| 1.1 | Als Paul Baran 1962 die Idee eines Kommunikationsnetzes entwarf, das auch beim Ausfall einiger Teile dieses Netzes funktionstüchtig bleiben sollte, ahnte wohl kaum jemand, daß er damit nach der Einführung des Personal-Computers (PC) die ›zweite große technologische Revolution‹ unseres Zeitalters in Gang setzen würde. Beide Komponenten, der Computer als Grundlage digitaler Datenverarbeitung sowie die globale Vernetzung dieser Rechenmaschinen, führten zum heutigen Internet. |
| 1.2 | Das exponentielle Wachstum des ›Netzes‹ veranschaulicht in beeindruckender Weise, wie sich »der Ausbau der Informationsgesellschaft auf eine historisch einzigartige Weise synchron im globalen Rahmen vollzieht.« (Münker/Roesler, 1997, S. 7) |
| 1.3 | Zu den technischen Grundlagen gehört u.a., daß einige im Internet angebundene Computer Informationen anbieten (Server) andere wiederum, sogenannte Clients, diese abfragen; hieraus ergibt sich die sogenannte Client-Server-Architektur. Ferner benötigt man, um mit Computern in aller Welt Verbindung aufnehmen zu können, die Kenntnis ihrer ›Namen‹ (IP-Adressen), die, vergleichbar mit dem Telefonnetz, aus einer eindeutigen Nummer besteht (z.B. 130.75.155.34). Da allerdings solch lange Zahlenkombinationen weniger einprägsam sind als Namen, hat man einen Domain Name Service (DNS) eingerichtet, der für die Übersetzung von IP-Adressen in Rechnernamen und umgekehrt zuständig ist. Aus diesem Grund erreichen Sie FOCUS nicht nur unter http://194.163.254.65, sondern auch unter http://www.focus.de. |
| 1.4 | Voraussetzung für den Zugriff auf einen WWW-Server (z.B. jenen des FOCUS) ist hierbei eine einheitliche Sprache. Um den Vergleich mit dem Telefon wieder aufzugreifen, müssen sich Anrufer(in) und Angerufene(r) auf eine gemeinsame Sprache verständigen; bei der ›Kommunikation‹ zwischen Computern spricht man hierbei auch von ›Protokoll‹. |
| 1.5 | Bei dieser ›Sprache‹, im Internet ist dies TCP/IP, werden die über das Internet zu versendenden Daten in kleine Pakete aufgeteilt und auf unterschiedlichsten Wegen (nämlich denen des geringsten Widerstandes) zu ihrem Zielort geschickt. Dort angekommen, werden diese Datenpakete kontrolliert zusammengefügt und, sollte etwas fehlen, gegebenenfalls durch Nachforderung ergänzt. Dieses Prinzip des Datenverkehrs ist zwar hochgradig ineffizient insofern, als Daten unter Umständen über den gesamten Erdball geschickt werden, selbst wenn Server und Client geographisch nur wenige hundert Kilometer voneinander entfernt stehen; dennoch trägt TCP/IP dafür Sorge, daß die Daten ankommen, auch wenn große Teile des Netzes überlastet oder zusammengebrochen sind. |
| 1.6 | Im folgenden werden die bekanntesten Programme (auch Dienste oder Client-Software genannt) des Internets kurz erläutert: |
| 1.7 | Electronic Mail (E-Mail): Die E-Mail gehört nach wie vor zu den beliebtesten Anwendungen im Internet, da sie neue Perspektiven der Nachrichtenübermittlung eröffnet hat. Neben Schnelligkeit besitzt sie den Vorzug, daß mit ihr mittels eines ›Attachments‹ (engl. to attach, ›an- oder beiheften‹) Dateien jeglicher Art (ob nun Text-, Audio- oder Videodaten) verschickt werden können. Damit die Mail auch im ›elektronischen Briefkasten‹ ankommt, braucht der Empfänger eine eindeutige ›Postanschrift‹: diese besteht immer aus zwei Teilen. Das ›@‹-Zeichen (gesprochen [æt]) trennt hierbei »für die Mail den Menschen von der Maschine: links die Person, dann das ominöse Zeichen, dann die Netzdomäne, die den Menschen bedient.« (DIE ZEIT, Nr. 11, v. 7.3.1996) |
| 1.8 | Newsgroups (News): Mit dem Net News Transfer Protocol (NNTP) werden ebenfalls Mails versand; allerdings werden diese – wie an einem Schwarzen Brett – im Internet ›ausgehängt‹, damit alle Interessierten sie lesen und gegebenenfalls darauf reagieren können. Ziel ist also eine Breitenwirkung, wie sie in der meist gegebenen 1:1-Kommunikation des E-Mail-Kontaktes nie gegeben sein könnte. |
| 1.9 | Um diese ›virtuellen Schwarzen Bretter‹ zu strukturieren, gibt es die verschiedensten Themengebiete (wie sci (science/Naturwissenschaften), comp (computing/Computer) oder rec (recreation/Freizeit, Erholung)), die auch die ausgefallensten Interessen abdecken. Das Abonnement eines bestimmten Themengebietes liefert dann jeweils den aktuellsten Diskussionsstand ›frei Haus‹. |
| 1.10 | Da vielfach die Qualität der Beiträge zu wünschen übrig läßt, gibt es mitunter neben den freien Newsgroups, in denen jeder ohne Einschränkung Artikel lesen, verfassen oder beantworten kann, auch moderierte. Hier werden alle eingehenden Nachrichten auf ihren Inhalt geprüft, bevor sie der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. |
| 1.11 | An dieser Stelle sei auf einen anderen, immer wichtiger werdenden Punkt hingewiesen: Die Kommunikation im Internet hat sich mittlerweile vom rein wissenschaftlichen Diskurs verabschiedet und zu einem Ge- und Mißbrauch des Netzes zu jeglicher Art des Informationsaustausches verschoben. Daß dieses die merkwürdigsten ›Blüten‹ hervorbringt, kann da nicht verwundern. So greift beispielsweise die Zusendung elektronischer Reklame, auch ›Spam‹ oder ›Junk-Mail‹ genannt, in den virtuellen Briefkasten immer mehr Platz. Auch sieht man des öfteren emotional rüpelhafte Mails (insbesondere innerhalb der Newsgroups) auf dem Bildschirm vorüberflimmern. Ein Phänomen, das auf die isolierte Interaktion eines allein vor seinem Computer sitzenden Internet-Users, den »Typ des Massen-Erimiten« (Wetzstein et al., 1995, S. 63) deutet. Unflätigkeiten oder Beleidigungen lassen sich eben doch einfacher übermitteln, wenn sich das Gegenüber in ›den Tiefen des Nirgendwo des Netzes‹ aufhält. |
| 1.12 | Um die Umgangsformen des Netzes nicht im allgemeinen Chaos versinken zu lassen, haben sich im Laufe der Zeit einige lockere, aber dennoch sinnvolle Verhaltensregeln entwickelt: die Netz-Etikette (auch Netiquette). Sie wird auf vielen Homepages bereitgestellt (http://www.zeit.de/netzwelt/netiquette.html) und soll die Nutzer daran erinnern, daß ›auf der anderen Seite‹ immer noch ein Mensch sitzt. |
| 1.13 | Telnet: Der Telnet-Dienst ermöglicht den textbasierten Zugriff und den Dialogbetrieb zwischen entfernten Rechnern. Hierdurch wird in erster Linie der Zugang zu Bibliotheks-Katalogen (OPAC, Online Public Access Catalog) oder anderen öffentlichen Datenbanken eröffnet. |
| 1.14 |
File Transfer Protocol (FTP): Zur systemunabhängigen Übertragung von Dateien eignet sich das FTP, dessen Ausführung heute teils direkt im Browser[1] möglich ist. Nach der Eingabe der Adresse (beispielsweise ftp://130.75.155.34) erscheint eine Verzeichnisstruktur mit Dateien, welche durch Anklicken heruntergeladen werden können. Für das Gegenteil, analog zum Download wird es Upload genannt, benötigt man ein FTP-Programm. |
| 1.15 |
World Wide Web (WWW): Der populärste Teil des Internets ist das WWW (auch W3). Dieser wird oftmals fälschlicherweise mit dem Internet gleichgesetzt und ist gemeint, wenn vom Surfen gesprochen wird. Dank der Erfindung des WWW ist das Internet »ein Medium für die Massen geworden«. (Zehnder, 1997, S. 79) Durch seine Hypertext-Struktur navigiert der Benutzer mithilfe der Maus bzw. des Mauszeigers, indem er meist durch Unterstreichung markierte Worte oder Bilder anklickt und dadurch an eine andere Stelle auf der Website oder im Netz gerät. Durch diese Verknüpfungen lassen sich auch alle oben beschriebenen Dienste aufrufen. Bei der Internetadresse http://www.fbls.uni-hannover.de verweist das Hypertext Transfer Protokoll aber auf das WWW; ›uni-hannover‹ ist die im NIC (http://www.nic.de) eingetragene Domäne und ›fbls‹ (Fachbereich für Literatur- und Sprachwissenschaften) die Sub-Domäne. ›De‹ bezeichnet die sogenannte Top-Level-Domäne, die in diesem Fall für Deutschland steht. Ebenfalls möglich wären ›com‹ (commercial), ›edu‹ (educational), ›at‹ (Österreich) etc. Neu eingeführt wurden am 15. Februar 1998 u.a. ›firm‹ (Unternehmen), ›store‹ (Online-Geschäfte) oder ›nom‹ (private Nutzer). |
| 1.16 | Um all diese Bereiche des Internet in Anspruch nehmen zu können, bedarf es einer Software, die häufig kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Mit einem WWW-Browser wie Netscape Navigator oder Microsoft Internet Explorer ist es dem Internet-Nutzer möglich, im WWW zu surfen oder Dateien, wie etwa einen neuen Druckertreiber, auf die eigene Festplatte herunterzuladen. Häufig stehen auch noch andere Dienste im Browser zur Verfügung; so ermöglicht der Netscape Navigator den Austausch von E-Mails und die Beteiligung an Newsgroups. Solche und andere unterstützte Programme, wie z. B. Telnet, werden durch Eingabe des jeweiligen Dienstes bzw. Protokolls und der gewünschten Adresse durch den Browser aufgerufen, teils direkt in diesem, teils in einem neuen Fenster. |
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Ver. 1.1 vom 07.01.2000