Syntax: Konstituenten eines Satzes
KonstituententestsUm die einzelnen Konstituenten eines Satzes zu bestimmen, kann man unterschiedliche Verfahren bemühen, die in den sechziger Jahren von Glinz entwickelt wurden. Wir sprechen hier von Konstituentenproben. - Substitution (Austauschprobe, Ersatzprobe)
- Permutation (Umstellprobe, Verschiebeprobe)
- Fragetest
- Reduktion oder Tilgung (Weglassprobe)
- Expansion (Erweiterungsprobe)
- Transformation
(nach Glinz 1965) Substitution oder Kommutation: Elemente, die ausgetauscht (kommutiert) oder ersetzt (substituiert) werden können, ohne dass ein Satz ungrammatisch wird, werden als Elemente der gleichen Klasse betrachtet; sie stehen in einer paradigmatischen Beziehung zueinander. So kann z.B. eine komplexe Nominalphrase (NP) durch ein einzelnes Nomen ersetzt werden, da beide dem nominalen Paradigma angehören. Sowohl das einzelne Nomen als auch die komplexe NP können dann als Konstituenten des Satzes analysiert werden. 
Pronominalisierung: Die Pronominalisierung kann als ein Spezialfall der Substitution betrachtet werden. Für einige sprachliche Elemente können auch so genannte Pro-Formen eingesetzt werden, die eine Stellvertreterfunktion übernehmen. Darunter fallen die Pronomen mit ihren Unterklassen Personalpronomen, Reflexivpronomen, Possessivpronomen usw., Pronominaladverbien u.a. Beispiel: Er ärgert sich. Permutation: Konstituenten können innerhalb des Satzes nur als Einheit verschoben werden. Ich schenke ihm ein Buch. Ein Buch schenke ich ihm. *Ein schenke ich ihm Buch. Fragetest: Konstituenten können erfragt werden. (Das Monster) (ärgert) (die Kinder). (1) Wer ärgert die Kinder? - Das Monster (2) Wen ärgert das Monster? - Die Kinder (3) Was macht das Monster mit den Kindern? - Es ärgert sie. Reduktion: Ein Satz kann Baustein für Baustein auf ein Minimum reduziert werden. Was zusammen getilgt werden kann, bildet eine Konstituente. Oskar spielt gerne in der Mülltonne. Oskar spielt gerne. In der Mülltonne ist damit als Konstituente ausgewiesen. Koordinationstest: Wenn ein Satzelement mit einem anderen koordiniert werden kann, handelt es sich um eine Konstituente. Die Konjunktionen und, oder, aber und denn koordinieren Elemente. Koordination ohne Konjunktion ist ebenfalls möglich. Oskar spielt in der Mülltonne und im Müllauto. Oskar spielt und singt in der Mülltonne. Oskar und Grobi spielen in der Mülltonne. Transformation: Lässt sich die Struktur in einen Spaltsatz (Kopulasatz mit Vorfeld-„es"+Relativsatz) oder in einen Sperrsatz (Kopulasatz mit Interrogativsatz im Vorfeld) transformieren, so handelt es sich um eine Konstituente. Ernie liest einen Brief von Bert. 1. Spaltsatz Es ist Ernie, der einen Brief von Bert liest. Es ist ein Brief, den Ernie von Bert liest. 2. Sperrsatz Was Ernie liest, ist ein Brief von Bert. Was Ernie tat, war einen Brief von Bert zu lesen. Konstituenz aus Rektion und DependenzDass wir überhaupt von Konstituenten sprechen und diese durch heuristische Verfahren ermitteln können, liegt daran, dass die einzelnen Wortformen in bestimmten Abhängigkeitsverhältnissen zueinander stehen. Dabei regieren einige Einheiten andere (Rektion), während letztere umgekehrt von ersteren abhängen (Dependenz). Dieses Abhängigkeitsverhältnis bildet gewissermaßen den Klebstoff innerhalb der einzelnen Satzbausteine und führt so zu Konstituenz. Das Syntagma das große Haus außerhalb Bremens lässt sich noch weiter aufteilen in die Konstituenten das große Haus und außerhalb Bremens. In außerhalb Bremens regiert die Präposition außerhalb das Nomen Bremen in Bezug auf den Kasus (Genitiv). Außerhalb und Bremens stehen so in einer engen Verbindung zueinander. In das große Haus sind die Beziehungen etwas komplexer. Haus regiert den Artikel und das Adjektiv in Bezug auf das Genus, das ihm als Substantiv unveränderlich zukommt, und den Numerus (hier Singular). Der Artikel regiert die Gruppe in Bezug auf den Kasus, der hier an ihm erst erkennbar wird. Zusammen bilden die drei Wortformen eine Konstituente. Weitere InformationenLesen Sie weiter zur Einführung: Satzdefinitionen – was ist ein Satz? Syntagmatische und paradigmatische Beziehungen Funktionen von Satzgliedern Überblick: Was ist Syntax?
Zitierte Literatur Glinz, Hans (1965). Deutsche Syntax. Stuttgart.
Netaya Lotze
|
erstellt: 26.01.2011
|
aktualisiert: 09.02.2011
|
empfehlen
|
|
|
|