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Mitteilungen von Dr. Torsten Siever

Im Folgenden können Sie die zuletzt erstellten Mitteilungen des Mitglieds einsehen. Bitte beachten Sie, dass für die Inhalte, die nicht die Meinung der Betreiber darstellen müssen, das Mitglied verantwortlich ist.


Sprachkuriositäten aus dem Alltag: Huhn oder Ei?

Der Slogan einer deutschen Hochschule besagt, dass an dieser "über 4.500 Studierende mit ihren 113 Professorinnen und Professoren an der Zukunft [arbeiten]". Das Konzept ist klar, aber semantisch nicht unproblemtatisch: Oder gehen in Hannover rund 12.000
Hunde mit ihren Herrchen und Frauchen Gassi?

erstellt: 05.04.2014 00:23 von Torsten Siever | geändert: 05.04.2014 23:10 | Verstoß melden

Mepfel oder Sendi?

Was würden wir Linguisten doch nur ohne unsere Produktwelt machen! Wir würden für Wortkreuzungen noch heute das viel zitierte - und dann auch noch entlehnte - "Smog" anführen. Oder das betagte "Kurlaub" (wer bekommt den heute noch?!). Zum Glück gibt es die Produktvielfalt, für die es Namen zu vergeben gilt. Und wenn die Aufgabe dann einer/m ehemaligen Linguistikstudentin/en zukommt, erinnert er oder sie sich vielleicht zurück ans Studium und verschafft uns neue Belege.

Blukkoli oder Olivonnaise hieß es mal vereinzelt beim Einzelhändler, doch nun wurde eine ganze Produktreihe cremiger Brotaufstriche mit Wortkreuzungsprodukten benannt: "streich's drauf" (schon das ist eine Fundgrube für Sprachinteressierte) gibt es in den Sorten Basitom, Bruschesto, Mepfel, Papucchini, Sendi, Tomesan, Arrabitom und Papayango.

Während Basitom noch einfach aufzuschlüsseln ist, muss man bei Mepfel schon nachdenken: Me ist der Anfang vom Meerrettich, und ngo bei Papayango das Ende der Mango und di in Sendi der Anfang eines besonderen Gewürzes mit vier Buchstaben. Und Tomesan? Eine Salbe? Auch cremig, besteht aber aus Tomate und Parmesan. Richtig aus der Reihe fällt allein Arrabitom; hier werden nicht zwei Hauptzutaten, sondern eine Zutat und ein Adjektiv miteinander gekreuzt (arrabiata = ital. für 'scharf'). Im Sinne echter Reihenbildung wäre es also linguistisch folgerichtiger gewesen, von Peperronate oder Tomroncini zu sprechen.

Egal, endlich wieder neue Beispiele. :) Sie haben eine Benennung noch nicht entschlüsseln können? Unten gibt es den Link mit den Auflösungen.

mehr: http:/­/­www.zwergenwiese.de/­produkte/­streichs-drauf/­

erstellt: 01.12.2013 13:39 von Torsten Siever | geändert: 01.12.2013 16:58 | Verstoß melden

Dear all, Ute!

E-Mails sind eine prima Erfindung. Zwar konnte man in Word & Co. ebenfalls Rundschreiben erstellen, doch derart komfortabel und vor allem so simpel wie in E-Mails wird der Vielversand wohl niemals funktionieren.

Was einfach ist, wird entsprechend oft genutzt. Mit der Zunahme der Rundmails geht allerdings auch die der komplexen Anreden einher: "Lieber Herr Schnippelmeier, sehr geehrte Frau Müller, lieber Uwe, ..." Die vom Brief bekannte Alternative "Sehr geehrte Damen und Herren" ist unbrauchbar, da E-Mails zahlreich und schnell verschickt werden und der E-Mail-Stil ein anderer ist, und so muss was Neues her. Es wurde auch schon gefunden, und zwar in der englischen Sprache, woraus ein übersetztes "Liebe alle" wurde. Interessanterweise wurde selbst die Kleinschreibung übernommen.

Um die Komplexität in Grenzen zu halten, wird bereits ab zwei adressierten Personen die ökonomische Anrede verwendet, was zu der Überlegung führt, ob man in dieser Folge nicht gleich auch die E-Mail-Vorlage entsprechend ändern könnte. Allerdings werden E-Mails ja immer auch noch an Einzelpersonen versendet, was die empirisch zu lösende Frage aufwerfen könnte, ob mehr Sendungen an Einzel- oder mehr an mehrere Personen gehen. Unnötig: Selbst wenn nur an eine Person adressiert, wird die E-Mail an "alle" (Empfänger) verschickt.

Prima Erfindung, prima Lösung.

erstellt: 12.07.2012 11:01 von Torsten Siever | Verstoß melden

Gibt's, kann's, nicht's

"Überlassen Sie nicht's dem Zufall" - soweit die Headline eines aktuellen Werbemittels der Sparkasse. Klitisierungen wie in "gibt's" gibt's schon länger. Auch das apostrophierte Genitiv-s hinter Vornamen ist inzwischen sogar rechtschreibkonform: Uwe's Imbiss.

Aber "nicht's"? Aber warum denn auch nicht? Schließlich gibt es neben "nichts" auch "nicht"! Doch was beinhaltet dann eigentlich das "s" in "nichts"? Nichts, eben. Aber es liegt ein identischer Wortausgang vor, womit analoge Apostrophierung schon einen Sinn ergibt. Also, quo vadi's? Wir hätten da noch recht's, stet's, bereit's und das Abseit's. Das ist zwar noch jenseit's der Rechtschreibnorm. Aber es gibt nicht's, was es nich't gib't.

erstellt: 06.03.2012 10:44 von Torsten Siever | geändert: 12.03.2012 17:38 | Verstoß melden

VDS ist Sprachpanscher des Jahres

Der Verein Deutsche Sprache (VDS) hat also wieder einen Schurken gefunden. Telekom-Chef René Obermann ist mit dem anrüchigen Preis des „Sprachpanschers des Jahres“ ausgezeichnet worden. Die Tarifbenennungen und Seiten der Telekom im Internet seien „eine Schocktherapie im Horrorkabinett der deutschen Sprache“, so der Verein.

Also schon wieder die Deutsche Telekom. Hat René Obermann von der einstigen Auszeichnung Ron Sommers nichts gelernt? Dass es die Telekom aber wieder einmal trifft, ist nicht nur hausgemacht: Das Unternehmen ist in der Telekommunikationsbranche tätig, wo Begriffe wie „Smartphones“ und „Apps“ nicht einfach nur Benennungen sind. Sie sind Ausdruck von Technologie, Fortschritt, Trends – sorry: Entwicklungstendenzen. Natürlich könnte die Telekom auf ihren Internetseiten „schneidige funktionstüchtige Telefone“ anpreisen, für die in einem speziellen „Anwendungskaufladen“ mehrere Tausend Anwendungen (kurz vielleicht „Anwis“?) zur Verfügung stehen. Das schafft neue Käuferschichten, die mit „Store“ und schon gar nichts mit Kurzwörtern wie „App“ etwas anfangen können, und ist sprachpolitisch voll korrekt. Man könnte zwar einwenden, dass die Telekom konkurrenzbedingt schon genug Probleme mit Kunden hat, aber dann kommt es auf ein weiteres auch nicht mehr an.

Ja gut, die Begründung von Pressesprecher Christian Fischer für den Einsatz von Anglizismen wie „App“ und „Smartphone“ ist zugegebenermaßen nicht die Beste: „Es ergibt für uns keinen Sinn, etwa an Flughäfen mit internationalem Publikum, dort ein Mobilfunk-Angebot mit einem deutschen Produkt-Namen zu bewerben.“?! Wie sollen zwischengelandete Fluggäste denn einen Mobilfunkvertrag bei der Deutschen Telekom abschließen können, wenn die Tarife nicht in englischer Sprache verfasst sind?

Aber halt: „Eine Schocktherapie im Horrorkabinett der deutschen Sprache“? Lieber Verein: „Schock“ ist doch englischsprachiger Herkunft! Und auch „Horror“ kam doch über den Umweg des Englischen zu uns. „Therapie“ ist übrigens auch nicht „Deutsch“ (entlehnt aus dem Griechischen) und "Kabinett" klingt doch ziemlich französisch. Damit hätten wir auch schon den nächsten Sprachpanscher des Jahres.

mehr: http:/­/­www.mediensprache.net/­de/­news/­show/­201108283984.aspx

erstellt: 28.08.2011 09:43 von Torsten Siever | geändert: 28.08.2011 10:48 | Verstoß melden

Dialogannahme hier

Die Deutsche Bahn wird bekanntlich und oft gescholten für komplexe Wortbildungen (Unterwegsbahnhöfe) und "Denglisch" (Service Point), aber auch andere Unternehmen können durchaus mithalten. Die Volkswagen AG etwa setzt auf Corporate Identity, und so kann man bei jeder VW-Werkstatt einheitlich lesen: "Neuwagen", "Zubehörverkauf" ... und "Dialogannahme".

Richtig, man stutzt. Und beim zweiten Hinschauen wird klar, dass sich Volkswagen nicht nur eines bedürftigen Autos annimmt, sondern auch eines Dialogs. Ein Kunde, der Kontakt aufnehmen möchte, sucht hier also vergebens nach einem Ansprechpartner: Er oder sie kann hier seinen oder ihren Dialog nicht führen, sondern diesen lediglich abgeben. Aber in welcher Form? Muss man ihn schriftlich mitbringen? Das Gespräch antizipieren? Dann doch lieber der "Service Point" der Deutschen Bahn.

erstellt: 17.04.2011 20:06 von Torsten Siever | geändert: 29.09.2011 13:01 | Verstoß melden

Ramsauers Nebenschauplatz

"Sprachwahrer des Jahres" soll ihn die Fachzeitschrift "Deutsche Sprache" genannt haben. Verkehrsminister Peter Ramsauer verhandelt seit ein paar Monaten verstärkt mit Unternehmen mit dem Ziel, die Anglizismen einzudämmen.

So soll etwa der Reifenhersteller Goodyear den "Highway Hero" in "Held der Straße" umtaufen. Und die Deutsche Bahn ist ja schon seit jeher ein Dorn im Auge. Zuerst die Normverletzungen bei "BahnCard" & Co. durch die Binnengroßschreibung und dann auch noch zunehmend "Internationalisierung". Dabei sind doch die meisten Fahrgäste Deutsche! "Call a bike" soll folgerichtig in "Stadtrad" umbenannt werden.

Spaß beiseite: "Stadtfahrrad" wäre besser, denn "Stadtrad" und "Stadtrat" sind homonym, nicht unproblematisch bei Fragen wie "Wo ist Stadtrad/t" - "Im Rathaus oder vorm Bahnhof - je nachdem ...". Und dass man ein Stadtrad mieten kann, muss man dann auch erst einmal lernen.

Klarer Erfolg: Zugesagt haben soll die Deutsche Bahn, die "Service Points" in "Information" umzutaufen. Tauschen wir also einen Anglizismus gegen einen Latinismus aus. Für unsere Gäste aus dem Ausland. Der Vorteil und vermutlich Trick der Deutschen Bahn: "Dt." Information ist homograph zu engl. Information ... kein Wunder, dass die Bahn hier eingelenkt hat. ;-)

erstellt: 18.03.2011 08:00 von Torsten Siever | geändert: 19.03.2011 17:30 | Verstoß melden

Siever, Σιεωερ, siEvEr?

wer hätte das gedacht, dass ich jemals darüber nachdenken würde, ob und warum ich einen namen kleinschreiben und damit anders als andere schreiben sollte. unter einem url kann man nachlesen, warum man von der regulären schreibung abweichen und neben all den vielen anderen namen, die in einer bibliografie mit einem großbuchstaben beginnen, eben diesen namen ausnehmend mit kleinen buchstaben schreiben soll. ich gebe zu: ich habe bei der halben begründung das handtuch geworfen, da gründe wie "balance" und "something elegant about that" ihr gutes recht auf beachtung haben mögen, diese mich jedoch auch zu der ahnung geführt haben, dass bereits ausreichend viele menschen in und außerhalb von behörden dem phänomen ausreichend viel zeit gewidmet haben werden.

Neben sprachlichen Gründen (diese Normhörigkeit!) ziehe ich wohl auch die typografische Ästhetik der anderen Ästhetik vor. Für alle folgenden "fehlerhaften" Bibliografien also: sry!

mehr: http:/­/­www.danah.org/­name.html

erstellt: 15.02.2011 16:49 von Torsten Siever | geändert: 22.04.2011 16:16 | Verstoß melden

"Geil ist geil!"

Nach dem Geiz ist nun also der/das/die Geil das, was geil ist. Nein, der Elektronikmarktriese schreibt das Adjektiv ja klein und setzt damit nun auf eine klassische rhetorische Figur, die Tautologie. Man denkt an Waschmittel, die weißer als weiß waschen und Autos, die laufen und laufen. Nach den 80ern werden nun eben die 50er Jahre modern. Vorschlag für die nächste Anpassung des Slogans: "einfach geil!" oder einfach "geil!".

erstellt: 03.02.2011 15:00 von Torsten Siever | Verstoß melden

"in Webmail-Konto an Ihr Webmail aktuellen Login-Seite"

Nicht nur, dass der Satz "Sie können auch Ihre Email-Adresse bestätigen, indem Sie in Webmail-Konto an Ihr Webmail aktuellen Login-Seite." nicht sehr vertrauenserweckend ausschaut, es ist auch der Inhalt einer jeden Phishing-Mail, die die Statistiker in ein schlechtes Licht rückt. Diese nämlich behaupten, dass es immer noch Rückmeldungen auf E-Mails dieser Art gibt, die über Formulare Account-Daten erbitten.

"Sie müssen durch die Bereitstellung dieser Informationen unten, so dass wir aktualisieren Upgrade und wissen, wenn Ihr Account gültig ist.

Bestätigen Sie ihre Email IDENTITY darunter.
---------------------------------
Benutzername: ==========
Passwort: ==========
Geburtsdatum: ============
Staat: ==============="

Keine Bank, keine Firma dieser Welt würde erfolgreich sein, wenn sie Formulare mit solchen Formulierungen verschicken würde - und falls doch, könnte sie die PR-Abteilung schließen.

erstellt: 03.02.2011 14:44 von Torsten Siever | Verstoß melden

Gehen wir Familienumkleide?

Diese Form der syntaktischen Reduktion, die heute im Schwimmbad zu hören gewesen ist, erwartet man von einer Sprecherin, für die Deutsch offensichtlich die Erstsprache ist, eher nicht. Aus TV-Shows wie Erkan & Stefan ist ähnliches allerdings schon bekannt. Ob beginnender Sprachwandel oder kurzfristige Modeerscheinung, lässt sich schwer sagen. Aber eine Aussage ist möglich: Sie ist sprachökonomisch.

Die Tilgung von Präposition und Artikel ist nichts anderes als die Reduktion auf den semantischen Kern der Präpositionalphrase. Und diese ist zweifelsfrei rekonstruierbar: "gehen" kann in Verbindung mit Verben stehen (einkaufen gehen), mit den Präpositionen zu/nach/über etc. und in Verbindung mit dem Adverb "miteinander". Letzteres ist damit ebenso auszuschließen wie der erste Fall, da "Familienumkleide" kein Verb ist. Bleiben nur Präpositionen wie "zu der"/"in die"/"auf die" etc. "Familienumkleide".

Damit ist der reduzierte Satz relativ klar zu interpretieren und kann unter Umständen als Ellipse bezeichnet werden, die (relativ) eindeutig rekonstruiert werden kann - und unterscheidet sich damit deutlich von Formen, die nicht so unkompliziert zu verstehen sind - wie "Ich mach dich Messer!".

erstellt: 06.01.2011 16:00 von Torsten Siever | geändert: 12.01.2011 18:07 | Verstoß melden

Morgens im NDR-Funkhaus

Stress beim Rundfunk: Als Studiogast vom WDR (Funkhaus Wallrafplatz) sollte ich im NDR-Funkhaus zugeschaltet werden. Doch trotz einer karsamstäglichen Frühankunftzeit (9:00 Uhr) brach Stress aus, da sich erst um 9:18 eine Mitarbeiterin einfand, weshalb ich um 9:22 immer noch keinen Kopfhörer trug - und um 9:20 die Sendung mit der Anmoderation bereits begonnen hatte. Glücklicherweise gab es einen weiteren Studiogast, Jörg Schieb, an den die erste Frage gehen konnte.

Osterstress statt Osterurlaub...

erstellt: 04.04.2010 13:39 von Torsten Siever | geändert: 04.04.2010 13:41 | Verstoß melden

Schnee im Spätsommer

Apple bringt nach der MacOS-Version X.5 alias "Leopard" den "Snow Leopard" auf den Markt. Er wirft vor allem alten Ballast über Bord, sodass bei der Installation rund 10 GB eingespart werden. Dass das System schneller läuft, versteht sich daher von selbst.

Viel Neues gibt es aber nicht. Aber das verrät der Alias mehr als die Versionsnummer X.6.

erstellt: 06.09.2009 19:22 von Torsten Siever | geändert: 06.09.2009 19:40 | Verstoß melden

Immer mehr Fotos im Netz

Nach einem Bericht von mediensprache.net veröffentlichen 20 Millionen Deutsche in Social-Community-Plattformen Fotos von sich.

Dem Branchenverband Bitkom zufolge sind es in diesem Jahr bereits 20 Millionen User, die private Fotos ins Netz gestellt haben. Besonders beliebt (vier Füntel) sei dies bei jungen Menschen im Alter von 10 bis 17 Jahren auf Netzwerkportalen wie Facebook und StudiVZ. Auch Videos würden zunehmend ins Internet gestellt: 5,6 Millionen Deutsche hätten in diesem Jahr eigens produzierte Clips veröffentlicht.

Die Tendenz ist dabei steigend: 2008 waren es noch 15 Millionen User und 4,4 Millionen Videos. Neben dem Wunsch, "andere an ihrem Leben teilhaben [zu] lassen" (Bitkom-Vizepräsident Achim Berg), dürfte die fortgeschrittene Technik das Verhalten fördern.

erstellt: 06.09.2009 18:52 von Torsten Siever | geändert: 20.09.2010 14:34 | Verstoß melden

 

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