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Hannover, 17.05.2012

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Syntax: Die Valenz von Verben

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Das Konzept der Valenz ist äußerst komplex, so dass an dieser Stelle allein der Bereich der Verbvalenz erläutert werden soll.
In der von Lucien Tesnière (1893-1954) begründeten Dependenzgrammatik steht das Verb im Mittelpunkt des Satzes, da es die Fähigkeit aufweist, Ergänzungen zu fordern und so Konstituenten an sich zu binden. Wie viele Leerstellen ein Verb für solche Ergänzungen eröffnen kann, liegt in der Verbsemantik begründet. Schlafen bedarf z.B. nur einer Ergänzung, des Agens.

Beispiel: Ich schlafe.

Hören dagegen eröffnet die Möglichkeit für zwei Ergänzungen.

Beispiel: Peter hört ein Gitarrenkonzert.

Wir unterscheiden also 1-wertige Verben wie schlafen, 2-wertige wie hören und 3-wertige wie schenken. Man spricht auch von intransitiven, transitiven und ditransitiven Verben. Wenige Verben, die so genannten Wetterverben, werden als 0-wertig klassifiziert, da sie als Subjekt nur einen semantisch leeren Platzhalter fordern.

Es regnet.
Es schneit.
Es friert.

Ergänzungen, die Leerstellen besetzen, sind entweder obligatorisch oder fakultativ. Alle anderen Angaben sind grundsätzlich fakultativ. Eine obligatorische Ergänzung ist eine Zusatzinformation, die man nicht weglassen kann. Würde eine solche Ergänzung getilgt, wäre der Satz so nicht mehr grammatisch.

Peter wohnt in Hannover.
? Peter wohnt.

Was fakultativ ist, kann weggelassen werden. Wenn wir in Folgenden von Ergänzungen sprechen, meinen wir direkt vom Verb abhängige Konstituenten. Solche Ergänzungen werden in einigen Grammatiken auch Komplemente oder Argumente genannt. Sprechen wir dagegen von Angaben oder Adjunkten, meinen wir alle anderen Konstituenten, die nicht unmittelbar vom Verb abhängig sind.

Die Argumentstruktur eines Verbs gibt an, welche Ergänzungen es fordert; d.h. welche speziellen Ergänzungen man im Normalfall erwarten würde. Eisenberg gibt dazu ein vereinfachtes Schema vor, anhand dessen man die Ergänzungen kategorisieren kann (Kapitel 3.2.2). Fakultative Ergänzungen werden dabei in Klammern gesetzt.

Die Kritiker gewannen überlegen das Spiel.
gewinnen NOM/(AKK)

Einen ersten Überblick über das Konzept der Verbvalenz bietet das Kapitel Valenz (1.3, S. 786) in der Duden-Grammatik. Zur Vertiefung eignet sich u.a. das Kapitel 3.2 zur Verbvalenz bei Eisenberg.

 

Zitierte Literatur

Duden, Der (2005). Die Grammatik, Band 4. 7. Aufl. Mannheim et al.

Eisenberg, Peter (2006). Grundriß der deutschen Grammatik. Band 2: Der Satz. Stuttgart.

 

Netaya Lotze & Sebastian Sprengel

erstellt: 23.01.2011

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