Forschungsüberblick
Dieser Forschungsüberblick dient dazu, dem
Suchenden einen ersten Überblick über eine Vielzahl von Publikationen zu
geben und die für die wissenschaftliche Auseinandersetzung wesentlichen
Veröffentlichungen knapp zu konturieren. Dies bedeutet, dass
ausschließlich technische Darstellungen keine Erwähnung finden; darüber
hinaus wird Anspruch auf Vollständigkeit nicht angestrebt. Vielmehr soll
auf in der Wissenschaft etablierte Arbeiten hingewiesen und auch weniger
Bekanntes Erwähnung finden.
Forschung zur Handy-Kommunikation
(ps)
Mobile Kommunikation, d.h. die Kommunikation mit dem Handy, hat einen
zentralen Stellenwert in der Gesellschaft erlangt. So sind in
Deutschland ca. 50 Millionen Bürger Besitzer eines Mobiltelefons (Höflich
2001: 1). Neben den darüber erfolgenden Telefongesprächen ist das
Handy durch den technischen Dienst ›Short Message Service‹ (SMS) auch zu
einem Medium schriftlicher Kommunikation (»vom Hörfon zum Sehfon«,
Drösser 1999) avanciert, über den ein erheblicher Teil des
Kommunikationsaufkommens realisiert wird [12% des Netzumsatzes,
NTV-Beitrag]. So versendete im Jahr 2000 der durchschnittliche
Handybesitzer rund 35 dieser Kurzmitteilungen pro Monat. Das
Gesamtvolumen wird auf 14,8 Milliarden verschickte SMS-Mitteilungen
beziffert; weltweit wurden über das GSM-Netz im Mai 2001 rund 19
Billionen Kurzmitteilungen verschickt, d.h. in Europa knapp 10
Milliarden Stück (GSM Association 2001). Dabei wird dieser Dienst ganz
wesentlich von Jugendlichen genutzt. 74 Prozent der 12- bis 13-Jährigen
sind bereits Handy-Besitzer – im Jahr 2000 waren es noch knapp 50
Prozent – (e-market 41-42/2001: 10), wobei die Verbreitung der Geräte an
Gymnasien und Realschulen doppelt so hoch ist wie an Hauptschulen.
Genutzt wird das Handy primär zur SMS-Kommunikation (vgl. internet world
9/2001: 30).
Obgleich SMS eine kaum mehr wegzudenkende Kommunikationsform darstellt,
kann die wissenschaftliche Forschung in diesem Bereich zu Recht – wenn
dies auch noch euphemistisch formuliert ist – als »noch
unterrepräsentiert« (Androutsopoulos/Schmidt
2001: 2) bezeichnet werden. Zwar gibt es eine Reihe von Ratgebern
(wie
Haller 2000) und Artikel in Zeitschriften und Zeitungen, aber bis
auf die Pilotstudie von Androutsopoulos/Schmidt (2001) und die Arbeiten
aus dem Forschungsprojekt »Jugendliche und SMS. Gebrauchsweisen und
Motive« (vgl. Höflich 2001,
Höflich/Rössler 2000) liegen keine wissenschaftlich fundierten
Untersuchungen vor1.
Die Untersuchung von Androutsopoulos/Schmidt ist eine erste explorative
Studie auf der Basis eines SMS-Korpus von 934 Texten von fünf Personen
und die einzige, in der sprachliche Merkmale isoliert werden (Androutsopoulos/Schmidt
2001: 19-27). Die Beiträge von Höflich und Höflich/Rössler folgen
kommunikationssoziologischen und -psychologischen Fragestellungen.
Gegenstand der Untersuchung ist die Frage nach der Handy-Nutzung,
Nutzungsmotiven wie Kontaktpflege und Spaß sowie nach Kontaktpartnern.
Als Erhebungsmethoden wurden eine Fragebogenerhebung (204 Jugendliche im
Alter von 14-18 Jahren) und Gruppendiskussionen (19 Diskussionen)
gewählt. Auch hier handelt es sich um eine ›explorative‹ Pilotstudie
(vgl. Höflich 2001: 3).
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