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Hannover, 17.05.2012

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Forschungsüberblick SMS-Kommunikation

Dieser Forschungsüberblick dient dazu, dem Suchenden einen ersten Überblick über eine Vielzahl von Publikationen zu geben und die für die wissenschaftliche Auseinandersetzung wesentlichen Veröffentlichungen knapp zu konturieren. Dies bedeutet, dass ausschließlich technische Darstellungen keine Erwähnung finden; darüber hinaus wird Anspruch auf Vollständigkeit nicht angestrebt. Vielmehr soll auf in der Wissenschaft etablierte Arbeiten hingewiesen und auch weniger Bekanntes Erwähnung finden.

Forschung zur Handy-Kommunikation

Mobile Kommunikation, d.h. die Kommunikation mit dem Handy, hat einen zentralen Stellenwert in der Gesellschaft erlangt. So sind in Deutschland ca. 50 Millionen Bürger Besitzer eines Mobiltelefons (Höflich 2001: 1). Neben den darüber erfolgenden Telefongesprächen ist das Handy durch den technischen Dienst ›Short Message Service‹ (SMS) auch zu einem Medium schriftlicher Kommunikation (»vom Hörfon zum Sehfon«, Drösser 1999) avanciert, über den ein erheblicher Teil des Kommunikationsaufkommens realisiert wird [12% des Netzumsatzes, NTV-Beitrag]. So versendete im Jahr 2000 der durchschnittliche Handybesitzer rund 35 dieser Kurzmitteilungen pro Monat. Das Gesamtvolumen wird auf 14,8 Milliarden verschickte SMS-Mitteilungen beziffert; weltweit wurden über das GSM-Netz im Mai 2001 rund 19 Billionen Kurzmitteilungen verschickt, d.h. in Europa knapp 10 Milliarden Stück (GSM Association 2001). Dabei wird dieser Dienst ganz wesentlich von Jugendlichen genutzt. 74 Prozent der 12- bis 13-Jährigen sind bereits Handy-Besitzer – im Jahr 2000 waren es noch knapp 50 Prozent – (e-market 41-42/2001: 10), wobei die Verbreitung der Geräte an Gymnasien und Realschulen doppelt so hoch ist wie an Hauptschulen. Genutzt wird das Handy primär zur SMS-Kommunikation (vgl. internet world 9/2001: 30).
Obgleich SMS eine kaum mehr wegzudenkende Kommunikationsform darstellt, kann die wissenschaftliche Forschung in diesem Bereich zu Recht – wenn dies auch noch euphemistisch formuliert ist – als »noch unterrepräsentiert« (Androutsopoulos/Schmidt 2001: 2) bezeichnet werden. Zwar gibt es eine Reihe von Ratgebern (wie Haller 2000) und Artikel in Zeitschriften und Zeitungen, aber bis auf die Pilotstudie von Androutsopoulos/Schmidt (2001) und die Arbeiten aus dem Forschungsprojekt »Jugendliche und SMS. Gebrauchsweisen und Motive« (vgl. Höflich 2001, Höflich/Rössler 2000) liegen keine wissenschaftlich fundierten Untersuchungen vor1.
Die Untersuchung von Androutsopoulos/Schmidt ist eine erste explorative Studie auf der Basis eines SMS-Korpus von 934 Texten von fünf Personen und die einzige, in der sprachliche Merkmale isoliert werden (Androutsopoulos/Schmidt 2001: 19-27). Die Beiträge von Höflich und Höflich/Rössler folgen kommunikationssoziologischen und -psychologischen Fragestellungen. Gegenstand der Untersuchung ist die Frage nach der Handy-Nutzung, Nutzungsmotiven wie Kontaktpflege und Spaß sowie nach Kontaktpartnern. Als Erhebungsmethoden wurden eine Fragebogenerhebung (204 Jugendliche im Alter von 14-18 Jahren) und Gruppendiskussionen (19 Diskussionen) gewählt. Auch hier handelt es sich um eine ›explorative‹ Pilotstudie (vgl. Höflich 2001: 3).

 

Zitierte Literatur

Androutsopoulos, Jannis K. & Gurly Schmidt (2001). "SMS-Kommunikation: Ethnografische Gattungsanalyse am Beispiel einer Kleingruppe". In: Zeitschrift für angewandte Linguistik, Nr. 36. S. 49-79.
 online erhältlich

Drösser, Christoph (1999). "Fast zu allem fähig". In: Die Zeit, Nr. 50. S. 39.

Friedrichsen, Mike & Stefan Jenzowsky (Hrsg., 1999). Fernsehwerbung. Theoretische Analysen und empirische Befunde. Opladen.

Haller, Andy (2000). SMS-Messages. Coole Messages per Handy: So geht's. Niedernhausen.

Höflich, Joachim R. (2001). "Das Handy als 'persönliches Medium'. Zur Aneignung des Short Message Service (SMS) durch Jugendliche".
 online erhältlich

Höflich, Joachim R. & Patrick Rössler (2000). "Forschungsprojekt 'Jugendliche und SMS. Gebrauchsweisen und Motive'. Zusammenfassung der ersten Ergebnisse".
 online erhältlich

 

Peter Schlobinski

erstellt: 12.06.2002

 aktualisiert: 16.09.2010 

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