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Linguistische Grundlagen

Hier finden Sie den sechsten und jüngsten Bereich von mediensprache.net: basix. Er soll den anderen insofern als Basis dienen, als er die notwendigen linguistischen Grundlagen zum Gegenstand hat. Der Bereich wird – wie die anderen – sukzessive ausgebaut und besteht aus den Bereichen Phonologie/Phonetik, Morphologie, Syntax, Semantik, Semiotik und Pragmatik. Sie finden hier auch etwas über die Themen Orthografie, Sprachökonomie und E-Learning.

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NEUOrthografie

Tipp: Lagerkoller

Wutausbruch bzw. Lagerkoller

Wer in diesen Tagen allzu viel im Homeoffice arbeitet oder gar unter Quarantäne steht, dem droht ein Lagerkoller. Eben dieses Wort prägt zurzeit die Berichterstattung über die Folgen der Isolierung. Die Schreibung dürfte nicht schwerfallen – doch was bedeuten eigentlich seine beiden Bestandteile? Mit Lager ist ›Unterkunft‹ gemeint, was vielfältig kombiniert werden kann: Trainingslager, Flüchtlingslager, Zeltlager, Ferienlager etc. Einen Koller hat, wer aufgrund der einschränkenden Lagergrenzen negative Emotionen zeigt, etwa Wut oder Zorn. Verarbeitet ist dies in Frischs Mein Name sei Gantenbein oder Fusseneggers Zeit des Raben, wo »sie der Koller des Alleinseins [überfällt], die wilde Lust, aus der Stadt auszubrechen«. Nicht ausbrechen kann man etwa auch aus einer Raumstation (Weltraumkoller) oder anderen engen Grenzen: Höhlenkoller, Höhenkoller, Bunkerkoller etc. Im Duden ist das Wort als umgangssprachlich ausgewiesen. Es geht zurück auf althochdeutsch kolero ›Wut‹, und wer hier schon ahnt, dass es – wie auch die epidemische Infektionskrankheit Cholera – auf griechisch-lateinisch choléra ›Gallenbrechdurchfall‹ zurückgeht, hat vollkommen Recht. Auf der sich herausbildenden Bedeutung ›galliges Temperament, Zornesausbruch‹ basiert übrigens auch das Wort cholerisch: hier allerdings immer noch mit ⟨ch⟩ geschrieben. Ein Trost zum Abschluss: besser eine Wahl zwischen Koller und Corona als zwischen Pest und Cholera. (30.03.2020)

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Frederic Oepping beschäftigt sich in der Networx Nr. 88 mit dem Thema »Kleine Entfernung[k], großer Unterschied? Ein Vergleich der dialektalen Aussprachemerkmale zwischen Hannover und Herford«. mehr

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Kleine Entfernung[k], großer Unterschied? Ein Vergleich der dialektalen Aussprachemerkmale zwischen Hannover und Herford

Im deutschsprachigen Raum hält sich hartnäckig die Annahme, das beste Hochdeutsch würde in Hannover gesprochen. Dieser Auffassung widersprechend, widmet sich diese Arbeit der im dialektschwachen Raum Ostwestfalen liegenden Mittelstadt Herford mit der These, dass die Herforder dasselbe hochsprachliche Niveau wie die Stadt Hannover erreichen. Um dies zu überprüfen, wurde eine Vergleichsstudie mit 32 Herfordern in einem zehnminütigen Test durchgeführt. Die Studien beider Städte befassen sich mit denselben vier sprachlichen Merkmalen des Niederdeutschen. Die Probanden wurden nach Geschlecht, Alter und Schulabschluss differenziert.
Die Untersuchung zeigt, dass das hochsprachliche Niveau der beiden Städte vergleichbar ist. Bei zwei der vier Artikulationsmerkmalen zeigen die Herforder Sprecher eine geringere dialektale Realisierung auf, der Gesamtdurchschnitt weist lediglich eine Differenz von zwei Prozent zugunsten der Hannoveraner auf. Die sozialen Variablen zeigen ebenfalls eine geringe Differenz, sowohl zwischen den Städten als auch forschungsintern. Einzig beim Alter lässt sich ein signifikanter Unterschied feststellen, der aussagt, dass jüngere Sprecher weniger zur dialektalen Artikulation neigen als ältere.
Die Erhebung ist ebenfalls ein Beleg für die Annahme, dass die Hochsprachlichkeit im gesamtnorddeutschen Raum vergleichbar ist und Hannover diesbezüglich keine Sonderrolle einnimmt. Für Ostwestfalen ist dies die erste empirische Erhebung einer Stadtsprache. mehr

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Literatur

Neue Publikationen zum Thema

Oepping, Frederic (2020). »Kleine Entfernung[k], großer Unterschied? Ein Vergleich der dialektalen Aussprachemerkmale zwischen Hannover und Herford«. Nr. 88 in unserer Online-Reihe Networx. online lesbar

Schlobinski, Peterm (2019). »Berlinisch: variation and transformation processes of a city language«. Aufsatz im Sammelband The Sociolinguistic Economy of Berlin. Cosmopolitan Perspectives on Language, Diversity and Social Space. mehr

Heyd, TheresaFerdinand von MengdenBritta Schneider (Hg., 2019). The Sociolinguistic Economy of Berlin. Cosmopolitan Perspectives on Language, Diversity and Social Space. Berlin/Boston. mehr


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Kommentare zu dieser Seite

Vielen dank! Die Seite hat mir bei meienr BA-arbeit gut geholfen.
Freitag, 25. April 2014 Moyang
Die Infos sind sehr hilfreich, bitte unbedingt erweitern.
Samstag, 29. März 2014 Juliane_Briem
Sie sollten die Rubriken mit neuen Begriffen kodieren um seriöser zu wirken. Ausserdem sollten Sie das Seitendesign neu überarbeiten und links besser farblich hervorheben (:
Montag, 9. Juli 2007 Gast