WELT.de - Literarische Welt
DIE WELT
Samstag, 30. Juli 2005     Berlin, 12:38 Uhr

DIE WELT
Suche      
WELT AM SONNTAG

AKTUELL

POLITIK
WIRTSCHAFT
FINANZEN
IMMOBILIEN
KULTUR
SPORT
FORUM
WISSENSCHAFT
MEDIEN
VERMISCHTES

HAMBURG
BERLIN
BREMEN

REISEWELT
LITERARISCHE WELT








    Essay
    Portrait
    Buch der Woche
    Rezensionen
    Belletristik
    Sachbücher
    Politisches Buch
    Gedicht
KARRIEREWELT
BUSINESS EXPLORER
AUTO & BOOT

ABONNEMENT
ANMELDUNG
ARCHIV
IMPRESSUM
KONTAKT
MEDIAWELT
TV-PROGRAMM

Chatten, downloaden, mailen

Von Carter Dougherty

Die Sätze, die die Hüter der deutschen Sprache erschrecken, befinden sich oft im Internet. Wo die neueste Technologie herrscht, herrscht auch die neueste Art zu kommunizieren. Wenn ein Hund über die Straße und durch die Häuser läuft, dann laeuft er in der digitalen Sprache ueber die strasse und durch die haeuser. Und wenn Software erworben werden muss, dann lieber downloaden als zum Laden gehen. In E-Mails und Chat-Rooms erlebt Deutsch einen Wandel.

Dass technologische Entwicklungen eine Sprache verändern können, ist nichts Neues. Doch die Geschwindigkeit, mit der der Computer und seit etwa zehn Jahren das Internet die deutsche Sprache beeinflussen, ist beeindruckend. Und dieser Einfluss führt nicht nur zur Aufnahme englischer Wörter in den deutschen Wortschatz. Auch die Oberfläche der Sprache sieht im Internet anders aus.

Denn die Technologie setzte für die Sprache Richtlinien, die bisher kein Thema gewesen waren. Zum einen gibt es die weit verbreitete Zeichensprache ASCII, die zwar die digitale Erkennung von Buchstaben bei fast allen Computern ermöglicht, die aber gleichzeitig die Benutzung von nicht englischen Buchstaben deutlich erschwert. Viele Computer können die Einzelheiten einer nicht englischen Sprache nicht immer erfassen.

Man weiß bei einer E-Mail einfach nicht, ob das ß und die Umlaute ankommen. Also offenbart sich eine Tendenz, das ß und den Umlaut einfach abzuschaffen. Und die deutsche Sprache macht es so einfach. Mit einem e nach den Vokalen a, o und u sowie einem ss statt ß löst sich das Problem von selbst.

Zusätzlich gehorcht die Internet-Sprache einem weiteren Gesetz, das mit den Sitten des Internet zu tun hat. Die Kommunikation wird der Schnelligkeit unterworfen. Es kostet Zeit, auf der Tastatur zwei Tasten drücken zu müssen, um einen Großbuchstaben zu schaffen! Gechattet wird in Kleinbuchstaben.

Doch man muss keinen Chat-Room betreten, um den Einfluss des Internet auf die Sprache zu spüren. Auch die Vokabeln verwurzeln sich langsam -- wie downloaden und upgrade. Es ist deswegen kein Wunder, dass sich eine Gegenbewegung gegen unnötige Anglizismen formiert hat. Der Verein zur Wahrung der deutschen Sprache, unterstützt von seinen 6000 Mitgliedern, leistet Widerstand. Es gibt für einen großen Teil des englischen Computer-Jargons perfekte und oft bessere deutsche Wörter, donnert der Vereinsvorsitzende Walter Krämer.

Solche Kampagnen belächelt der Sprachwissenschaftler Peter Schlobinski, der an einer Studie der Universität Hannover über Internet-Sprache mitgearbeitet hat: "Wir brauchen die Anglizismen." Außerdem könne die Technologie genauso schnell wegnehmen, was sie hervorgebracht hat, mahnt Schlobinski. In den 80er Jahren musste der durchschnittliche Benutzer Kommandozeilen lernen, um mit einem Computer arbeiten zu können. Dann kamen Macintosh und Microsoft mit ihren grafischen Oberflächen. Und plötzlich waren Wörter an sich überflüssig -- egal in welcher Sprache.


Zur aktuellen Channel-Übersicht
Tagesübersicht

erschienen am:02. 10. 1999
Channel:Literarische Welt
Bereich:Literarische Welt

 Druckversion
 Artikel versenden
 Leserbrief
Tagesinhalt 02. 10. 1999

10:51Die deutschen Sachbuch-Charts
10:49Die deutschen Belletristik-Charts
18:22Arabische Handschriften von Goethes Orient-Berater wiederentdeckt
weitere aktuelle Meldungen

DIE KRIMIWELT
Rezensionen und Ranking der besten Kriminalromane