Flexion
FlexionDie Flexion (lat. flexio„Biegung", „Beugung") ist die Markierung grammatischer Informationen (Kategorien) am Wort, vor allem durch Suffigierung. „Wortstämme (Lexeme) bestimmter Wortarten werden in morphologisch verschiedenen Wortformen realisiert, die regelhaft wortartenspezifisch verschiedene syntaktisch-semantische Funktionen ausdrücken." (Bußmann 2002: 218) Die Hauptformen der Flexion sind Deklination und Konjugation. Verben werden konjugiert und nominale Kategorien wie Substantive, Adjektive, Artikel und Pronomina werden dekliniert. Die Komparation der Adjektive im Deutschen wird von den meisten Grammatiken ebenfalls als Flexion verstanden. Wir sprechen vom verbalen oder nominalen Flexionsparadigma, wenn wir die Menge aller möglichen verbalen oder nominalen Wortformen bezeichnen möchten. 
Nicht alle Wortarten können flektiert werden. Adverben, Präpositionen, Konjunktionen, Negationen, Interjektionen und Partikeln zählen zu den nichtflektierbaren Wortarten; d.h. sie werden nicht durch Affixe ergänzt. Im Gegensatz zu Komposition und Derivation entstehen durch Flexion keine neuen Wörter, durch sie werden vielmehr zusätzliche Informationen zur Grundbedeutung des Wortes im Flexionsaffix kodiert. Flexionsaffixe zählen zu den gebundenen grammatischen Morphemen und sind besonders produktiv. Flexionsaffixe sind in einem festen Kanon an so genannten grammatischen oder morphosyntaktischen Kategorien und Kategorienklassen organisiert. Die Kategorien sind die morphosyntaktischen Merkmale, welche die Morpheme in die syntaktischen Wörter einbringen. Durch sie werden im Deutschen Kategorien wie Plural, Präsens oder Genitivmarkiert.
das Tier - die Tiere der Bruder - des Bruders Dabei stehen die Flexionsaffixe im Deutschen meist weiter entfernt vom Stamm als Derivationsaffixe oder andere Stämme und liegen in Form von Suffixen vor. dieKrank-heit-en ver-lieb-st Flexion wird im Deutschen nicht allein über Affigierung kodiert, sondern auch Veränderungen des Stamms durch Ablautung sind häufig. ich lese - ich las-ø Das Deutsche zählt zu den flektierenden Sprachen (im Detail hier). Im sprachtypologischen Vergleich unterscheidet man zwischen isolierenden (z.B. Chinesisch), agglutinierenden(z.B. Türkisch) und flektierenden (z.B. Latein) Sprachen. Während isolierende Sprachen nur genau eine Form pro Paradigma aufweisen und agglutinierende Sprachen ein separates Affix für jede einzelne grammatische Information besitzen, können beim flektierenden Typ mehrere Merkmale in einem Morphem gemeinsam kodiert werden. DeklinationDas nominale Paradigma gliedert sich nach: - Kasus - Numerus - Genus Substantive/Nomina (N)Substantive bezeichnen Gegenstände, Personen, Namen oder Abstrakta und können allein stehen. Sie werden in Bezug auf das Genus differenziert in Maskulin, Feminin oder Neutrum. Das Genus gehört zu den unveränderlichen Eigenschaften eines Substantivs - dem Wort inhärenten Merkmalen. Die Deklination erfolgt nach Kasus und Numerus. Die Form „des Vaters" kann also nach Kasus, Numerus und Genus bestimmt werden als Genitiv Singular Maskulinum. Adjektive modifizieren Substantive semantisch. - Attributive Verwendung: den mutigen Helden - Prädikative Verwendung: der Held ist mutig Sie können auch Verben modifizieren. - Adverbiale Verwendung der Kuchen schmeckt gut In attributiver Verwendung weisen sie Übereinstimmung (Kongruenz) in Kasus, Genus und Numerus auf mit dem Substantiv, das sie modifizieren. Ferner sind sie komparierbar; d.h. sie können gesteigert werden. Die Komparationsstufen lauten: - Positiv: gut, schön - Komparativ: besser, schöner - Superlativ: am besten, am schönsten Bei Adjektiven unterscheidet man zwischen einer starken, schwachen oder gemischten Deklination, je nachdem, ob das Adjektiv mit bestimmtem Artikel, mit unbestimmtem Artikel oder allein steht. | | | Mask | Neut | Fem | Pl | | Nom | heiß | er | es | e | e | | Akk | | en | es | e | e | | Gen | | en | en | er | er | | Dat | | em | em | er | en |
Tab. 1: Die starke Deklination | | | Mask | Neut | Fem | Pl | | Nom | heiß | e | e | e | en | | Akk | | en | e | e | en | | Gen | | en | en | en | en | | Dat | | en | en | en | en |
Tab. 2: Die schwache Deklination | | | Mask | Neut | Fem | Pl | | Nom | heiß | er | es | e | en | | Akk | | en | es | e | en | | Gen | | en | en | en | en | | Dat | | en | en | en | en |
Tab. 3: Die gemischte Deklination Pronomina stehen anstelle von Nomina. Artikel stehen dagegen immer beim Nomen. Auch Pronomina und Artikel werden dekliniert. Bei zahlreichen Nomina wird im Deutschen am Artikel die Deklination in den meisten Kasus erst sichtbar. Ausnahme ist hier der Genitiv, der im Maskulinum deutlich markiert ist. der Hund des Hundes dem Hund den Hund Das nominale Paradigma im Deutschen weist zahlreiche Synkretismen auf. Dabei handelt es sich um Formengleichheit bei unterschiedlicher Bedeutung. So kann die Frau im nominalen Flexionsparadigma für das Femininum sowohl Nominativ als auch Akkusativ sein. KonjugationDas verbale Paradigma gliedert sich auf nach: - Person - Numerus - Modus - Tempus - Genus Verbi Zur Unterscheidung der Verbtypen (vgl. auch hier) Ferner unterscheiden wir bei der Konjugation zwischen starken Verben mit Veränderung des Stammvokals und schwachen Verben ohne Veränderung des Stammvokals. | | Präsens | Präteritum | 2. Partiziep | | regelmäßig | ich liebe | ich lieb-t-e | ge-liebt | | unregelmäßig | ich singe | ich sang | ge-sung-en |
Eine Verbform wie füttert kann in einer morphologischen Merkmalsstruktur wie folgt charakterisiert werden.

Eine detaillierte Übersicht über die Konjugation der Verben findet sich z.B. in Eisenberg (2004: 184-208). Zitierte Literatur: Eisenberg (2004a) Fleischer & Barz (1992) Dürr & Schlobinski (2006)
Netaya Lotze
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erstellt: 01.02.2012
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aktualisiert: nein
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