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Hannover, 08.08.2008

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Transkription nach GAT

Seit dem Beginn der modernen Gesprächsanalyse in den 60er und 70er Jahren ist die Transkription von Interaktion in natürlichen Situationskontexten eine ihrer grundlegenden Voraussetzungen. Sowohl in der Linguistik, als auch in anderen Disziplinen wie soziologie, Psychologie, Pädagogik usw., wurde bald deutlich, daß sprachliche Interaktion nicht hinreichend mit dem Standard-Schriftsystem erfasst werden kann, sondern ein eigenes Transkriptionssystem erfordert. Da es für die neuen Forschungsaufgaben keine bewährten Vorbilder und praktischen Richtlinien gab, wurden in den unterschiedlichen Forschungszusammenhängen jeweils eigene Transkriptionskonventionen entwickelt, die im Laufe der praktischen Arbeit verfeinert und immer besser auf die jeweiligen Forschungsziele zugeschnitten wurden. Vor diesem Hintergrund haben sich im deutschsprachigen Raum und anderswo eine ganze Reihe z.T. ähnlicher, aber im Detail doch unterschiedlicher Transkriptionsverfahren entwickelt. Dieser Pluralismus behindert jedoch die fachinterne und -übergreifende Rezeption einschlägiger Arbeiten und den Austausch von Corpora. In gesprächsanalytischen Publikationen ist es die Regel, daß man sich nahezu mit jedem Autor auch auf eine andere Notationskonvention einstellen muss; entsprechend bereitet es Mühe, Transkripte genau zu lesen und zu verstehen. Die Folge ist nicht selten eine nur oberflächliche Zurkenntnisnahme der Daten. Dies wird aber weder dem Status unserer Transkripte, noch dem Arbeitsaufwand, der in sie investiert wird, gerecht.

Dabei sind die Transkriptionsprinzipien gar nicht so verschieden. Die Unterschiede liegen oft nur in der Wahl der Einzelkonventionen für die Darstellung derselben empirischen Phänomene und analytischen Kategorien. Da aber die Gemeinsamkeiten durchaus größer sind, als es ein oberflächlicher Blick auf die bisher in Veröffentlichungen abgedruckten Transkripte nahelegt, scheint ein Versuch der Vereinheitlichung naheliegend und auch erfolgversprechend. Aus diesem Grunde hat sich eine Gruppe von Kolleginnen und Kollegen zusammengefunden und einen Vorschlag für ein einheitliches gesprächsanalytisches Transkriptionssystem erarbeitet, das keine stark theoriegebundenen Vorannahmen macht und daher von Linguistinnen und Linguisten unterschiedlicher theoretischer Zugehörigkeit verwendet werden kann. Es umfasst (a) das allgemeine Layout von Transkriptionen für Publikationen, und (b) die einzelnen Kategorien, die dabei kodiert werden.

Letztlich ist eine Transkription immer von den konkreten und sich gegebenenfalls verändernden Analyse- und Darstellungsinteressen abhängig. Im folgenden geht es deshalb um die Festlegung eines Mindeststandards für Transkriptionen gesprochener Sprache, v.a. im Rahmen von Gesprächsanalysen. Dieser Mindeststandard (Basistranskript) kann dann im weiteren Forschungs- und Arbeitsprozess wie auch für Spezialfragestellungen und -bedürfnisse nach dem "Zwiebelprinzip" weiter ausgebaut und verfeinert werden. Selbstverständlich können für Untersuchungen mit speziellen Interessen die vorgeschlagenen Konventionen ergänzt werden.

Die Konventionen richten sich an Transkribenten, nicht an Computer; sie umfassen bisher noch keine Kriterien für die Formatierung von Dateien, die GAT folgend angefertigt werden. Dazu wird zu einem späteren Zeitpunkt die Entwicklung eines einfachen Eingabeprogramms angestrebt. GAT ist jedoch mit jedem Textverarbeitungsprogramm verwendbar und soll es auch bleiben. Soweit wie möglich wurde auch eine betriebssystemübergreifende EDV- und Internettauglichkeit zumindest der Konventionen für das Basistranskript angestrebt.

zur Beschreibung von GAT

 
Im Dokument ist eine Verknüpfung zu einer QuickTime-Tondatei enthalten. Sollte auf Ihrem Computer kein QuickTime installiert sein, können Sie alternativ folgende Formate öffnen:

Tonbeispiel im Windows-Media-Format (WMA)

Tonbeispiel im Real-Media-Format (RM)

 

Peter Schlobinski

erstellt: 05.05.2005

 aktualisiert: nein 

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