Digitale Kommunikation

Inflektive und Inflektivkonstruktionen

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*knuddel* und *ganzdollknuddel* – dies sind Phänomene der Online-Kommunikation, die eine Sonderstellung im Deutschen einnehmen. Es sind frei stehende Prädikate, die nicht finit sind und nicht flektiert werden. Bei finiten Verbformen kommen allein stehende Prädikate vor allem bei Imperativen vor (Schweigt!). Entsprechende Prädikate finden sich bei infiniten Formen, zu denen neben den Infinitiven das Partizip I und II gehört, vorwiegend bei dialogischen adjacency pairs (»Lachend ging er zur Gerichtsverhandlung.« – »Lachend?«) oder bei root infinitives (insbesondere in der Kindsprache: ([Das] haben!).

In der Online-Kommunikation und hierbei vorwiegend in Chats sind ebenfalls frei stehende Prädikate zu finden, die eine mehr oder weniger neue Form darstellen (s.u.). Teuber (1998) führte für diese Verbstämme – allerdings nicht in Bezug auf die Online-Kommunikation – den Begriff Inflektiv ein. Schlobinski (2001) explizierte diese durch Differenzierung zwischen ›einfachen‹ Inflektiven und Inflektivkonstruktionen. Beispiele für erstere sind neben knuddel (Verbstamm) Belege wie raetselraetsel (Reduplikation des Verbstamms) und dahinschweb (Verbpartikel + Verbstamm), während klappeaufreissundhandvorhalt zu den Inflektivkonstruktionen zu zählen ist. Dies ist insofern sinnvoll, als hier nicht nur Verbpartikeln ergänzt werden, sondern Adverbien oder Substantiva etc. Hier spricht man von Inkorporationen, wobei der Prototyp von Inkorporation die Komposition eines nominalen Wortstammes mit einem Verb ist (z.B. Rad fahren -> radfahren).

Sehr häufig finden sich Inflektive in Asterisken (*knuddel*), wobei diese Sternchen nicht allein für Inflektive und Inflektivkonstruktionen verwendet werden. Es finden sich mit steigender Tendenz auch Sequenzen in Asterisken, die Emphase oder Nachdruck ausdrücken sollen, und Aussagen, die zwar den Inflektiven ähneln, jedoch keine solchen sind wie *immer noch ein wenig müde ist*. Zwar ist die Verbletztstellung hier ebenfalls zu finden, doch ist das Verb flektiert. Weitere Belege wie *nur ein Scherz* sind nicht eindeutig zuzuweisen, da das Verb getilgt worden ist; denkbar wäre *nur ein scherz [gewesen sei]* gleichsam wie *[war] nur ein Scherz*.

Der Ursprung – Woher Inflektive kommen

weitere Beispiele


Torsten Siever

Zitierte Literatur

Schlobinski, Peterm (2001). »*knuddel – zurueckknuddel – dich ganzdollknuddel*. Inflektive und Inflektivkonstruktionen im Deutschen«. Aufsatz in der Zeitschrift für germanistische Linguistik. mehr

Teuber, Oliver (1998). »fasel beschreib erwähn – Der Inflektiv als Wortform des Deutschen«. Aufsatz in der Zeitschrift Germanistische Linguistik. mehr

Ihre Meinung

Kommentare zu dieser Seite

euer inflektivartikel ist super, will grade eine hausarbeit zum thema anfangen :)
Montag, 8. März 2010 Gast
sehr informativ, danke (:
Sonntag, 3. Januar 2010 Gast
die sprache ist einbisschel kompliziert.:S
Mittwoch, 14. Januar 2009 Gast