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Hannover, 07.01.2009

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Emoticons: Gefühle mit Zeichen

Ein Großteil computervermittelter Kommunikation verläuft textbasiert. Als Prototypen gelten der Chat und die E-Mail, die erst mit der Einführung der HTML-basierten E-Mail multimodal geworden ist. Äußerst rar sind Kommunikationsformen, die auch die Übermittlung von Live-Bildern über Kameras (Webcams) ermöglichen, wie es etwa im Videochat oder bei einer Videokonferenz gegeben ist. Zwangsweise fallen die visuellen Bestandteile von Emotionen, Mimik und Gestik üblicherweise unter den Tisch. Emoticons stellen eine gewisse innovative Kompensationsstrategie dar, die mittels Text (zunehmend auch Grafiken) den fehlenden Anblick des Gegenübers überwinden sollen.

Den größten Teil von Emoticons, einer Wortkreuzung aus engl. emotion und icon, stellen Smileys dar. Im europäischen und amerikanischen Raum werden üblicherweise um 90 Grad gedreht zu lesende Smileys verwendet, was sich aus dem ursprünglich stark begrenzten Zeichenvorrat (7-Bit-ASCII) ergeben hat. Zu den bekanntesten Vertretern der Smileys zählen der lachende :-), der zwinkernde ;-) sowie der böse Smiley :-(. Daneben existieren Hunderte von mehr oder minder bekannten weiteren Zeichenfolgen - teils komplexe wie +<I:-) für den Weihnachtsmann. Standardisiert werden die Smileys nur über entsprechende Listen und regelmäßige Verwendungsweisen mit der Folge, dass ein und derselbe Smiley mit zum Teil unterschiedlichen Bedeutungen verwendet werden. So etwa :-o für 'erstaunt' oder 'schreiend', :-P ebenfalls für 'schreiend', aber auch für 'Zunge herausstreckend'. Zumeist ergibt sich die Bedeutung aus dem Kontext - wie sich der (Ko)text umgekehrt auch erst aus dem Smiley ergeben kann. So werden etwa ironische Äußerungen typischerweise als solche gekennzeichnet mit dem zwinkernden Gesicht ;-).

Ein Smiley kann auch variiert werden: Iterierte (wiederholte) Zeichen dienen zum Beispiel der Betonung; so drückt :-))) gegenüber :-) eine größere Freude aus, :((( gegenüber :( beträchtlicheren Ärger. Wie letzteres Beispiel zeigt, kann der Bindestrich, also die ›Nase‹ auch getilgt werden.

Übrigens gehört ASCII-Art ('Kunst' auf Basis des ASCII-Zeichensatzes) nicht zu den Emoticons. Zwar haben sie ikonischen Charakter, aber sie transportieren keine Emotionen, sondern bilden lediglich Gegenstände ab, so etwa als bekannter Vertreter die Rose @>--->---. Üblich ist hier ebenso nicht gedrehte Kunst wie etwa der tote Fisch <+))><.

Interessant ist, dass sich Smileys im asiatischen, vor allem japanischen Raum nicht in gedrehter Weise etabliert haben - wie (^o^) anschaulich verdeutlicht.

Näheres zu japanischen Smileys

 

Torsten Siever

erstellt: 01.02.2006

 aktualisiert: 06.02.2006 

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