Mediensprache

Call for Papers: Rom 2008

Tagung: Deutsche Sprachwissenschaft in Italien
Ort: Rom
Datum: 14. bis 16. Februar 2008
Bereich: Angewandte Linguistik
Arbeitsgruppe: Sprache und neue Medien
AG-Leiter: Sandro M. Moraldo (Bologna/Forlì), Peter Schlobinski (Hannover)

Auf dem Weg zur Ausdifferenzierung der modernen Informations- und Kommunikationstechnologie sind Schlagworte wie Individualität, Mobilität, Interaktivität Wirklichkeit geworden. Sie stehen für einen tiefgreifenden Wandel, der durch Konvergenz und Digitalisierung geprägt ist. Das Zusammenwachsen von Telekommunikation, Computertechnik, Unterhaltungselektronik und Medien erlaubt die Bündelung von Einzelkomponenten wie Sprach-, Ton-, (bewegte) Bild-, Text- und Datentechnik zu einem neuen Multimedia-Produkt.

Vor dem Hintergrund der klassischen Medienrevolutionen sind das Internet und das Handy keine ,neue' Medien, sondern Technologien, in der ,alte' Medien integriert sind. So wird zu Recht das Internet als ,Multimedium' oder ,Hybridmedium' bezeichnet. Intermedialität und funktionale Abstimmung unterschiedlicher Einzelmedien bilden das Fundament der Hybridisierung. Dies findet seinen Niederschlag im Konzept von Hypermedia, in dem Bild, Ton und Schrift integral und durch Linkstrukturen vernetzt aufeinander bezogen sein können.

Auch die Entwicklung der Computertechnologie hat der individuellen wie wechselseitigen Kommunikation neue Dimensionen eröffnet und moderne Ausdrucksformen erschlossen. Im Hinblick auf die qualitativen Erweiterungen von Medienfunktionen hat der Computer die Rahmenbedingungen sowohl für den qualitativen Wandel des Kommunikationssystems als auch für neue mediale Kommunikationstechnologien geschaffen und sich damit als Legitimation für einen Paradigmenwechsel etabliert.

Ähnlich dem Handy, das am Anfang nur ein einfaches Mobiltelefon war, synchrone Kommunikation in Form von Gesprächen ermöglichte, dank seines 'Abfallproduktes' SMS aber binnen kürzester Zeit eine flächendeckende Akzeptanz in der Öffentlichkeit errang, ist auch der Computer mit Hilfe von Netzwerken und Modems immer kommunikativer geworden. Immer mehr Internet-User nutzen die Möglichkeiten neuer schriftbasierter Kommunikationsmodelle, wie das Schreiben, Empfangen und Verschicken von elektronischer Post (E-Mail), die Teilnahme an Diskussionsforen und Newsgroups, das 'Plaudern' im Internet Relay Chat (IRC) oder ICQ (Lautakronym: I Seek You: Ich suche dich) und neuerdings das Anlegen, Konfigurieren und Betreiben eines Weblogs.

Neue Medien und Kommunikationsformen werden in den Alltag der Mitglieder von Komunikationsgemeinschaften integriert, wie es kommunikative Bedürfnisse und Normen erfordern. Nur wenige werden süchtig und reduzieren ihr Kommunikationsverhalten auf computervermittelte Kommunikation, wie zahlreiche sozialpsychologische Studien zeigen. Bildungsstandards korrelieren nicht mit Mediennutzung, sondern soziale Faktoren und Migrationshintergründe sind entscheidend. Und die Nutzung des Internets führt nicht zum Sprachverfall wie es auch nicht zur Vorherrschaft des Englischen führt. Dass internetbasierte Kommunikation unsere Sprache und Kommunikationsrepertoires beeinflusst, dies ist unbestritten. Aber Medien als ein Faktor im Hinblick auf Sprachvariation und Sprachwandel sind nicht Ursache für vermeintlichen Sprachverfall und kommunikative Depravation, wenn ihre Bedeutung für die Entwicklung von Sprach- und Kommunikationsgemeinschaften auch nicht unterschätzt werden darf.

Wie verändert das Internet die deutsche Sprache? Lösen neue Kommunikationsformen alte ab? Sind Wörter wie *grins*, Abkürzungen wie hdl und LOL und Zeichen wie :-) oder (*_*) Ausdruck eines um sich greifenden Sprachverfalls? Führt die Hypertexttechnologie zu neuen Formen einer ,digitalen Literatur'? All dies sind Fragen, die in der Ag 'Sprache und neue Medien' thematisiert werden.

Bisherige Beiträger: Jens Runkehl (Darmstadt): Werbesprache im Internet, Marcello Soffritti (Bologna, Forlì): n.n., Torsten Siever (Hannover): Sprachökonomie in den neuen Medien, Michael Tewes (Hannover): Mensch-Maschine-Kommunikation

Vorschläge bitte an: Peter Schlobinski <pschlobi@uos.de>

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