Startseite Kontakt Sitemap Hilfe anmelden
Hannover, 04.02.2012

in english

Standort:  Startseite Startseite   Websprache   Chat   Inflektive   Ursprung

Der Ursprung von Inflektiven

Die Frage nach dem Ursprung macht natürlich auch vor den Inflektiven nicht halt. Inflektive wie *freu* erinnern vor allem an Comics. Hier werden und wurden sie vornehmlich als Lautwörter (Onomatopoetica) eingesetzt, um die auf Papier nicht realisierbaren Laute und Klänge indirekt darzustellen. Beispiele hierfür sind knarr, zisch und klapper. Neben den kurz auch Onpos genannten Wörtern gibt es in Comics auch solche, die Mimik und Gestik begleiten bzw. unterstreichen und andere, die ganze Handlungsstränge in ein oder wenige Wörter stecken – z.B. kick! kuppel! schalt! (für ein rasant wegfahrendes Motorrad). Sind diese Wörter nun die ersten Inflektive?

Während Teuber (1998) den Ursprung der Inflektive schon weit vor der Comic-Zeit ansetzt, sieht Schlobinski (2001) in diesen Wortstämmen den entscheidenden Anfang der Inflektive. Für Teuber sind Inflektive schon älter, da Johann Christoph Adelung sich bereits 1782 mit knall beschäftigt. Schlobinski hingegen hält diese Auseinandersetzung und möglicherweise weitere Inflektiv-Belege für singuläre Erscheinungen und sieht in den Comics die maßgebliche Quelle.

Den ersten möglichen Beleg konnte Schlobinski im Mickey Mouse newspaper comic strip vom 23.5.1931 finden - d.h. als Comic-Folge in einer Zeitung (CLICK, s. Abb. 1). Es handelt sich hierbei allerdings um einen englischsprachigen Comicstrip, sodass der Infinitiv mit der Nominalform übereinstimmt (to click, klicken vs. click das Klicken). Im ersten deutschsprachigen Micky Maus finden sich allerdings eindeutige Inflektive. Das in Abbildung 2 dargestellte könnte noch eine nicht übersetzte Form sein, während poch (S. 13), schnapp (S. 18) und knarr (S. 30) zweifelsfrei deutschsprachige Inflektive sind. (zu Comics s. Dolle-Weinkauff 1990)

Neben Comics gibt es weitere Mediengenres, in denen Inflektive zu finden sind. Zuvorderst sind hier Fanzines zu nennen, welche vornehmlich im Bereich Sport, Spiel und Musik bekannt sind. Fanzines sind häufig kostenlose Zeitschriften und Zettelansammlungen von Fans für Fans. Ihre Qualität reicht von Schwarzweißkopien bis hin zu Vielfarbdrucken, welches sich vor allem aus der Auflage und dem Werbe- und ggf. Verkaufserlös ergibt. Da diese zumeist von Jugendlichen erstellt werden, verwundert es nicht, dass Inflektive zu finden sind (Lach, Kicher aus Bloody Gore o.J., Heft 53, S. 11). Schlobinski konnte weitere Belege finden in der Bild-Zeitung v. 3.7.2000 (Schumi: Stotter, stotter, raus!), der Wochenzeitung DIE ZEIT v. 8.5.2000 (zwinker, zwinker), in der SMS-Kommunikation (drueck) sowie der Rundfunkwerbung aus dem Frühjahr 2000 (geifer, gier, schleckschleck).

Diese und weitere Belege deuten darauf hin, dass Inflektive zumindest heute keine singulären Erscheinungen mehr sind und in der Tat "über den Jargon Jugendlicher in die Umgangssprache Eingang" (Dolle-Weinkauff 1990: 71) gefunden haben. Begonnen hat letzteres gewisslich mit den Comics.

Angemerkt sei noch, dass lediglich einfache Inflektive als Belege gefunden worden sind. Komplexere Inflektiv-Konstruktionen hingegen sind anscheinend noch etwas Chat-Spezifisches.

Näheres zu Inflektiven und Inflektivkonstruktionen

Belege aus der Chat-Kommunikation

 

Zitierte Literatur

Dolle-Weinkauff, Bernd (1990). Comics. Geschichte einer populären Literaturform in Deutschland seit 1945. Weinheim/Basel.

Schlobinski, Peter (2001). "*knuddel – zurueckknuddel – dich ganzdollknuddel*. Inflektive und Inflektivkonstruktionen im Deutschen". In: Zeitschrift für germanistische Linguistik, Nr. 29.2. S. 192-218.

Teuber, Oliver (1998). "fasel beschreib erwähn – Der Inflektiv als Wortform des Deutschen". In: Germanistische Linguistik, Nr. 141-142. S. 7-26.

 

Torsten Siever

erstellt: 05.08.2002

 aktualisiert: 24.06.2009 

empfehlen

7 Bewertungen


   facebook: gefällt mir - Link öffnet sich in einem externen Fenster   studiVZ - Link öffnet sich in einem externen Fenster   mySpace - Link öffnet sich in einem externen Fenster   Mister Wong - Link öffnet sich in einem externen Fenster   googleBookmarks - Link öffnet sich in einem externen Fenster
Suche
2-Klick-Bewertung

Diese Seite ist gut!

Diese Seite geht so.

Diese Seite ist wenig nützlich.

Bewerten Sie die Nützlichkeit dieser Seite mit einem Klick - vielen Dank!

Newsletter
Tell a friend

Sie können diese Seite nicht für sich behalten? Empfehlen Sie sie ruhig weiter. mehr

Das Web zitieren?

Wie Sie Dokumente aus dem Web zitieren, verrät der Electronic Style Guide. mehr

Begriff unklar?
zu den Web-Lexika

Testen Sie un­sere klei­nen Wörter-bücher. Sie ent­halten zen­trale Be­grif­fe aus dem Be­reich Tech­nik/Wer­bung, sol­che zur Linguis­tik und aus dem Ber­li­nischen. mehr


© 1998-2012 sprache@web < ein Projekt an der Leibniz Universität Hannover >
[ Startseite | Seite empfehlen | Sitemap | Dialog | Mitwirken ]
[ Impressum | Nutzungsbedingungen | Abonnieren Sie unseren XML-Feed ]