippe, Zungenspitze, -kranz, -blatt, -rücken, -wurzel) und eines unbeweglichen Organs gebildet wird.
s. auch → Artikulationsort

Artikulationsort (auch: Artikulationsstelle), Ort, an dem im Mund-/Rachenraum ein Laut gebildet wird. Eng gefasst: der relativ unbewegliche Teil (Oberlippe, Zähne, Gaumen, Zäpfchen und anderes, der bei der Lautbildung von einem Artikulationsorgan erreicht wird, weiter gefasst: jener Bereich, in dem zwei Artikulationsorgane (eines beweglich, eines unbeweglich) einen Laut bilden.
s. auch → Artikulationsart, → Artikulationsorgan

ASCII (auch: Amerikanischer Standard-Code für den Informationsaustausch), st eine 7-Bit-Zeichenkodierung. (von AnnZie)
s. auch → Bigraph

Aspekt, grammatische Kategorie des Verbs, die die Art, wie durch das Verb eine Handlung vollzogen wird, bezeichnet: durativ/inkompletiv als ohne zeitlichen Anfang und Ende, kompletiv-ingressiv mit Handlungsanfang, kompletiv-egressiv mit Handlungsende. Beispiel: durativ/inkompletiv: "blühen"; kompletiv-ingressiv: "erblühen"; kompletiv-egressiv: "verblühen"
s. auch → Aktionsart, → kompletiv, → inkompletiv

Aspektsprache, Sprache, deren Verbsystem durch die Aspektkorrelation/Aktionsart charakterisiert ist. Beispiel: Russisch, andere slawische Sprachen
s. auch → Aspekt

Assertion, [1] Inhalts-/Bedeutungsaspekt (die Behauptung) eines Satzes, der (die) bei Negation ins Gegenteil verkehrt wird, [2] in der Sprechakttheorie Sprechhandlungstyp des Behauptens/Feststellens, also eines Sprechhandlungstyps, in dem man eine Aussage über die Welt trifft, die entweder wahr oder falsch sein kann. Dieser Sprechhandlungstyp kann durch illokutive Verben (unter anderem "behaupten", "feststellen") gekennzeichnet sein/werden.
s. auch → Sprechakttheorie

Assertive, in der Sprechakttheorie Sprechhandlungstyp des Behauptens/Feststellens, also eines Sprechhandlungstyps, in dem man eine Aussage über die Welt trifft, die entweder wahr oder falsch sein kann. Dieser Sprechhandlungstyp kann durch illokutive Verben (unter anderem "behaupten", "feststellen") gekennzeichnet sein/werden.
s. auch → Sprechakttheorie

Assimilation, Prozess der phonetischen Angleichung benachbarter Laute zur artikulatorischen Vereinfachung. Beispiel: fünf: /fymf/ statt /fynf/

Asyndese, das Zusammenfügen von Elementen ohne Zuhilfenahme von Konjunktionen. Beispiel: Ich kam, sah, siegte'; 'Nun aber bleiben Glaube, Liebe, Hoffnung'; 'Alles rettet, rennt, flüchtet'

Attentuativ, Aktionsart des Verbes, die eine Milderung, Abschwächung ausdrückt.
s. auch → Diminutivum

Attribut, kurz attr (auch: Beifügung), syntaktische Funktion, die die adnominale Modifizierung von Wortgruppen ausdrückt. Attribute sind dem Bezugsnomen (Kernnomen) nebengeordnet. Die Attributtypen in 'das neue Auto deines Bruders mit vier Türen, das in Köln steht' sind Adjektivattribut ('neue'), Genitivattribut ('deines Bruders'), Präpositionalattribut ('mit vier Türen') und Relativsatzattribut ('das in Köln steht'). Ist das Adjektivattribut unmittelbar auf das Bezugsnominal folgend, so wird es nicht flektiert ('Whiskey pur').

Attributsatz, Nebensatz, der andere Satzglieder näher bestimmt, also als Attribut dient.
s. auch → Attribut

Aufforderungssatz (auch: Imperativsatz), Satzart, die dazu dient, eine/einen anderen zu bestimmten Handlungen zu bewegen.

Augmentativ (auch: Evolutiv), Aktionsart, durch die (zum Beispiel im Russischen) die Anfangs- und Entwicklungsphase des im Verbstamm ausgedrückten Vorgangs charakterisiert wird. Beispiel: zum Beispiel im Russichen: baltat’ (schwätzen) - probaltat’sja (ins schwätzen geraten)
s. auch → Augmentativum

Augmentativum (auch: Amplifikativum, Vergrößerungsform), Vergrößerungsform eines Substantivs (Gegensatz zum Diminutiv), im Deutschen nicht vorkommend.

Ausklammerung (auch: Ausrahmung), Nachstellung von Satzelementen, die eigentlich in die durch finites und infinites Verb gebildete Satzklammer gehören, zum Beispiel zur besonderen Betonung dieser Elemente. Beispiel: Er hat gespielt von morgens bis abends (Er hat von morgens bis abends gespielt)
s. auch → Nachfeldbesetzung, → Nachfeld

Auslaut, der letzte Laut einer Silbe oder eines Wortes.
s. auch → Anlaut, → Inlaut

Auslautgesetz, besondere Lautgesetze, die den historischen Prozess der Auslautverwendung an markierten Wort- und Silbengrenzen betreffen wie die Auslautverhärtung oder den Schwund auslautender Silben.

Auslautverhärtung, Stimmlosigkeit eines an sich stimmhaften Obstruenten an einer Morphem- oder Wortgrenze. Beispiel: Tag: [tak]; Sieb: [si:p]

Aussagesatz, Satz, mit dem eine Feststellung/ein Sachverhalt ausgedrückt wird.

Außenfeld (auch: Vor-Vorfeld, Left dislocation), ein aus dem Mittelfeld gelöstes und nach links zwischen Konjunktion und Vorfeld platziertes Satzglied. Solche Herausstellungen nach links können in allen Satztypen vorkommen, wirken aber oft grammatisch unkorrekt. Bei der Dislozierung rücken meist phorische Pronomen ins Vorfeld: 'Denn Peter hat Paul das Brot gegeben' zu 'Denn dem Peter, dem hat Paul das Brot gegeben'. Beispiel: "Denn dem Paul, dem hat Peter das Brot gegeben", "Auch die Susi, die hat es gesehen"

Äußerung, das Sich-Äußern als Vorgang beziehungsweise als sprachliche Handlung als auch das sprachliche Produkt/Resultat des Äußerungsvorgangs.

Austauschprobe (auch: Ersatzprobe, Ersetzungsprobe), Ermittlung syntaktischer Funktionen durch den systematischen Austausch einzelner Satzglieder oder anderer Elemente. Beispiel: Karl/er/sie/der Skilehrer kauft/nimmt/gibt ein Buch/ein Auto.
s. auch → Substitutionstest, → Weglassprobe

Autismus, Entwicklungsstörung im Sozial- und Kommunikationsverhalten (das Sichabsondern von der Außenwelt unter Einkapselung in die eigene Gedanken- und Vorstellungswelt).

Autosemantikum (auch: Bedeutungswort, Inhaltswort, Kategorema, Vollwort), Wort, das, unabhängig vom Kontext, eine selbstständige lexikalische Bedeutung hat und als Satzglied fungieren kann.
s. auch → Synsemantikum

Auxiliarverb, (Hilfs-)Verb, das nur mithilfe eines sogenannten Vollverbs das Prädikat eines Satzes bilden kann. Beispiel: sein, haben, werden

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Kommentare zu dieser Seite

Vielleicht wäre es ganz sinnvoll, Fachbegriffe auch in der richtigen Schreibung zu veröffentlichen (statt "Genetiv" "Genitiv)... :-)
Mittwoch, 19. Januar 2011 Gast