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Das Zitat im Internet – Vorbemerkungen

Das Internet mit seiner immer noch ungebrochenen explosionsartigen Ausbreitung etabliert sich unaufhaltsam zu dem Informations- und Kommunikationsmedium schlechthin. Wissen, das Arbeitsmaterial der Wissenschaft, wird unter dem Stichwort »Knowledge Management[]« – künftig noch weit mehr als heute – in Datenbankstrukturen abgebildet, die den weltweiten und zeitverzögerungsfreien Zugriff auf Informationen erlauben.

Doch bei allen phantastisch anmutenden Möglichkeiten und Vorteilen, die diese Technologie wie ein Füllhorn über seine Nutzer ausschüttet, darf nicht vergessen werden, dass es gerade auf der Ebene der wissenschaftlichen Brauchbarkeit vielerorts noch nicht befriedigend gelungen ist, das Medium Internet in den Kontext der etablierten Medien wie Zeitschriften und Bücher vollständig zu integrieren – und umgekehrt. Die Bemühungen der Einbindung des Neuen in das Bewährte sind allerorten groß; gleichwohl wird es noch eine Zeit dauern, bis »vom Papyrus bis zur heutigen Zeitung alle menschlichen Geistesleistungen auf dem Monitor abrufbar« (Der Spiegel 1996: 183) sind und auf diese genauso sicher Bezug genommen werden kann, wie auf gedruckte Erzeugnisse.

Im Rahmen unseres Projekts sprache@web an der Universität Hannover ist immer wieder die eine Frage an uns herangetragen worden: »Wie zitiere ich eine Quelle aus dem Internet?« Zu unserem Erstaunen war im deutschsprachigen Raum keine gedruckte Arbeit zu diesem Thema verfügbar. Selbst renommierte Lehrbücher mit dem »neuen Schwerpunkt Elektronisches Publizieren« tun das Internet unverständlicherweise noch immer lakonisch als »weitere Informationsquelle« ab. Die Lösung kann nicht sein, die Nennung einer Internet-Adresse unkommentiert und den Nutzer mit der Bemerkung »Wir verzichten hier auf eine Interpretation. Web-Surfer wissen ohnehin Bescheid.« (Ebel/Bliefert 1998: 479) im Stich zu lassen.

Allein in Amerika haben sich verschiedene Style-Guides etabliert, die nach unserer Kenntnis in Ermangelung von Alternativen auch an deutschen Hochschulen als Leitlinie empfohlen werden. Diese Zitierrichtlinien sind jedoch im Kontext ihrer eigenen Kultur entwickelt worden und pflegen dabei ihre je eigene Arbeitsmethodik, die ungeprüft zu übernehmen nicht immer Sinn macht. Ferner sind einige Vorschläge bei genauerer Betrachtung lückenhaft oder weiten mit allzu üppigen Formalismen bibliografische Angaben unangemessen aus.

Dieser Band ist vor dem Hintergrund der beschriebenen Situation als ein konkreter Leitfaden erarbeitet worden. Soll dem Titel des Buches dabei Rechnung getragen werden, muss dieser Leitfaden ganz wesentlich von der Einsicht motiviert sein, dass sowohl die Zitierung (Z) als auch die bibliografische Verzeichnung von Texten (B), deren Quellen im Internet liegen, nur dann sinnvoll geschehen kann, wenn die Publikationen (P) selbst dies durch ihre Anlage, sprich formale Qualität zulassen. Aus dieser Betrachtung ergibt sich ein Kreisschluss: Nur wenn im Internet veröffentlichte Texte bestimmte Regeln einhalten, können sie zweckmäßig von Nutzern verarbeitet werden und die Weitergabe und -verarbeitung auf wissenschaftlicher Ebene erlauben. Das Zitat steht damit in direkter Abhängigkeit von der Publikation (Abb. 1).

Abhängigkeit Publizieren, Bibliografieren, Zitieren

Abb.1: Abhängigkeit Publizieren, Bibliografieren, Zitieren

Dennoch wird der Erwartungshorizont an ein solches Buch – je nach Nutzergruppe – unterschiedlich ausfallen. Daher soll kurz erläutert werden, was das Buch leisten kann und wo seine Grenzen liegen: Der Band gliedert sich in zwei Teilbereiche, die unabhängig voneinander benutzt werden können: Teil A präsentiert dabei die theoretischen Grundlagen. So wird in Kapitel 1 das elektronische Publizieren in Computernetzwerken mit seinen Vor- und Nachteilen skizziert. Die Problemlösungen führen dabei in die notwendigen technischen Hintergründe zur Datenlokalisation (URI, URN, URL und URC) ebenso ein wie in den Themenkreis der Metadaten – insbesondere des Dublin Core. Eine Diskussion verschiedener Normen und internationaler Bibliografiervorschläge (Kapitel 2) knüpft sich hieran an. Kapitel 3 schließt den ersten Teil mit grundsätzlichen Überlegungen zu Zustand und Zukunft des elektronischen Publizierens ab.

Teil B bietet den zentralen Leitfaden zur Erstellung eigener Online-Publikationen (Kapitel 4); die bibliografische Verzeichnung von Quellen, die aus dem Internet stammen, wie auch die Angabe von Zitaten wird in Kapitel 5 gezeigt. Die Trennung von Internet-Adressen (Kapitel 6) schließt den praxisorientierten Teil ab. Zentral in diesem Abschnitt ist die Praktikabilität der Vorschläge für den Benutzer.

Studierende und Dozierende,
die das Internet als Arbeitsmittel und Informationspool nutzen, erfahren in Kapitel 5, wie Online-Quellen bibliografisch zu verzeichnen und Zitatangaben auszugestalten sind. Kapitel 6 erläutert die Trennung von Internet-Adressen.

Autoren,
die das Anliegen verfolgen, eine Arbeit im Internet zu veröffentlichen, kommen an der Entscheidung des zu verwendenden Datenformates nicht vorbei. Zu dieser Frage sowie zu den damit einhergehenden Anforderungen an Online-Dokumente bietet das Kapitel 4 zahlreiche Hinweise. Eine ausführlichere Diskussion des elektronischen Publizierens findet sich in Kapitel 1. Sofern bibliografische Angaben eine Rolle spielen, ist wiederum das Kapitel 5 von Bedeutung.

Wissenschaftler,
die ein Interesse am theoretischen Hintergrund verfolgen, finden in Kapitel 1 grundsätzliche Überlegungen zum Publizieren. In Kapitel 2 werden vorhandene Normen und internationale Vorschläge kontrastiv diskutiert. Die Ausgestaltung eines eigenen Ansatzes wird in Kapitel 5 erläutert. Unter dem Blickwinkel aktueller und künftiger Möglichkeiten skizziert Kapitel 3 ein Szenario des elektronischen Publizierens.

Bibliothekare
erhalten in Kapitel 1 eine Darstellung der Diskussion um das elektronische Publizieren. Aspekte wie »Qualitätssicherung«, »Retrieval« oder »Verschlagwortung« hätten für diese Benutzergruppen jedoch unter einer anderen Gewichtung diskutiert werden müssen. In Bezug auf den Begriff »Bibliografieren« sei darauf hingewiesen, dass er stets umgangssprachlich für die Erstellung einer bibliografischen Angabe verwendet wird.

Verleger
finden grundsätzliche Informationen zu Datenformaten (Kap. 4.2) und zur Metadatenimplementierung in theoretischer (Kap. 1.3) und praktischer (Kap. 4.1) Ausgestaltung. werden lediglich Informationen zur Entwicklung eigener Systeme erhalten. Der Aspekt von E-Commerce-Lösungen wird vor dem Hintergrund einer wissenschaftlichen Non-Profit-Thematik ausgeklammert.


Entnommen aus:
Jens Runkehl/Torsten Siever
Das Zitat im Internet

erhältlich unter der
ISBN 3-927715-83-2

Zitierte Literatur

Ebel, Hans F.Claus Bliefert (1998). Schreiben und Publizieren in den Naturwissenschaften. Weinheim et al. mehr

Runkehl, JensmTorsten Sieverm (2001). Das Zitat im Internet. Ein Electronic Style Guide zum Publizieren, Bibliografieren und Zitieren. Hannover. online lesbar

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