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Hannover, 17.05.2012

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Syntax: Satzdefinitionen

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Traditionell beschäftigt sich die syntaktische Analyse mit der Struktur von Sätzen. Aber was verstehen wir eigentlich genau unter einem Satz? Betrachten wir z.B. die Ausrufe Komm! und Hilfe!. Beide bestehen aus nur einem Wort und sind kommunikativ im entsprechenden Kontext für Sprecher des Deutschen allgemein verständlich. Und trotzdem würden einige Grammatiker behaupten, dass es sich zwar bei Komm! um einen Satz handele, bei Hilfe! dagegen nicht.

Sie sind nicht nur der Meinung, ein Satz sei eine aus einem oder aus mehreren Wörtern bestehende geschlossene Einheit , sondern auch, dass die Minimalbedingung für einen Satz ein finites Verb sei. Damit setzen sie eindeutig syntaktische Kriterien für ihre Satzdefinition an.

In seiner minimalen Form besteht ein Satz aus seinem Prädikat.
(Dürr/Schlobinski 1994: 101)

A clause consists of a network of grammatical relations. Among these relations are "subject of", "direct object of", and "indirect object of".
(Perlmutter 1983: 9)

[Unter einem Satz verstehen wir] ein finites Verb und [...] die [...] Komplemente dieses Verbs [...].
(Zifonun et al. 1997: 87)

Diese Definitionen lassen sich auf folgende Formel reduzieren:

Ein Satz (S) ist ein Syntagma mit einem finiten Verb (V[+FIN]).

oder kurz:

S => [+FIN]

Darüber hinaus können wir je nach Stellung des finiten Verbs im Satz strukturell unterscheiden zwischen Verb-Erst- (V1), Verb-Zweit- (V2) oder Verb-End-Sätzen (VE).

Singst du gern?
Maria
singt gern.
Ich
weiß, dass Maria gern singt.

Neben syntaktischen Kriterien zur Satzdefinition sind auch semantische Kriterien hilfreich. Je nach Aussage des Satzes unterscheiden wir zwischen verschiedenen semantischen Typen von Sätzen, wie z.B. dem Deklarativsatz, dem Interrogativsatz, dem Imperativsatz und dem Exklamativsatz, die ihrerseits jeweils aber nicht eindeutig einem Strukturtyp zugeordnet werden können; d.h. Fragen sind z.B. nicht grundsätzlich Verb-Erst-Sätze, auch wenn das häufig der Fall ist.

Maria singt gern? Ich dachte, sie hasst es.

In der klassischen Logik besteht ein Satz grundsätzlich aus Subjekt und Prädikat. Er kann in Abhängigkeit von Bedingungen entweder wahr oder falsch sein.

Der (Sprach)psychologe Bühler fasst den Satzbegriff dagegen kommunikativ.

Sätze sind die einfachen selbständigen, in sich abgeschlossenen Leistungseinheiten oder kurz die Sinneinheiten der Rede.
(Bühler 1920: 18)

Die Semiotik deutet einen Satz dagegen als komplexes Zeichen.

Der Satz ist ein Zeichen, dessen signifiant durch seine komplexe Struktur genau einen illokutiven Anspruch vollständig signalisiert.
(Müller 1985: 150)

 

Weitere Informationen

Lesen Sie weiter zum Gegenstand:

Einfacher Satz

Komplexer Satz

Syntagmatische und paradigmatische Beziehungen

Konstituenten und ihre Bestimmung

Überblick: Was ist Syntax?

 

Zitierte Literatur

Bühler, Karl (Hrsg., 1920). Vorlesungen über Psychologie. Oswald Külpe. Leipzig.

Dürr, Michael & Peter Schlobinski (1994). Einführung in die deskriptive Linguistik. 2. Aufl. Opladen.

Müller, Beat L. (1985). Der Satz. Definition und sprachtheoretischer Status. In: Reihe Germanistische Linguistik. Bd. 57. Tübingen.

Perlmutter, David (1983). Studies in relational grammar 1. Chicago.

Zifonun, Gisela, Ludger Hoffmann & Bruno Strecker (1997). Grammatik der deutschen Sprache. 3 Bände. In: Schriften des Instituts für deutsche Sprache. Hrsg. v. Eroms, Hans-Werner, Gerhard Stickel & Gisela Zifonun. Bd. 7. Berlin New York.

 

Netaya Lotze

erstellt: 26.01.2011

 aktualisiert: 02.02.2011 

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